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Ludwig Windthorst: Ein Vorbild für die heutige Jugend

Alle Menschen brauchen Vorbilder, die Jugend besonders. Ludwig Windthorst (1812-1891), der zeitlebens unbeugsam für das Recht und den Minderheitenschutz kämpfte, ist ein Vorbild - gerade in heutiger Zeit. Der Gegenspieler Bismarcks galt als ,,parlamentarisches Wunder".

Im Beisein der führenden Vertreter der Ludwig-Windthorst-Stiftung, Dr. Werner Remmers (Vorsitzender), Dr. Hermann Kues (Stellvertreter), Martha Ortmann (Geschäftsführerin) und Alexander Herbermann (Mitglied im Arbeitskreis Unterrichtsmaterialien) stellten der Leiter der Friedensschule, Ewald Teipen, und sein Kollege, Realschullehrer Paul Haverkamp, die Ausstellung ,,Ludwig-Windthorst: Ein christlicher Politiker als Vorkämpfer für Rechtsstaatlichkeit und Toleranz" vor.

Haverkamp hatte mit großem Engagement die Ausstellung vorbereitet. Ein von der Ludwig-Windthorst-Stiftung eingesetzter Arbeitskreis Unterrichtsmaterialien, in dem auch Haverkamp mitarbeitet, soll den Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien bis Ende des Jahres Unterlagen für die Beschäftigung mit Windthorst zur Verfügung stellen.

Die Ausstellung wird bis zum November in der Friedensschule (Hauptschule, Realschule und Orientierungsstufe) gezeigt. Andere Schulen, die Interesse haben, sie danach zu übernehmen, werden gebeten, sich mit der Friedensschule in Verbindung zu setzen. Bedingung für eine Weitergabe ist, dass die Ausstellung unter Glas gezeigt wird. Die wichtigsten Informationen über die Ausstellung können unter www.friedensschule-lingen.de abgefragt werden.

Nach den Worten von Dr. Remmers und Dr. Kues soll das Leben von Ludwig Windthorst der Jugend deutlich machen, wie wichtig es im Sinne von Demokratie und Minderheitenschutz ist, sich politisch zu engagieren. Die Stiftung fördert deshalb junge Leute, die über Studium und Beruf hinaus bereit sind, sich im christlich-sozialen Sinne politisch und gesellschaftlich einzusetzen.

Haverkamp verwies darauf, dass die Ausstellung die Grundlage für den Unterricht in der Friedensschule sei, um sich in nächster Zeit ,,fächer- und schulformübergeifend" mit Ludwig Windthorst zu befassen. Fast 25 Jahre vertrat der kleingewachsene und sehbehinderte Mann als Abgeordneter das Emsland. Für den Wahlkreis ,,Meppen-Lingen-Bentheim" wurde er 1867 zunächst in den Norddeutschen Bund und 1871 dann in den Deutschen Reichstag gewählt. Den Wahlkreis ,,Meppen-Aschendorf-Hümmling" vertrat er ab 1867 im Preußischen Abgeordnetenhaus. Bis zu seinem Tod im Jahr 1891 wirkte er für die Wahlkreise in beiden Parlamenten.

Paul Haverkamp skizzierte bei der Präsentation der Ausstellung die Denkweise des Zentrumspolitikers mit berühmten Zitaten. So erklärte Windthorst im Reichstag: ,,Ich werde das Recht, welches ich für die Katholiken und für die katholische Kirche und deren Diener in Anspruch nehme, jederzeit vertreten, auch für die Protestanten und nicht minder für die Juden. Ich will eben das Recht für alle."

Und für dieses Recht setzte sich der in Ostercappeln bei Osnabrück geborene Zentrumsführer kompromisslos ein, wie er kurz vor seinem Tod im preußischen Abgeordnetenhaus noch einmal deutlich machte: ,,Lieber verhungern, als ein Prinzip des Rechts aufgeben."

Windthorst war, wie Haverkamp unterstrich, kein Fundamentalist in Sachen Katholizismus. Der Christ vertrat eine unabhängige Haltung gegenüber dem Papst in weltlichen Fragen und setzte sich für eine politische Zusammenarbeit mit den Protestanten ein.

Das Vermächtnis von Windthorst fasste Haverkamp wie folgt zusammen: Er war ein grundsatzfester Vertreter allgemeiner Menschen- und Freiheitsrechte, ein Vorkämpfer des liberalen Verfassungsstaates und Wegbereiter einer christlichen Demokratie. Rechtsstaatlichkeit, Toleranz, Bewahrung der Menschenwürde - das sind Forderungen, für die Windthorst damals gestritten hat; um diese unverzichtbaren Forderungen eines demokratischen Rechtsstaates muss jedoch immer wieder neu im gesellschaftspolitischen Alltag einer jeden Generation gerungen und oftmals auch gestritten werden.


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