Gutachten vorgestellt „Energiestandort südliches Emsland“ mit guten Chancen

Von Thomas Pertz


Meppen. Die Chancen des „Energiestandortes südliches Emsland“ im Zuge der Energiewende und der damit verbundenen Abschaltung des Kernkraftwerkes in Lingen Ende 2022 sind größer als die Risiken. Dies ist die Kernaussage des Gutachtens zum „Energiestandort südliches Emsland“, das das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) im Auftrag des Landkreises ausgearbeitet hat.

Einzelheiten des Gutachtens hatte am Montag Dr. Ulrich Schasse vom NIW im Kreishaus vorgestellt. Unterstützt worden war die Ausarbeitung von der Stadt Lingen und den Gemeinden Salzbergen, Geeste, Emsbüren und Twist sowie den Samtgemeinden Spelle, Freren und Lengerich. Die Verwaltungschefs der Kommunen hatten die Ausführungen von Schasse ebenso aufmerksam verfolgt wie Kreistags- und Kreispolitiker sowie Vertreter der Kreisverwaltung.

Rund 60 Seiten umfasst das Gutachten. Es basiert auf Datenmaterial von über 40 Unternehmen aus der Energiewirtschaft und energieintensiven Betrieben. „Bei 14 Unternehmen haben wir außerdem gemeinsam mit den Bürgermeistern lange Interviews durchgeführt“, beschrieb Schasse die Bemühungen um möglichst umfassendes Zahlenmaterial.

Der Experte bezifferte die direkten und indirekten Beschäftigungseffekte von Unternehmen der Energiewirtschaft im südlichen Emsland auf 21.000 Arbeitsplätze in Deutschland, davon rund 7.400 im Emsland. Mit Blick auf den 31. Dezember 2022 und dem Ende der Laufzeit des Kernkraftwerkes i m Lingener Industriepark sprach Schasse von „ausgezeichneten Voraussetzungen“, den mit der Energiewende verbundenen Strukturwandel zu bewältigen. Zwar seien Arbeitsplatzverluste in Teilen der Energiewirtschaft und deren Vorleistern nicht zu vermeiden. Dem stünde aber eine überdurchschnittlich positive Beschäftigungsentwicklung gegenüber. Die Wirtschaftsstruktur mit einer starken Industrie in den Bereichen Maschinenbau, Metall, Mineralöl und Chemie, außerdem Baugewerbe und Dienstleistungen sei robust. Auch der Energiesektor selbst bietet weiter Perspektiven: Strom aus regenerativen Energien produziert das Emsland reichlich, die vorhandenen Netze sichern die Anbindung an überregionale Stromverteiler.

Zu tun gibt es gleichwohl auch weiter genug. Schasse formulierte ein ganzes Hausaufgabenpaket, dessen Bestandteile unter anderem die Vernetzung der Energieunternehmen, die Verbesserung von Ausbildungskapazitäten, engere Kooperationen mit Hochschulen und verbesserte Standortbedingungen für Erneuerbare Energien umfasste. Den Hinweis von Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone auf die Chancen, die das neue „Kompetenzzentrum Energie“ in Lingen spielen könne, griff Landrat Reinhard Winter auf. Analog zum Mema-Netzwerk, das allen Unternehmen der Metall- und Maschinenbaubranche in der Region offensteht, könne, so Winter, auch ein Energie-Netzwerk entstehen, angedockt am Campus in Lingen. „Akteure zusammenbringen, eine Plattform schaffen, Kräfte bündeln“, formulierte der Landrat weitere Aufgaben.

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Ein Blick in das Gutachten ist im Internet unter www.niw.de möglich.


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