Probleme mit Alkoholkonsum Suchtberatung der Caritas hilft Mann aus Lingen

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Ein Glas Bier ist völlig in Ordnung. Problematisch wird es, wenn Anfang und Ende des Konsums nicht mehr kontrollierbar sind. Foto: Christiane AdamEin Glas Bier ist völlig in Ordnung. Problematisch wird es, wenn Anfang und Ende des Konsums nicht mehr kontrollierbar sind. Foto: Christiane Adam

Lingen. Die Suchtberatung des Caritasverbandes für den Landkreis Emsland hilft Betroffenen, wieder ein normales Leben zu führen. Der Caritasverband für die Diözese Osnabrück feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Thorsten Wendker (Name von der Redaktion geändert) erinnert sich noch ziemlich gut, wie vor rund 20 Jahren der Stress und damit der Alkohol in sein Leben kamen. „Meine Frau ist nach der Geburt unseres Kindes krankheitsbedingt ausgefallen. Ich musste mich um vieles alleine kümmern.“ Während des Gesprächs sitzt er zwischen seiner Bezugstherapeutin, Mariette Köhler, und Marion Feldmann. Beide arbeiten in der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation des Caritasverbandes für den Landkreises Emsland.

„Ich habe viel in mich hineingefressen“

Inzwischen kann er recht gelassen darüber reden, wie es dazu kam, dass er alkoholabhängig wurde. Reden ist das Stichwort: Das habe er vorher nicht gekonnt. „Ich habe viel in mich hinein gefressen. Der Alkohol war der Ersatz dafür, was ich mit Worten nicht ausdrücken konnte“. Die Krankheit seiner Frau flammte immer wieder auf. Während dieser Zeit wurde er zum Abteilungsleiter befördert. Was eigentlich eine Auszeichnung ist, übte auf den Familienvater Druck ganz anderer Art aus: „Von heute auf morgen war ich den Kollegen höher gestellt, damit kam ich nicht klar. Die Folge: noch mehr Alkoholkonsum.“ Später schickte die Firma ihn auf Montage und mit den Kollegen spielte der Alkohol in der Freizeit eine große Rolle. Ein Teufelskreis aus Druck, über den er nicht reden konnte, und gesellschaftlich allzu akzeptiertem Alkoholgenuss begann.

Heimliches Trinken ist alarmierend

Zuhause jedoch versuchte der Familienvater, das Trinken zu verheimlichen. „Bier war meine Medizin, um nach Feierabend runterzukommen“. Für Marion Feldmann ist dies ein klares Zeichen für Sucht: „Wenn Beginn und Ende des Konsums nicht mehr zu kontrollieren sind und wenn überdies heimlich getrunken wird, ist dies alarmierend“, erklärt die Leiterin der Fachambulanz. Wegen Depressionen begab sich Wendker in ärztliche Behandlung, das Alkoholproblem aber verschwieg er.

Auch keine Seltenheit: „Alkoholkranke sind wunderbare Schauspieler“, weiß Feldmann aus Erfahrung. Einerseits war Wendker sich seines Suchtproblems zwar bewusst, so versuchte er mehrfach, ohne Hilfe von außen das Trinken zu lassen, andererseits verdrängte er, wie weit er bereits in die Abhängigkeit geraten war.

„Auf einer Firmenfeier mit Kollegen habe ich mich vergessen“

Dann der entscheidende Tag: „Auf einer Firmenfeier mit Kollegen habe ich mich vergessen und alles um mich herum verdrängt. Obwohl ich versprochen hatte, zeitig zu Hause zu sein, wurde es sehr spät. Zuhause gab es einen heftigen Streit mit meiner Frau und meinem Kind. Sie waren in Sorge, weil sie nicht wussten, wo ich war und was passiert war. Am nächsten Morgen habe ich gesehen, dass mein Kind mir etliche verzweifelte Nachrichten auf die Mailbox gesprochen hatte. Ich habe mich so geschämt. Plötzlich wurde mir klar, und ich habe es auch laut ausgesprochen: Ich brauche Hilfe. Meine Frau hat mich dann direkt in das St. Vinzenz Hospital in Haselünne gebracht.“

Ambulante Therapie der beste Weg

Sieben Tage bleiben die Patienten im Durchschnitt dort zur Entgiftung. Während dieser Zeit hat Wendker Ivonne Egbert kennengelernt. Sie ist ebenfalls Mitarbeiterin der Caritas Fachambulanz für Suchtprävention und geht täglich ins Klinikum in Haselünne. Sie war es auch, die mit Wendker gemeinsam entschied, dass eine ambulante Therapie für den Familienvater der beste Weg sei. „Herr Wendker hatte den Hebel noch früh genug umgelegt und lebte noch in einem relativ stabilen Umfeld. Er hatte seine Familie und seine Arbeitsstelle noch nicht verloren“, begründet Suchttherapeutin Köhler die Entscheidung für die ambulante Rehabilitation.

„In der Therapie zu reden, befreit viele“

Nach der Beantragung bei der Rentenversicherung, bei der Egbert auch half, wurde Köhler für Wendker zur wichtigsten Ansprechpartnerin. In den Räumen der Caritas in Lingen wurden in Einzeltherapiestunden und Gruppensitzungen Gründe für die Sucht, auslösende Situationen, alternative Handlungsweisen, Verhalten auf Feiern und vieles mehr analysiert und besprochen. „In der Therapie darüber reden, frei und offen, das befreit viele“, weiß die Sozialpädagogin. Offen und frei reden – das war auch für Thorsten Wendker das Entscheidende. In seiner Firma hat er direkt nach dem Entzug in Haselünne gesagt, was Sache ist. Das hat ihm Respekt eingebracht. Heute hat er sogar noch mehr Verantwortung in der Firma übernommen – und lebt seit fast zwei Jahren ohne Alkohol.


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