Jeden Monat dickes Minus Tiefe Sorgenfalten bei Milchbauern im südlichen Emsland


Emsbüren. Die Folgen der weltweiten Überproduktion in der Milchwirtschaft treffen inzwischen auch viele Milchviehhalter im Altkreis Lingen hart. Im Laufe des Monats Mai wurden von den Molkereien in der Regel 21 Cent an die Milcherzeuger gezahlt.

Die Situation trifft jetzt besonders auch die Betriebe, die ordentlich wirtschaften, hervorragende Leistungen und Ergebnisse nachweisen können und in den vergangenen Jahren in die Zukunft investiert haben. „Viele Betriebe leben derzeit von der Substanz“, heißt es immer wieder. Und wenn die Substanz nicht mehr da ist, wird es existenzgefährdend. Sicher sei, dass der Strukturwandel immer schneller dafür sorgt, dass immer mehr bäuerliche Familienbetriebe zwangsläufig aufgeben müssen. Überleben werden dann nur noch kapitalkräftige Großbetriebe, lauten die Befürchtungen.

Die Sorgenfalten nehmen auch bei Andreas und Sabine Lohmöller in Listrup zu. Aktuell melkt der Betrieb 75 Hochleistungs-Milchkühe, die etwa 800.000 Liter Milch im Jahr produzieren.

Die Familie Lohmöller kann ihre bäuerliche Tradition bis ins Jahr 1485 zurückverfolgen. Die konsequente züchterische Arbeit im überregional bekannten Zuchtbetrieb für Holstein-Frisian-Kühe wird inzwischen in der vierten Generation betrieben. Der L-Stamm der Kuhfamilie geht auf das Jahr 1920 und damit bereits auf den Urgroßvater zurück. Der 45-jährige Andreas Lohmöller versteht sich als „Bauer mit Leib und Seele“. Er konzentriert sich seit Jahren auf die Leistung und Qualität seiner Herde.

Die Perspektiven als Vollerwerbsbetrieb mit 75 Kühen seien derzeit sehr schwierig, sagt er. Ans Aufgeben denkt Lohmöller aber auf keinen Fall. „Wir wollen einen überlebensfähigen Betrieb an die nächste Generation weitergeben“, beschreibt er sein Ziel. Und hier ergibt sich für die Familie ein „Luxus-Problem“: Die Lohmöllers haben drei Söhne und eine Tochter. Die Söhne Jake (21 Jahre) und Devon (19) haben inzwischen ihre landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen und besuchen die Fachschule. Sohn Luke (17) hat mit der Ausbildung zum Landwirt begonnen. Tochter Allison (18) wird im Sommer zu einem Praktikum auf einer großen Rinderfarm nach Kanada starten. „Wir sind alle Bauern und Rinderzüchter durch und durch. Da kann man nicht einfach sagen: Aufgeben!“, betont das Familienoberhaupt.

Ein Cent weniger macht 1000 Euro aus

Die Zeichen der Zeit nutzte im Jahr 2014 Landwirt Albert Wobbe aus Listrup. In dem im Jahr 1979 gebauten Stall standen erhebliche Investitionen an. „Wir standen vor der Wahl: Wachsen oder Weichen, Neubau, Umbau oder aus der Milchproduktion ausscheiden“, beschreibt Albert Wobbe die Überlegungen. Der Milchpreis lag seinerzeit bei 38 Cent pro Liter, die Rentabilitätsberechnungen gingen lediglich von „30 Cent plus“ aus: „Die Prognosen waren insgesamt sehr gut“, sagt Wobbe.

Der Landwirt errichtete direkt an der Hofstelle einen Boxenlaufstall, installierte zwei Melkroboter und verdoppelte den Kuhbestand auf 130 Kühe. Diese liefern im Jahr rund 1,4 Millionen Liter Milch.

Insgesamt wurde rund eine Million Euro investiert. Die Kosten für Zinsen und Tilgung sind erheblich. Wobbe rechnet vor: „Wenn ich für den Liter nur einen Cent weniger bekomme, macht das im Monat rund 1000 Euro minus. Bei 17 Cent Differenz (von 38 auf 21 Cent) liegt das Minus jeden Monat bei 17.000 Euro. Klar sei, dass alle Kosten auf den Prüfstand kommen würden. Alle geplanten Investitionen, beispielsweise in Maschinen und Geräte, würden verschoben.

Trotz der gegenwärtig schwierigen Finanzsituation blickt Albert Wobbe voller Optimismus in die Zukunft. Die Investition habe sich rentiert, weist er beispielhaft auf den Aspekt der höheren Lebensqualität hin. Den gesamten Betrieb mit doppeltem Tierbestand führt er allein mit einem Auszubildenden, auch dank der innovativen Melkroboter-Technik.

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