75-Jährige vergewaltigt Zehn Jahre Haft für „ein Monster“ aus Lingen

Zehn Jahre ins Gefängnis muss jetzt ein einschlägig vorbestrafter Vergewaltiger. Symbolfoto: Colourbox.deZehn Jahre ins Gefängnis muss jetzt ein einschlägig vorbestrafter Vergewaltiger. Symbolfoto: Colourbox.de

Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat am Mittwoch einen 54-jährigen Mann aus Lingen wegen der Vergewaltigung einer 75-jährigen Frau zu zehn Jahren Haft und der zeitlich unbegrenzten Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt.

Damit sühnte das Gericht den brutalen Überfall auf die ahnungslose Frau, in deren Nachbarschaft der Täter gewohnt hatte. Anfang Oktober 2015 hatte er gegen Mittag an ihre Tür geklingelt und sie in ein Gespräch verwickelt. Mit einem Mal forderte er die Herausgabe von Geld und stieß die Frau in den Wohnungsflur. Da sie nur wenig Bargeld im Haus hatte, traktierte er sie mit Schlägen und bedrohte sie mit einem Messer. Anschließend war es zu der Vergewaltigung gekommen, wobei der Angeklagte sie wieder mit dem Messer bedroht hatte. Später hatte er dann von seinem Opfer die Herausgabe der Geldkarte erzwungen, etwa 1000 Euro Bargeld abgehoben und den größten Teil davon in einem Spielsalon in Automaten gesteckt.

Tat gestanden

Der Angeklagte hatte die Tat gestanden. Er ist bisher zwölf Mal verurteilt worden. Wie der Staatsanwalt im Prozess darlegte, hat der 54-Jährige nahezu 17 Jahre seines Lebens in Haft zugebracht. Zweimal wurde er wegen Vergewaltigung bestraft, zuletzt hatte er deswegen eine siebenjährige Haftstrafe abgesessen. Nur knapp drei Monate nach seiner Entlassung war es dann zu der Tat an der 75-Jährigen gekommen.

„Multiple Störungen„

Ein Sachverständiger hat im aktuellen Prozess von einer dissozialen Persönlichkeitsstörung des Angeklagten gesprochen, die von einer multiplen Störung der Sexualpräferenzen, unter anderem sadistische Neigungen, begleitet wird. Der Gutachter erkannte zudem eine deutliche Steigerung des Gewalteinsatzes bei den Taten. Es sei nicht auszuschließen, dass es bei weiteren Taten auch zu einer Tötung kommen könnte, zitierte der Staatsanwalt aus dem Gutachten, das die Kammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört hatte.

„Unglaubliche Brutalität“

In seinem Plädoyer sprach der Staatsanwalt von einer „geplanten Tat, die nicht nur von einer sexuellen Motivation, sondern auch von dem Wunsch, an Geld zu kommen, getragen war“. Er forderte zehn Jahre und sechs Monate Haft für die „von unglaublicher Brutalität begleitete Tat“.

Skrupellos„

Die Kammer verhängte nach einstündiger Beratung eine Strafe von zehn Jahren Gefängnis. Der Vorsitzende beschrieb den Angeklagten aus dem Gutachten zitierend als „skrupellosen, gewissenlosen, kaltblütigen Menschen ohne Empathie – ein Monster“. Die Grausamkeit und Brutalität, mit der er vorgegangen war, würden die ihm bislang nachgewiesenen Verbrechen deutlich übersteigen, sodass der Angeklagte für die Allgemeinheit zur Gefahr werde. Die Kammer ordnete deshalb dessen einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus ohne eine zeitliche Begrenzung an. „Und wir werden ins Urteil schreiben, dass eine Vollzugslockerung nur dann in Frage kommen kann, wenn wirklich jeder Zweifel beseitigt ist, dass von ihm noch eine Gefahr ausgehen könnte“. Eine Sicherheitsverwahrung des einschlägig vorbestraften Täters, wie sie zu Beginn des Prozesses im Raum gestanden hatte, wurde nicht verhängt.


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