Kunst und Trauma Frauen in Lingen verarbeiten ihre Gewalterfahrungen

Von Christiane Adam


Lingen. Der SKF Lingen und die Kunstschule Lingen haben das Projekt „Kunst und Trauma“ ins Leben gerufen. Frauen verarbeiten darin Gewalterfahrungen.

Horizontal sind die Farben im Bild von Margot Henssler (Name von der Redaktion geändert) angeordnet. Unten ein dunkles Blau über Dunkelrot, Rosa und Gelb bis zu einem leuchtenden Grün am oberen Bildrand. „Ich wollte damit ausdrücken, dass ich immer weiter aus dem Dunklen raus bis ins Helle gekommen bin“, erklärt die Teilnehmerin am Projekt „Kunst und Trauma“. Wie die anderen sechs Teilnehmerinnen des Projektes hat sie in ihrer Ehe Gewalt erfahren. „Die Frauen haben vielfältige Gewalterfahrungen. Sie haben körperliche Gewalttätigkeiten unter anderem in Form von Schlägen, Würgen, sexueller Gewalt bis hin zu Mordversuchen erlebt.“

Selbstbild gerät ins Wanken

Psychische Gewalt äußere sich in Drohungen, Demütigungen, Beschimpfungen, Verboten und Kontrolle“, sagte Monika Olthaus-Göbel jetzt in ihrer Begrüßungsansprache auf dem Flur des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) in Lingen. Das gesamte Selbstbild dieser Frauen gerate ins Wanken; sie seien zutiefst traumatisiert, erklärt die Diplom-Sozialarbeiterin, die auch Traumapädagogin ist. Um die Traumatisierten für ihre eigene Wahrnehmung und ihre Bedürfnisse zu sensibilisieren und sie wieder zu stärken, hat der SKF gemeinsam mit der Kunstschule Lingen das Projekt „Kunst und Trauma“ ins Leben gerufen. Finanziert wurde es vom Inner Wheel Lingen, dem weiblichen Pendant des Rotary Clubs.

Symbolträchtige Schritte

„Danke für diesen Anstoß“, wandte sich Elke Schürhaus an die Vertreterinnen des Inner Wheel. Schürhaus ist Kunsttherapeutin und hat mit sieben betroffenen Frauen von Mai bis Dezember des letzten Jahres alle vierzehn Tage intensiv an dem Projekt gearbeitet . Symbolträchtig waren die einzelnen Schritte. So wurde beispielsweise ein Kreis zunächst in Tortenstücke eingeteilt und diese dann nacheinander ausgefüllt – „man kann nicht alles auf einmal bearbeiten“. Oder es wurde zu einem Termin Essen mitgebracht unter dem Motto „was hat mir im Leben geschmeckt und was nicht“. Daraus entstanden ist ein kleines Bild, das Margot Henssler mit Beerenfotos aus Zeitschriften beklebt hat. „Für mich symbolisiert das: Auch, wenn ich nicht viel habe, aber ich kann mir trotzdem wieder etwas gönnen.“

Projekte sollen weitergeführt werden

Henssler gehört zu den Frauen, die es geschafft haben, sich aus der gewalttätigen Beziehung zu befreien. Andere Frauen, die im Projekt dabei waren, sind noch nicht so weit. Die Gespräche und der Gruppenzusammenhalt neben der künstlerischen Betätigung seien besonders wichtig gewesen. „Diesen Weg könntest du auch gehen. Aber jede ist anders. Wir haben es schon geschafft; damit haben wir den anderen Mut machen können“, betont sie, die ihr Leben jetzt neu geordnet hat. Ein Höhepunkt im Projekt war eine Fahrt ins Coda Museum in Apeldoorn. Dieser wurde vom Büro der Gleichstellungsbeauftragten Angelika Roelofs finanziert. Daraus entstanden Papierigel. Zu welchen künstlerischen Ergebnissen die einzelnen Teilnehmerinnen jede für sich oder in Gemeinschaft auch kamen: „Solche Projekte sollen weitergeführt werden. Diese Gruppenarbeit hat mich darin bestärkt zu sehen: Wir Frauen sind stark. Wir können etwas und wir sind wertvoll“, dessen ist sich Margot Henssler inzwischen wieder sicher.

Die Ausstellung der vielfältigen Gemälde, Skulpturen, Papierigel etc. kann während der Bürozeiten des SKF in der Bögenstraße 12 in Lingen besichtigt werden.


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