„Schnecken“ gegen Hochwasser Schöpfwerk in Lingen soll 2014 fertig sein

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Lingen. Sollte sich bei einem Hochwasser in der Ems das Wasser des in den Fluss fließenden Lingener Mühlenbaches stauen und damit womöglich zu einem Pro-blem für die Stadt werden, wird ab Sommer 2014 ein Schöpfwerk in Reuschberge das Wasser des Baches in die Ems heben.

Zum Auftakt des CDU-Ferienprogramms hatten sich rund 40 Parteifreunde am Montagabend in Reuschberge versammelt, um sich unter fachkundiger Führung von Georg Tieben, Fachbereichsleiter Tiefbau der Stadt Lingen, die Funktionsweise des Schöpfwerkes und den Baufortschritt erläutern zu lassen.

Mit rund 4,5 Millionen Euro ist das Schöpfwerk das teuerste Einzelprojekt im Hochwasserschutz für die Stadt Lingen. Gefördert wird das Bauwerk mit 50 Prozent EU-Mitteln und 20 Prozent Landesmitteln, sodass die Stadt Lingen „nur“ 30 Prozent schultern muss. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren 9,5 Millionen Euro für Hochwasserschutzanlagen entlang der Ems ausgegeben.

Nach Angaben des Fachmanns soll durch ein Siel ein hereindrückendes Hochwasser der Ems verhindert werden. Zudem sollen vier „Schneckenpumpen“ mit einem Durchmesser von drei Metern und einer Länge von sieben Metern das Wasser des Mühlenbaches „in die Ems heben“, um den höchstzulässigen Wasserstand im Mühlenbach nicht zu überschreiten. Rückblickend erinnerte sich Tieben an die Jahre 1987/1988, als das Wasser des Mühlenbaches für die Stadt bedrohlich angestiegen sei. „Wir haben Tage und Nächte Sandsäcke geschleppt, und es war kurz vor knapp“, schilderte der Ingenieur die Situation. Und damit es nicht wieder zu einem solch beängstigenden Szenario komme, würden die Schnecken mit einer Förderleistung von insgesamt 16 Kubikmeter Wasser pro Sekunde eingebaut.

Um mit dem Bau des Schöpfwerkes beginnen zu können, mussten umfangreiche Vorarbeiten, wie etwa das Verlegen von Abwasserleitungen, erledigt werden. Zudem ist ein Konzept entwickelt worden, dieses Bauwerk ohne eine Grundwasserabsenkung errichten zu können.

Sobald im Herbst die „Schneckenhochzeit“, sprich der Einbau der vier Schneckenpumpen, erfolgreich abgeschlossen ist, wird auch der Mühlenbach auf seinem Weg in die Ems auf einem kurzen Weg umgeleitet und durch das Schöpfwerk geführt. Tieben: „Wir werden dann mindestens zweimal im Jahr einen Probelauf durchführen, um sicherzustellen, dass in einem Notfall das Schöpfwerk auch wirklich zuverlässig arbeitet.

Sichtlich beeindruckt zeigten sich die Besucher des im Bau befindlichen Schöpfwerkes. Gerade vor dem Hintergrund der zerstörenden Hochwasser im Osten und Süden Deutschlands sei man froh, dass in Lingen ein funktionierender Hochwasserschutz vorhanden sei.


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