Vermieter schockiert Frau hinterlässt Wohnung im südlichem Emsland in wüstem Zustand

Von Lida Mehri


lime Lingen. Eineinhalb Jahre hat eine junge Frau im südlichen Emsland in einer Mietwohnung gelebt. Nach ihrem Auszug ist der Vermieter vom Zustand der Wohnung völlig schockiert.

Umzugskartons, dreckige Wäsche, Zigarettenstummel, kaputtes Spielzeug, Müll: Alles liegt kreuz und quer auf dem Boden verteilt. Der Geruch verdorbener Lebensmittel zieht aus der Küche durch die gesamte Drei-Zimmer-Wohnung.

Als Vermieter Joseph Paarl (Name von der Redaktion geändert) die Wohnung betritt, ist er geschockt, fassungslos: „So etwas habe ich in den letzten 20 Jahren nicht erlebt.“ Eineinhalb Jahre lebte die Frau in der Wohnung zur Miete und sei nie großartig aufgefallen. Dies bestätigt auch ein Nachbar. ,,Wenn ich das geahnt hätte...“ Aus dem Blick von Joseph Paarl spricht eine Mischung aus Wut und Mitleid, denn er weiß: Die junge Frau lebte gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter in der verdreckten Wohnung.

Mietrückstände, weil das Sozialamt nicht mehr zahlt

Die Frau sollte ausziehen, weil sie Mietrückstände hatte. „Vor Monaten hatte das Sozialamt nicht mehr die komplette Miete an die Frau überwiesen, da die Wohnung zu groß für die alleinerziehende Mutter und ihre Tochter sei“, sagt der Vermieter.

Bereits zwei Wochen vor dem geplanten Auszugstermin wollte Joseph Paarl mit einem möglichen Nachmieter die Wohnung besichtigen. Beim Anblick der Wohnung war er mit seiner Mieterin im Flur in Streit geraten –sie untersagte ihm, weiter in die Wohnung hinein zu gehen.

Per SMS über Auszug informiert

Das wäre ihr unangenehm gewesen, weil sie mitten im Umzugsstress gesteckt habe, so die ehemalige Mieterin der Wohnung im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie habe versprochen aufzuräumen. Sie fühle sich selbst nicht wohl, wenn es schmutzig sei. Doch 14 Tage später ist die Wohnung in keinem besseren Zustand. Die Mieterin hatte die Schlüssel in der Wohnung zurückgelassen, die Tür hinter sich zugezogen und Joseph Paarl per SMS über ihren Auszug informiert. „Auf Anrufe und Nachrichten reagiert sie seitdem nicht“, ärgert sich der Vermieter.

Machtlos und im Stich gelassen

Joseph Paarl fühlt sich im Stich gelassen und machtlos, weil er als Vermieter nun auf den Kosten für das Entrümpeln und Sanieren der Wohnung sitzen bleibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die ehemalige Mieterin sich beteiligt, ist klein.

„Man geht immer vom Guten im Menschen aus“, meint er. Und genau das bereut Joseph Paarl jetzt. Der Vermieter hatte beim Einzug der jungen Frau wegen ihrer finanziellen Situation auf eine Kaution verzichtet. „Gutheit ist Dummheit“, sagt er heute. Auf die Frage, ob er Angst habe, dass so etwas wieder passiert, antwortet er mit Ja. Er denkt darüber nach, in Zukunft mehr Informationen über potenzielle Mieter einzuholen, um sich abzusichern.

Der Fall hat ihn Geld und vor allem Zeit gekostet, denn bis die Wohnung wieder in einem Zustand ist, in der sie vermietet werden kann, ist noch Einiges zu tun.


Rechtliche Hinweise: Was kann der Vermieter tun?

Vermüllte Mietwohnung: Der Fall aus dem Südlichen Emsland wirft die Frage auf, was der Vermieter nun tun kann. Was ist sein Recht? Was darf er und was darf er nicht? Lutz Klaas, Fachanwalt für Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht aus der Kanzlei Kopp und Partner, hat unserer Redaktion Antworten gegeben.

Es ist anzunehmen, dass der Zustand der Wohnung vor dem Auszug der Mieterin noch deutlich schlimmer gewesen ist. Der Vermieter hatte keine Ahnung, dennoch stellt sich die Frage, was er hätte tun können, wenn er vom Zustand der Wohnung gewusst hätte. Die Frage sei schwer zu beantworten, meint Rechtsanwalt Klaas. Nach §543 BGB kann der Vermieter den Vertrag fristlos kündigen, wenn der Mieter Sorgfaltspflichten vernachlässigt und dadurch die Wohnung erheblich gefährdet. „Das kann auch bei der Vermüllung gegeben sein“, so Klaas.

Doch:„Es ist einiges zu beachten: Nicht jeder Geruch aus der Wohnung rechtfertigt eine Kündigung.“ Auch Müll, der die Wohnung nicht beschädigt oder Nachbarn nicht stört, sei kein Grund, zu kündigen. Ist die Vertragsfortsetzung nach den Anforderungen wirklich nicht zumutbar, darf der Vermieter außerdem nicht lange zögern, da anderenfalls das Kündigungsrecht verwirkt sein kann.

Wenn der Mieter der Aufforderung zur Räumung nicht nachkommt, sollte der Vermieter Räumungsklage erheben. Zurückgebliebene Gegenstände in der Wohnung muss der Vermieter allerdings mindestens einen Monat einlagern, bevor er sie verwerten darf. Das gilt jedoch nicht für Müll, an dem offensichtlich kein Interesse an Aufbewahrung besteht.

„Höchstwahrscheinlich wird der Vermieter der Wohnung die nun entstandenen Kosten für Räumung und Sanierung selbst tragen müssen“, so der Anwalt. Er rät Wohnungseigentürmern, Mietinteressenten um eine Selbstauskunft, zum Beispiel in Form eines Fragebogens, zu bitten und eine Mietkaution zu verlangen.

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