Anti-Atomkraft-Demo in Lingen Demonstranten: Brennelementefabrik schließen

Von Sven Lampe


Lingen. Gegen die Nutzung der Atomkraft hat sich am Sonntag eine Demonstration in Lingen gerichtet. Die Demonstranten sprachen sich außerdem für die Schließung der Brennelementefabrik ANF aus.

Die nach Angaben der Veranstalter rund 130 Atomkraftgegner - die Polizei sprach von 80 Demonstranten - kritisierten insbesondere den Export von Brennelementen aus Lingen an das belgische Atomkraftwerk Doel. Die dortige Anlage war auch in der jüngsten Vergangenheit wiederholt durch Störfälle aufgefallen. Unter anderem waren in einem der Reaktorblöcke Risse entdeckt worden. Von Lingen aus werden den Demonstranten zufolge auch die französischen Atomanlagen in Cattenom und Fessenheim mit Brennstäben beliefert.

Die Demonstranten warfen der Bundesregierung vor, den Atomausstieg nur halbherzig umzusetzen. Es passe nicht zusammen, dass einerseits deutsche Atomkraftwerke abgeschaltet werden, zugleich aber aus Deutschland heraus Brennelemente für Atomkraftwerke in anderen Ländern exportiert werden, hieß es. Den Bund und die niedersächsische Landesregierung riefen die Demonstranten auf, der Brennelementefabrik in Lingen sowohl die Exportgenehmigung für Brennstäbe als auch die Betriebsgenehmigung allgemein zu entziehen. Der Betrieb der Fabrik in Lingen müsse gestoppt werden, da sie den Betrieb von Atomkraftwerken in anderen Ländern ermögliche, forderte der Mitorganisator der Demonstration und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Udo Buchholz.

Die Demonstranten verwiesen unter anderem auf eine von rund 130 Initiativen und Vereinen unterzeichnete Resolution an die niedersächsische Landesregierung und die Bundesregierung, in der das sofortige Aus der Atomanlagen in Lingen gefordert wird. Kritik geübt wurde insbesondere an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Es sei nicht genug, den Zustand der belgischen Kernkraftwerke öffentlich zu kritisieren. Vielmehr müsse die Ministerin handeln, hieß es.

Nach einer Auftaktkundgebung vor dem Lingener Bahnhof zogen die von einem breiten Bündnis aus rund 40 Initiativen und Verbänden unterstützten Demonstranten friedlich Alten Rathaus der Stadt. Der Großteil der Demonstranten war von auswärts angereist, darunter einige Dutzend Atomkraftgegner per Bus aus dem Rheinland sowie etliche Parteifunktionäre aus Stadt und Landkreis Osnabrück.

Heiner Rehmen vom Elternverein Restrisiko Emsland hätte sich dennoch etwas mehr Resonanz auf die Demonstration gewünscht. Im Vorfeld hatten die Veranstalter mit mehr als 200 Teilnehmern kalkuliert. Letztlich komme es aber nicht auf die Anzahl der Demonstranten an, so Rehnen weiter: „Die Zeit der Anti-Atom-Demos mit zehntausenden Teilnehmern ist vorbei.“ Dennoch hofft Rehnen ebenso wie die übrigen Organisatoren der Demonstration, dass dies nur der Auftakt zu einer Reihe gleichartiger Aktionen sei.

Christina Burchert vom Arbeitskreis Umwelt Schüttorf (AKU) nahm die regionalen Politiker in die Pflicht. Angesichts des feststehenden Laufzeitendes des hiesigen Atomkraftwerks müsse die Politik dafür sorgen, die Region so aufzustellen, dass diejenigen, die durch das Atom-Aus möglicherweise ihre Arbeitsplätze verlieren werden, Alternativen geboten bekommen.