Ein Bild von Thomas Pertz
31.01.2016, 18:14 Uhr KOMMENTAR ZUR DEMO GEGEN ATOMKRAFT

Protest in Lingen andere Richtung geben

Ein Kommentar von Thomas Pertz


Die Schließung der Brennelementefabrik in Lingen forderten Demonstranten am Sonntag. Foto: LampeDie Schließung der Brennelementefabrik in Lingen forderten Demonstranten am Sonntag. Foto: Lampe

Lingen. Die deutsche RWE und der französische Areva-Konzern haben auch ohne die Demonstranten von Sonntag in Lingen Probleme genug.

. Der Ausstiegsbeschluss ist unumstößlich. Der Reaktor im Industriepark geht 2022 vom Netz. Und die Brennelementefabrik von Areva in der Nachbarschaft? Ihr bricht in Deutschland im Zuge der Energiewende das Geschäftsmodell weg. Vor diesem Hintergrund wirkte die Protestaktion der Gegner von Atomkraft und nachgelagerter Industrie bei aller Ernsthaftigkeit der Forderungen wie ein Ritual vergangener Demo-Jahre.

Es ist richtig und wichtig, auf die Gefahren der Atomenergie diesseits und jenseits der Grenze hinzuweisen. Und dass die Brennelementefabrik den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken außerhalb Deutschlands ermöglicht, muss natürlich ebenfalls den Protest der Atomkraftgegner hervorrufen. Die Energiewende ist allerdings eine deutsche Energiewende und der Atomausstieg hierzulande – noch – keine Blaupause für andere Länder.

Warum also nicht mal die Stoßrichtung des Protestes variieren und die alten Kohlekraftwerke in Deutschland verstärkt in den kritischen Blick nehmen? Sie verhageln die CO2-Bilanz, belasten die Umwelt und bremsen viel umweltfreundlichere Gaskraftwerke wie das in Lingen aus. Eine solche Demonstration stünde der Stadt Lingen auch gut zu Gesicht. Dazu bräuchte kein Demo-Teilnehmer wie Sonntag von auswärts anreisen. Den Bürgern in Lingen selbst sollte eine saubere Umwelt, aber auch ihr Energiestandort und seine Arbeitsplätze wichtig genug sein.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN