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Benefizkonzerte mit Tradition Matse singt auch nach 50 Jahren in Lingen für den guten Zweck



Lingen. Wenn Revoice-Sänger Matse Wagner am Abend des 16. Januar 2016 auf die Bühne des vom Round Table organisierten Benefizkonzertes zugunsten des Kinderschutzbundes tritt, kann er ein goldenes Jubiläum feiern: Er war schon mit der Band Beat Kings dabei, als auf den Tag genau vor 50 Jahren Lingener Bands ein erstes Benefizkonzert gespielt haben.

Blicken wir 50 Jahre zurück: Fünf Lingener, damals Beat-Bands genannte, Gruppen, spielen im Schepsdorfer Hubertushof ein Benefizkonzert zugunsten des Vereins Kinderhilfe, dem Vorläufer des heutigen Christophorus-Werkes. Die Lingener Tagespost berichtet über das Konzert: „Die Kapellen wollten den Erwachsenen und der Öffentlichkeit zeigen, daß sie zu etwas fähig sind, was allgemein nicht von ihnen erwartet wird, nämlich zu etwas Gutem.

„Beat war „Radau und Nervengift“

Beat, die Beatles oder die Rolling Stones waren damals noch vielen suspekt. Das Benefizkonzert im Hubertushof, das die zu dieser Zeit unglaublich hohe Summe von 1500 D-Mark einspielte, belehrte eines Besseren: „Manch einer, der den Beat bisher als Radau, als Nervengift oder als sonstwie unmögliche Zeiterscheinung abtat, merkte plötzlich, daß er auch viel Positives zustande bringt“, vermerkt der Zeitungschronist.

Ansehen durch Benefizkonzert gesteigert

Der damals 19-jährige Matse Wagner erinnert sich an das Konzert und seine Folgen: „Ich war in der Ausbildung zum Vermessungstechniker beim Katasteramt und galt wegen der Musik immer als der etwas unangepasste Typ.“ Manchmal seien die Beat Kings erst am frühen Montagmorgen von Auftritten außerhalb nach Hause gekommen. „Da hieß es dann, nach ganz wenig Schlaf wieder am Ausbildungsplatz zu erscheinen.“ Als er nach dem Benefizkonzert in Schepsdorf, bei dem neben den Beat Kings auch die Lingener Bands The Crying Stones, The Fellows, The Roosters und Les Copains aufgetreten sind, bei seinem Chef antanzen musste, befürchtete Wagner vieles: „Ich habe gedacht, jetzt ist es vorbei mit der Lehre.“ Doch das Gegenteil war der Fall: „Danach war ich etwas höher angesehen“, beschreibt der ewig junge Rock‘n‘Roller, am 1. Januar 2016 feierte er seinen 69. Geburtstag, wie sein Ansehen bei seinem Vorgesetzten gestiegen sei.

Erinnerungen an die Anfänge

Und auch an die Anfänge der Beat Kings Mitte der 1960er-Jahre erinnert sich Wagner genau: „Das hat damit begonnen, dass ich mir die Beatles-Schallplatte mit dem Song ‚Love me Do‘ bestellt habe.“ Zwei Titel auf der Vorder-, zwei Titel der Jungs aus Liverpool auf der Rückseite. „Die wollten wir einfach nur spielen.“ Die Eltern hätten das damals nur mitgemacht. „Wir waren in den Augen vieler nur Rocker, Halbstarke, und die nach vorne gekämmte Frisur wurde so gerade noch akzeptiert“, blickt Wagner zurück. Dabei sind die Haare von Wagner heute wohl länger als in den 1960ern.

Ausstellung im Emslandmuseum

Viele der beim Benefizkonzert vor 50 Jahren aufgetretenen Bands existierten nicht lange. „Wenn die Jungs zur Bundeswehr mussten oder nach der Schule weggezogen sind, bedeutete das oft das Ende“, erinnert sich Wagner. Eine Einschätzung, die Sofia Botvinnik, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lingener Emslandmuseums, teilt. Sie hat sich mit der Lingener Musikszene in den 1960er- und 1970er-Jahren ausführlich beschäftigt. „Vom 14. Februar bis zum September 2016 zeigen wir die Ausstellung ‚my generation – die Lingener Rock- und Discoszene‘.“ Dort soll beleuchtet werden, wie sich die Musik zu dieser Zeit verändert hat und wie sich das auf die Lingener Musikszene ausgewirkt hat. „Wir werden Bands, Spielorte und Biografien der Musiker vorstellen.“ Viele Zeitzeugen könnten sich auch noch an das „legendäre Konzert“ im Hubertushof vor 50 Jahren erinnern. Aber den Zeitzeugen würde auch die Möglichkeit geboten, sich aktiv in die Ausstellung einzubringen, indem sie ihre Erinnerungen niederschreiben. „Die Ausstellung wächst mit ihren Besuchern“, verspricht Botvinnik.

Für den Kinderschutzbund macht es Spaß

Revoice-Sänger Matse Wagner möchte noch nicht in die Geschichte eingehen – zumindest vorerst nicht: „Lemmy von Motörhead ist jetzt kurz nach seinem Geburtstag gestorben, David Bowie in meinem Alter ebenso. Ich habe meiner Freundin nach meinem Geburtstag vor Kurzem gesagt, dass ich hoffe, noch etwas weiter zu leben.“ Ob es dann noch ein Leben mit Rock‘n‘Roll sein wird? „Während der Auftritte ist genug Adrenalin im Körper. Da gebe ich mein Bestes. Aber danach merke ich das.“ Mindestens ein Jahr will Wagner noch auf der Bühne stehen. „Denn gerade für den Kinderschutzbund macht das richtig Spaß.“


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