Komödiantisch und nachdenklich Gelungene Bühnenfassung von „Die Reifeprüfung“ in Lingen

Ein authentisch besetztes Gastspiel-Ensemble aus Hamburg belebte auf humorvolle wie nachdenklich stimmende Weise den von Charles Webb geschriebenen Roman „Die Reifeprüfung“ im Lingener Theater. Foto: Meike BlunkEin authentisch besetztes Gastspiel-Ensemble aus Hamburg belebte auf humorvolle wie nachdenklich stimmende Weise den von Charles Webb geschriebenen Roman „Die Reifeprüfung“ im Lingener Theater. Foto: Meike Blunk

Lingen. Das Schauspiel „Die Reifeprüfung“ von Lionel Goldstein nach dem gleichnamigen Roman von Charles Webb hat mit einem gut funktionierenden siebenköpfigen Ensemble der Hamburger Kammerspiele in Kooperation mit dem Altonaer Theater im Theater an der Wilhelmshöhe für komödiantische sowie nachdenklich stimmende Unterhaltung bei einem altersgemischten Publikum gesorgt.

Der US- amerikanische Film „Die Reifeprüfung“ von Mike Nichols aus dem Jahr 1967 schlug damals mit revolutionärer Kraft in die von Doppelmoral geprägten und übersättigten Gesellschaftsordnung ein, in der das gut situierte Leben nach standesgemäßer Etikette abzulaufen hatte. Die Folge dieser engmaschigen Lebensweise waren Generationskonflikte, Sinnentleerung wie auch der aufkeimende Wunsch nach Freiheit und Aufbruch. Der Stoff traf ins Schwarze einer Bewegung, in der es unter anderem um Gleichberechtigung der Geschlechter und Selbstfindung ging. Dustin Hoffmann gelang in der Rolle des College- Absolventen Benjamin Braddock der absolute Durchbruch und das Duo Simon & Garfunkel bekam für ihr Soundtrack- Album den Grammy.

Musik von Tobias Bako

Im Foyer des Theater sorgten nun die Lingener Musiker Tobias Bako (Klavier) und Eike Kumbrink (Cachon) unter anderem mit Liedern wie „Bridge Over Troubled Water“ oder „The Sound of Silence“ für eine genussreiche musikalische Einstimmung. Als amüsanter Opener wirkte der Regieeinfall von Eva Hosemann, den 21- jährigen Ben im Taucheranzug auftreten zu lassen. So möchte Ben auf die Feier, die seine Eltern ihm zu Ehren nach dem bestandenen College-Abschluss ausrichten. Der Anzug verdeutlichte seine emotionale Haltung seinen Eltern und deren Freunden gegenüber, die er damit zu provozieren glaubte.

Johannes Merz hatte sich die Rolle des nach Identität suchenden und unter zu großer Einflussnahme seiner Eltern stehenden jungen Erwachsenen so zu eigen gemacht, dass er selbst im einengenden (symbolhaft für Ben) Taucheranzug noch große Ausdruckskraft hatte. Ben möchte seine Ruhe und erfährt von Mrs. Robinson, der Ehefrau des Freundes seines Vaters, penetrante Avancen, derer er sich nicht erwehren kann. Helen Schneider ging auf in der Rolle der gelangweilten Reichen mit Alkoholproblem und Doppelmoral. Es eskaliert als Ben mit ihrer Tochter Elaine (dicht und facettenreich von Diana Ebert gemimt) ausgehen möchte. Es kommt, wie es kommen musste. Er verliebt sich in Elaine und bereut sein vorheriges Verhalten. Die Eltern intervenieren und Elaine sucht den Ausweg in der Heirat mit einem braven Medizinstudenten.

Temporeiche Dialoge

Das Ensemble schuf mit temporeichen pointierten Dialogen eine sich zuspitzende Spannung, die mit gezielten Breaks und Bühnenumbauten vermeintlich aufgelöst wurde, dann aber durch Songs aus den 60-er Jahren wie von den Doors oder Pink Floyd eine weitere Dynamik auslöste. Diese Bühnenfassung funktionierte sehr gut, obwohl die Duftmarken der markanten Schauspieler des Films öfter aufflammten und so manche szenische Ausgestaltung etwas dick aufgetragen wurde.


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