Prof. Wawer vom Campus Lingen: Elektromobilität ist etwas für den ländlichen Raum

Prof. Tim Wawer betreut auf dem Campus Lingen den Studiengang Energiewirtschaft. Foto: Wilfried RoggendorfProf. Tim Wawer betreut auf dem Campus Lingen den Studiengang Energiewirtschaft. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. „Die ökologischen Vorteile der Elektromobilität hängen von der Art der Energieerzeugung ab, sagt Prof. Tim Wawer vom Campus Lingen. Er ist dort für den Masterstudiengang Energiewirtschaft zuständig.

Beim aktuellen Mix der Stromerzeugung lägen die CO2-Emissionen von Elektroautos nur unwesentlich unter denen von Autos mit Verbrennungsmotor“, so Wawer. Deutlich besser ständen Elektroautos schon jetzt in Bezug auf die Emissionen von Lärm, Feinstaub und Stickoxiden (NOX) da.

Ziele der Bundesregierung unklar formuliert

„Wollen wir die Mobilität CO2-ärmer machen, gibt es grundsätzlich drei Optionen: Biokraftstoffe, CO2-armer Strom oder weniger fahren“, erklärt Wawer. Er hält die Nutzung von CO2-armem Strom für die wahrscheinlich sinnvollste Lösung. „Das Potenzial, diesen aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, ist grundsätzlich vorhanden“, sagt der Energiewirtschaftsexperte. Dies sei aber auch eine Frage der Akzeptanz: „Wie viel Windkraft möchte die Bevölkerung haben?“ Und Strom aus erneuerbaren Energien müsse auch in die Ballungszentren transportiert werden.

Derzeit sinke der jährliche Stromverbrauch in Deutschland leicht. „Wir werden einen höheren Stromverbrauch haben, wenn die Elektromobilität kommt“, ist Wawer überzeugt. Dann gelte es, durch zusätzliche Effizienzmaßnahmen in Industrie und Haushalten dort noch mehr Strom einzusparen.

Das Ziel der Bundesregierung, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen im Einsatz sind, sei bezüglich der Hybridfahrzeuge und der Definition von Fahrzeug unklar formuliert. Wawer verweist auf die unterschiedlichen Arten von Elektromobilen (siehe Zur Sache).

Ladephasen intelligent steuern

Wawers Favorit ist derzeit der Plug-in-Hybrid: „Die Reichweite von 80 Kilometern reicht für 80 Prozent aller privaten Fahrten aus. Gelegentliche weitere Fahrten würden dann mit dem Verbrennungsmotor zurückgelegt. Er nennt ein Beispiel: „Sie fahren morgens 30 Kilometer zur Arbeit, abends die gleiche Strecke zurück und laden das Fahrzeug über Nacht wieder auf.“

Unter diesem Aspekt sei Elektromobilität sogar derzeit eher etwas für den ländlichen Bereich als für die Stadt, erklärt Wawer. Er begründet dies mit der Lademöglichkeit. „Auf dem Land haben viele Menschen eine Garage mit einem Stromanschluss. Das reicht dann für das nächtliche Aufladen.“ In der Stadt sei es ungleich schwieriger, einen Platz zum Aufladen zu finden. Wawer denkt in diesem Zusammenhang auch über eine Dezentralisierung der Stromerzeugung nach. Zudem sollten die Ladephasen intelligent gesteuert werden. „Es bringt nichts, das Elektroauto in Spitzenlastzeiten zu laden.“ Dies würde den Transportbedarf von Strom noch erhöhen.

Schnellladeinfrastruktur fehlt

Für weitere Strecken elektrisch angetrieben zurückzulegen, fehle die dafür notwendige Schnellladeinfrastruktur. „Und die wird es auch so schnell nicht geben“, erklärt Wawer. Probleme seien unter anderem die Standardisierung und die Technik. Auch dies spreche derzeit für den Plug-in-Hybrid.

Angesichts des Anschaffungspreises rechne sich ein Elektroauto aber nur bei hohen Fahrleistungen, erklärt Wawer. Aber auch der Energiewirtschaftler denkt nicht nur in ökologischen und wirtschaftlichen Kategorien, sondern führt noch ein ganz anderes Argument pro Elektroauto ins Feld: „Der Fahrspaß ist einfach größer.“


Definition Elektromobile

Hybridfahrzeuge verfügen über einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor. Im Stadtverkehr und beim Anfahren wird das Auto durch den Elektromotor angetrieben. Bei mittleren Geschwindigkeiten wird das Auto vom Verbrennungsmotor angetrieben. Dadurch und durch eine Rückgewinnung der Bremsenergie wird der Stromspeicher geladen. Bei hohen Geschwindigkeiten wird das Fahrzeug von beiden Motoren angetrieben.

Plug-in Hybride verfügen ebenfalls über einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor. Zusätzlich können die Stromspeicher durch eine externe Stromquelle aufgeladen werden. Dadurch können Strecken bis 80 Kilometer vollständig elektroangetrieben zurückgelegt werden.

Elektromobile sind Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor, die rein elektrisch betrieben werden.

(Quelle: Prof. Tim Wawer, Hochschule Osnabrück)

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