David & Götz im Lingener Theater Ein Silvesterkonzert der etwas anderen Art

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Die Showpianisten David & Götz überzeugten beim Silvesterkonzert im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe.Foto: Sebastian von MelleDie Showpianisten David & Götz überzeugten beim Silvesterkonzert im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe.Foto: Sebastian von Melle

Lingen. Beethoven und Boogie, Dynamik und Spielwitz, Fantasie und Emotion. Mit diesen Wortpaaren stellten sich zum dritten Mal die Showpianisten David & Götz dem begeisterten Lingener Publikum im fast ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe vor.

Ihr Programm für den Silvesterabend hatte dabei den etwas triefenden Titel „Mit Herz und Hand“. Kaum aber waren die beiden sympathischen Künstler im Saal, zündeten sie ein musikalisches Feuerwerk der guten Laune und eroberten die Herzen vor allem mit ihren vier Händen.

David & Götz hatten angeblich seismologische Applaus-Sensoren unter jedem Sitz installiert, die die Stimmung messen konnten. Von 0,04 am Anfang („Lingen, was nun?“) bis über 16 war alles dabei, und sogar der dick aufgetragene Werbeblock am Schluss wurde noch beklatscht. Es war aber auch genial, was die beiden Mittvierziger da ablieferten an Virtuosität und Humor.

David Harrington (schwarz gekleidet) und sein Partner Götz Östlind ganz in Weiß könnten unterschiedlicher nicht sein. Gutmütig, etwas tollpatschig und extrem schweißtreibend der eine, aus dem Ei gepellt, smart und lässig der andere. Irgendwie haben sie zueinandergefunden. Und das war gut so, denn sie sind perfekt aufeinander abgestimmt wie die beiden Flügel auf der geschmackvoll minimalistisch gestalteten Bühne. Sechs weiße Quader vor schwarzem Grund konnten mit Klaviertasten assoziiert werden, auch wenn David vermutete, dass sich das gesamte im Emsland beschlagnahmte Kokain in ihnen verbarg.

Es bedurfte allerdings keiner Genussmittel, um in Silvesterstimmung zu kommen. Dafür sorgten die beiden hochbegabten Entertainer mit sauberem Gesang, eigentlich unspielbaren Arrangements und unzähligen witzig-geistreichen Moderationen. Dabei wechselten sie munter zwischen den Genres hin und her. Und sie ließen es krachen, von Strauß, Beethoven und Tschaikowski über Smetana, Elgar und Mozart bis hin zu Queen, John Miles und Michael Jackson. Der begnadete Komponist und promovierte Kulturwissenschaftler Östlind präsentierte den zweiten Satz seiner ersten Klaviersonate, als sei er Debussy persönlich, nachdem der irisch-deutsche Allrounder David Harrington sogar die anspruchsvolle Gesangspartie aus dem „Phantom der Oper“ souverän bewältigt hatte.

Überhaupt wurde viel gesungen. Zu einem als Märchenoper deklarierten Volksliedpotpourri übernahm das Publikum derart engagiert die Stimmführung inklusive einer kanonischen Einlage, dass es den Ehrentitel „Lingener Nachtigallen“ bekam und die Anerkennung, so gut sei der Gesang während der Tournee noch nie gewesen. Isolde, eine Sängerin in der ersten Reihe, zeigte sich als echter Fan, sodass David und Götz am liebsten in ihr Gartenhaus ziehen wollten. Vermutlich hätte Isolde sie nicht abgewiesen.

Musik und Dichtkunst

Neben Klaviermusik und Gesang spielte auch die Dichtkunst eine Rolle. „Oben klar und unten dicht, mehr möchte ich im Alter nicht.“ Oder auch das hier: „Kein Tier in der Savanne schnarcht so wie du, Susanne.“ Das hätte Heinz Erhardt nicht schöner sagen können. Dann war da noch die Hommage an Michael Jackson, aus dessen „Man in the Mirror“ David zitierte: „Wenn du etwas verändern willst, dann fang jetzt bei dir an.“

Während Götz sich im Primo-Part sonnen konnte, kämpfte Secondo David, der eigentliche Motor des Duos, als ewiger Zweiter mit rührend imitierten Trauergefühlen. Das technisch heikle Zusammenspiel der beiden Showpianisten wies in der Realität aber eine bis ins kleinste Detail präzise Übereinstimmung der Spielabläufe auf. Mit dem Boogie „Schantalle, tu ma die Omma winken“ und einer „My way“-Parodie neigte sich ein großes Konzert gemeinsam mit dem alten Jahr zu Ende.


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