Unbeschwerte Unterhaltung René Mariks Maulwurf erobert Lingener Publikum

Zwischendurch griff René Marik zur Gitarre und erfreute das Publikum mit Songs. Foto: Elisabeth TonderaZwischendurch griff René Marik zur Gitarre und erfreute das Publikum mit Songs. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Kurz nach 19 Uhr drängen sich im Theaterfoyer die Zuschauer und begehren Einlass. Dabei beginnt die Vorstellung erst um 20 Uhr. Was ist da los? Des Rätsels Lösung: An dem Abend ist freie Platzwahl, und alle wollen einen Platz möglichst nahe der Bühne. Verständlich, wenn ein Puppenspieler auftritt. Noch verständlicher, wenn es sich dabei um René Marik und seine Figuren handelt.

Vor allem der mit einem Sprachfehler behaftete, etwas begriffsstutzige liebeskranke blinde Maulwurf („Maulwurfn“) genießt Kultstatus. Aber auch der sich als Schauspieler gebärdende Frosch Falkenhorst, der berlinernde Eisbär Kalle und der Hasskasper werden mit Jubelrufen begrüßt.

Überhaupt wird an dem Abend viel gejubelt und gejohlt – das Publikum ist völlig aus dem Häuschen. Die Zuschauer im ausverkauften Theater sind glücklich, dass René Marik nach dreijähriger Auftrittspause seine Puppen wieder spielen lässt. Und „spielen“ ist bei ihm wörtlich gemeint. Seine Figuren transportieren keine Botschaft, keine Weltanschauung, keine Ideologie – sie spielen nur und sind erfrischend anarchisch. Es ist reines Clownstheater , wobei der Maulwurf, der stets aus dem Bauch heraus agiert und keine Kontrollinstanz kennt, den dummen August gibt und der Besserwisser Frosch Falkenhorst der klassische weiße Clown ist. Clowns verstellen sich nicht, sie sind stets sie selbst und schenken den Menschen Staunen und Lachen. Die Zuschauer im Theater werden an dem Abend reichlich beschenkt.

Was die Figuren tun, ist nicht entscheidend. Ihr Sosein ist der Kernpunkt. Vor allem der Maulwurf ist in seiner Begriffsstutzigkeit und seinem aussichtslosen Werben um seine Herzenspuppe Barbie so authentisch und herzerwärmend, dass ihn jeder gern haben muss. „Abe kadabe ich wünsch mir de barbe“, wiederholt er sehnsüchtig und muss doch mit ansehen, dass seine Angebetete Ken in die Arme fällt. Der Maulwurf schluchzt herzzerreißend, sein Schmerz teilt sich dem Publikum mit.

Das funktioniert nur, weil ein begnadeter Puppenspieler hinter dem schwarzen Vorhang steht und den Puppen Leben einhaucht. René Marik ist ein absoluter Meister seines Fachs. Wenn seine Puppen agieren, sind sie selbstständige, individuelle Wesen mit unterschiedlichen Charakteren und Stimmen. Sie scheinen sogar eine ausgeprägte Mimik zu haben und vermitteln differenzierte Gefühle. Vor allem aber versprühen sie Witz und Humor.

Die eigenwilligen Figuren bestimmen die bunte, fantasievolle, abwechslungsreiche Show, die René Marik mit Songs zu Gitarrenbegleitung und filmischen Sequenzen bereichert und dem Publikum unbeschwerte Unterhaltung bietet. Zwar gibt es kein Happy end, denn Maulwurfn bekommt seine geliebte Barbie nicht, doch die Zuschauer sind glücklich und entlassen den Künstler erst nach mehreren Zugaben.


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