Barrierefreiheit verbessert Westfalenbahn seit Sonntag auf der Emslandstrecke

Von Lukas Herbers

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Lingen. Seit Sonntag sind die neuen Züge der Westfalenbahn auf der Emslandstrecke zwischen Emden und Münster unterwegs. Sie ersetzen die Züge der DB Regio.

Zwei Kinder hüpfen begeistert über den Lingener Bahnsteig als der grün-petrolfarbene Triebwagen in der Morgensonne in Lingen einrollt: „Da kommt der neue Zug!“ Seit Sonntagmorgen sind die brandneuen Züge der Westfalenbahn auf der Emslandstrecke zwischen Emden und Münster unterwegs und ersetzen den zuletzt katastrophalen Betrieb der Deutsche Bahn (DB) Tochter DB Regio. (Weiterlesen: Emslandstrecke: Große Hoffnungen in die Westfalenbahn)

Die Erwartungen an den neuen Betreiber sind nach fast 1200 Zugausfällen, die es laut der niedersächsischen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) auf der Emslandstrecke unter der DB in diesem Jahr bisher gegeben hatte, entsprechend hoch. (Weiterlesen: 1700 Zugausfälle in Region Osnabrück-Emsland in diesem Jahr)

15 fabrikneue Triebwagen hat die Westfalenbahn vor zwei Jahren beim Berliner Hersteller Stadler Pankow GmbH in Auftrag gegeben und jetzt auf die Strecke geschickt. „Ich dachte, die wären länger“, kommentiert Klaus Weidauer aus Lingen die neuen Züge ernüchtert. Wo bisher die roten Doppelstockwagen der Deutschen Bahn durchs Emsland glitten, setzt man jetzt auf die einstöckigen Modelle mit dem schnittigen Namen „Flirt“.

„Die müssen ja jetzt dadurch eigentlich viel länger sein, damit das passt“, so Weidauers Fazit. Er war extra zum Bahnhof gekommen, um sich die neuen Züge anzugucken. „Gerade, wenn man eine Behinderung hat, muss man ja wissen, was da auf einen zukommt.“

Keine Einbußen in der Kapazität

Ein genauerer Blick auf den Zug und die Pressemappe der Westfalenbahn räumt seine Bedenken beiseite: An den modernisierten Bahnsteigen der Emslandstrecke bieten die neuen Züge einen Einstieg ohne Höhenunterschiede und auch das Innere der Wagen ist durch die einstöckige Bauweise nahezu vollständig barrierefrei. „Das ist so definitiv eine Verbesserung gegenüber den alten Wagen“, so Klaus Weidauer. „Die hatten ja überall Stufen.“

Die durch das fehlende Stockwerk wegfallenden Sitzplätze gleicht die Westfalenbahn mit Flexibilität aus: Bei Bedarf können zwei Züge in sogenannter Doppeltraktion gekoppelt fahren. „DB Regio hat verschiedene Wagenkompositionen eingesetzt; mit 430 Sitzplätzen in der Doppeltraktion liegen wir am oberen Rande dessen, was bisher unterwegs gewesen ist“, erklärt Stefan Bennemann, Pressesprecher der Westfalenbahn.

Für Radfahrer bieten die neuen Züge in Doppeltraktion nominell 48 Stellplätze im Winter und 84 im Sommer. Neben dem Erhalt der alten Standards bereitet die Westfalenbahn das Angebot von freiem Internet auf der Strecke ab dem kommenden Frühjahr vor und stellt Steckdosen an allen Vierersitzgruppen zur Verfügung – gerade für Pendler und Studenten sind das gute Aussichten, sofern die Pünktlichkeit stimmt. (Weiterlesen: Wann gibt es Wlan in Regionalzügen in Niedersachsen?)

Große Erwartungen an neuen Betreiber

An der haperte es am ersten Betriebstag bis auf eine kleine Gleisstörung nicht, wie die Zugbegleiter optimistisch mitteilten. Der LNVG zufolge seien in 50 Prozent der diesjährigen Zugausfälle die Ursachen bei der DB zu suchen und vor allem Personalmangel sowie technischen Defekten geschuldet gewesen. Die Hoffnung auf Besserung ist entsprechend bei allen Beteiligten groß.

Den perfekten Wechsel dämpfen deshalb bisher nur die neuen Verkaufsautomaten, die bereits an manchen Bahnsteigen stehen, aber noch nicht in Betrieb genommen wurden. „Es hat sich weder an Fahrkarten noch am Tarif etwas geändert“, so Stefan Bennemann. „Insoweit bieten die aktuellen Automaten der DB exakt das Programm an, das es bisher auch gegeben hat.“ Da man nicht alle 84 geplanten Automaten über Nacht habe aufbauen können, sei ein sukzessiver Umstieg eng mit der DB abgestimmt. Probleme mit dem Kartenkauf, die manche Fahrgäste am Sonntag beschrieben, seien entsprechend nicht dem Betreiberwechsel geschuldet. (Weiterlesen: Fahrplanwechsel 2015: Was sich jetzt für Zugreisende in Niedersachsen ändert)

Erweiterter Fahrplan

Besonders am frühen Morgen und späten Abend punktet die Westfalenbahn außerdem mit neuen Verbindungen am Wochenende. Ab fünf Uhr geht es täglich außer sonntags ab Lingen los in Richtung Rheine. Die letzte Fahrt am Freitag- und Samstagabend endet dort um kurz vor Mitternacht.

Damit geht der neue Betreiber einen ersten Schritt in Richtung der Bedürfnisse seiner neuen Fahrgäste. Mit dem Neustart der Nachteule am 5. Dezember war der Wegfall der Strecke Lingen-Rheine verkündet worden, so, dass dort jetzt die Bahn dominiert. (Weiterlesen: Nachteule fährt wieder ab 5. Dezember durch das Emsland)

„Im Dreieck Rheine, Münster, Osnabrück, komme ich rund um die Uhr nach Hause. Von Lingen nach Rheine sollte das doch auch machbar sein“, wünscht sich Konstantin Maier aus Rheine. Für ihn heißt es am Wochenende zwar immer noch warten, bis die erste Bahn fährt, aber eine Stunde früher ins Bett zu kommen ist ein guter Anfang.

Und auch die Kids vom Bahnsteig sind begeistert. Anders als bei den DB Regio Zügen kann man in den „Flirt“ der Westfalenbahn durch die Glastür dem Zugführer über die Schulter gucken. Am ersten Tag bleibt also das Fazit: Die neuen Züge starten überzeugend, aber haben in den nächsten Monaten hohe Erwartungen zu erfüllen.

Weitere Informationen zum neuen Fahrplan bietet die Seite der Westfalenbahn .


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