Vorgabe des Bundes umgesetzt Eine Wand aus Stahlbeton am Zwischenlager in Lingen

Von Thomas Pertz


Lingen. Fast fertiggestellt ist eine 80 Meter lange Wand aus Stahlbeton an einer Längsseite des Zwischenlagers für abgebrannte Brennelemente auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Emsland in Lingen.

Das Energieunternehmen RWE als Betreiber des Druckwasserreaktors kommt damit einer Vorgabe des Bundesumweltministeriums nach, die für alle Standorte von Zwischenlagern in Deutschland gilt. Genehmigungsbehörde ist das Bundesamt für Strahlenschutz. Das Amt ist dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstellt.

Das Zwischenlager ist eine eigenständige Anlage auf dem Gelände mit einer zusätzlichen Objektsicherung.

Weiterentwicklung der Werkssicherheit

Zweck der Baumaßnahme, die Anfang Oktober begann, sei die „Weiterentwicklung der Werkssicherheit“, wie der Leiter des Kernkraftwerkes Emsland, Jürgen Haag, am Donnerstag vor Ort erläuterte. Projektleiter des Mauerbaus ist Marko Hülsmann. Der Ingenieur verwies darauf, dass die Rohbauarbeiten in dieser Woche beendet seien.

An der nordwestlichen Gebäudelängsseite befinden sich sogenannte Luftöffnungen, die nun durch die vorgelagerte Betonwand komplett eingehaust sind. Im Dreischicht-Betrieb werde rund um die Uhr daran gearbeitet, die rund einen Meter dicke und zehn Meter hohe Mauer zu errichten, erläuterte Hülsmann.

2002 in Betrieb genommen

Das Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände war Ende 2002 in Betrieb genommen worden. Eingelagert werden dürfen dort der erteilten Genehmigung zufolge ausschließlich abgebrannte Brennelemente aus dem Kernkraftwerk Emsland. Derzeit befinden sich dort nach Angaben von Haag 38 Castor-Behälter, die jeweils mit 19 Brennelemente befüllt sind. Wie Olaf Wollny, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Kernkraftwerk, ergänzte, werden pro Revision zwischen 40 und 50 Brennelemente ausgetauscht, die in zwei bis drei Behältern Platz finden.

Genehmigung bis 2042

Im Zwischenlager befinden sich insgesamt 120 Stellplätze für die Castoren. Gebraucht wird bis zum Ende der Laufzeit des Reaktors im Jahr 2022 etwa die Hälfte. Vor der Nuklearkatastrophe von Fukushima konnten die Reaktorbetreiber noch von einer Laufzeit bis 2033 ausgehen. Das Kernkraftwerk Emsland hat eine elektrische Leistung von 1406 MW.

Genehmigt ist das Standortzwischenlager bis zum Jahr 2042. Ob bis dahin in Deutschland eine Entscheidung über eine Endlagerstätte für die abgebrannten Brennelemente gefallen ist, bleibt abzuwarten. Zurzeit ist eine Kommission dabei, entsprechende Kriterien zu erarbeiten.

„Wir zahlen als Verursacher“

„Wir zahlen als Verursacher, aber nach dem Atomgesetz ist es die Aufgabe des Bundes, nach einem Endlagerstandort zu suchen und zu entscheiden“, sagte Haag. Die technische Lösung sehe er nicht als Problem an, meinte der Kraftwerksleiter in diesem Zusammenhang. „Ich sehe das Problem eher in der Akzeptanz, egal wo der Standort für dieses Endlager ist“.

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