Ermittlungen abgeschlossen Unglück: Lingener trank Felgenreiniger unbewusst

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Die Polizei kommt zum Ergebnis, dass es sich im Fall des verstorbenen 17-jährigen Lingeners, der Felgenreiniger getrunken hatte, um einen Unglücksfall handelt. Symbolfoto: Michael GründelDie Polizei kommt zum Ergebnis, dass es sich im Fall des verstorbenen 17-jährigen Lingeners, der Felgenreiniger getrunken hatte, um einen Unglücksfall handelt. Symbolfoto: Michael Gründel

Lingen. Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück haben die Ermittlungen im Fall des 17-Jährigen aus Lingen abgeschlossen, der Ende Oktober gestorben war, nachdem er Felgenreiniger getrunken hatte. Obwohl die Ermittlungsbehörden zuletzt einen versehentlichen Konsum der als Drogenersatz geltenden Flüssigkeit ausgeschlossen hatten, kommen sie jetzt zu dem Ergebnis, dass es sich um „tragische Verwechslung“ gehandelt hat.

Die Nachricht über den Tod des 17-Jährigen hatte in den vergangenen Wochen hohe Wellen in den Sozialen Netzwerken geschlagen. In den ersten Berichten über den Unglücksfall ging die Staatsanwaltschaft zunächst davon aus, dass der Verstorbene die chemische Substanz vorsätzlich als Drogenersatz zu sich genommen hatte. Dann meldeten sich seine Freunde bei Facebook zu Wort und widersprachen den Vermutungen der Ermittlungsbehörden auf heftige Weise . Noch an dem Abend, als die Diskussion bei Facebook ausbrach, schloss die die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage unserer Redaktion einen Unglücksfall dann nicht mehr aus.

Staatsanwaltschaft ging von Absicht aus

Nachdem die Handys des verstorbenen 17-Jährigen sowie seines 18-jährigen Bekannten ausgewertet wurden, schloss die Staatsanwaltschaft dann aber wieder einen versehentlichen Konsum der als Drogenersatz geltenden Flüssigkeit aus. „ Über soziale Netzwerke haben die beiden jungen Männer gepostet, dass sie jetzt den Felgenreiniger probieren wollten “, informierte Alexander Retemeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, damals über die Ergebnisse der Handyauswertung der Jugendlichen.

Polizei kommt zu anderem Ergebnis

Jetzt kommt die Polizei in ihrem Abschlussbericht aber zu einem anderen Ergebnis. Dort heißt es, dass sich der 17-jährige Lingener mit einem Bekannten (18) am 27. Oktober gegen 1 Uhr in einem Geräteschuppen in Lingen getroffen hat, um dort zu feiern. Grund dafür war, dass sie am nächsten Tag beide arbeitsfrei hatten, heißt es. Zu diesem Zweck hatten sie sich etwas Wodka und ein koffeinhaltiges, alkoholfreies, grüngelbes Limonadengetränk besorgt. Das Getränk war in der Originalflasche abgefüllt, die in dem Schuppen abgestellt wurde, in dem sich auch eine Pfandflasche mit einem Fruchtsaftgetränk von gelbgrünlicher Farbe sowie eine weitere Fruchtsaftflasche, in der ursprünglich ein tiefrotes Fruchtsaftgetränk abgefüllt worden war, befand. In einer der Fruchtsaftflaschen soll sich laut Staatsanwaltschaft aber vermutlich Felgenreiniger befunden haben, die der Vater einer der beiden jungen Männer befüllt hatte. „Dieser Felgenreiniger sah dem hellen Fruchtsaftgetränk zum Verwechseln ähnlich“, heißt es in der Pressemitteilung.

Foto der Getränke verschickt

Die Staatsanwaltschaft kommt zu dem Ergebnis, dass mindestens dem 18-Jährigen bekannt war, dass sich in dieser Flasche nicht Fruchtsaft, sondern Felgenreiniger befand. Gegen 2.30 Uhr verschickte einer der jungen Männer ein Foto der Getränke an einen Bekannten. Sie wollten ihn offenbar damit aufziehen, dass dieser am nächsten Tag arbeiten und deshalb nicht feiern konnte. Gegen 3 Uhr verließ der 18-Jährige kurz den Raum, um mit seiner Mutter zu sprechen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 17-jährige Verstorbene eine weitere Mischung anfertigte, für die er versehentlich den Felgenreiniger benutzte. Die beiden jungen Männer tranken anschließend jeder einen größeren Schluck, merkten dann aber sofort, dass es sich nicht um Fruchtsaft handelte, und spuckten das Getränk aus. Trotzdem führte die Einnahme dazu, dass der 17-Jährige verstarb, sein Bekannter erlitt lebensgefährliche Verletzungen, befindet sich aber mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung.

Jugendliche waren keine Drogenkonsumenten

Beide Jugendlichen sind laut der Staatsanwaltschaft Osnabrück polizeilich nicht bekannt, auch nicht als Drogenkonsumenten. Nach dem Ermittlungsergebnis haben die Jugendlichen bisher nie Drogen konsumiert und an dem Abend auch relativ wenig Alkohol getrunken. Der Blutalkoholgehalt soll bei etwa 0,5 Promille gelegen haben.


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