Schulung Trauerbesuchsdienst hilft Angehörigen im Altkreis Lingen

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Geschult in Trauerarbeit sind diese Mitglieder der Pfarreiengemeinschaften Lengerich-Bawinkel und St. Marien Biene/Maria Königin. Foto: Christiane AdamGeschult in Trauerarbeit sind diese Mitglieder der Pfarreiengemeinschaften Lengerich-Bawinkel und St. Marien Biene/Maria Königin. Foto: Christiane Adam

Lengerich. Die Pfarreiengemeinschaften Lengerich-Bawinkel und St. Marien Biene/Maria Königin Lingen haben einen Trauerbesuchsdienst ins Leben gerufen.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, folgt zunächst die Beerdigung, die in der Regel mit allerlei Geschäftigkeit und der Anwesenheit vieler Personen verbunden ist. Und später? Oft bleibt der Hinterbliebene danach allein mit seiner Trauer. Damit der verwitwete Mensch einen Ansprechpartner hat, haben die Pfarreiengemeinschaften Lengerich-Bawinkel und St. Marien Biene/Maria Königin Lingen einen Trauerbesuchsdienst ins Leben gerufen. Vor drei Jahren schulten die Gemeindereferentinnen Agnes Buschermöhle und Alwine Röckener sechzehn Gemeindemitglieder mittels eines eigens entwickelten Seminares für diesen ehrenamtlichen Besuchsdienst.

Nach knapp drei Jahren praktischer Erfahrung mit der Idee fand in diesem Herbst nun eine zweite Schulung für weitere Interessierte statt. Von Anfang an dabei ist Renate Kallage aus Langen. „Natürlich ist es zunächst ein mulmiges Gefühl, bei einem Trauerhaushalt anzurufen“, gibt sie zu. „Aber so lange wir dieses mulmige Gefühl haben, sind wir emotional noch dabei“, so sehen das die bereits erfahrenen Trauerbegleiter. Zwischen zehn und zwölf solcher Besuche fielen für jede einzelne Person jährlich an, das ist nicht gerade wenig. Die Ehrenamtlichen empfinden ihre Tätigkeit jedoch als bereichernd. „Selbst wenn wir bei einem Anruf gesagt bekommen, ein Trauerbesuch sei nicht nötig, gibt es meistens die Rückmeldung, es sei gut, dass es dieses Angebot gibt“, weiß Maria Fischer aus Lengerich zu berichten.

80 Prozent der Betroffenen nehmen das Angebot wahr

Etwa 80 Prozent der angerufenen Trauerhaushalte nähmen das Angebot eines Besuches oder zumindest eines ausführlicheren Telefonates an, so sei die Quote sowohl in der Pfarreiengemeinschaft Lengerich-Bawinkel wie auch in St. Marien Biene/Maria Königin. Andrea Osterhage ist eine derjenigen, die den neuen Kurs mitgemacht hat. „Nachdem ich meine Tätigkeit im Pfarrgemeinderat beendet hatte, suchte ich nach einer neuen ehrenamtlichen Aufgabe in der Gemeinde, und der Trauerbesuchsdienst hat mich angesprochen“, erzählt die Bienerin. Den Kurs habe sie als hilfreich und wichtig empfunden, sich mit den Themen Tod und Trauer auseinanderzusetzen.

Ebenfalls mitgemacht haben den Kurs die Ansprechpartnerinnen für Gemeinschaftsgrabstätten aus der Pfarreiengemeinschaft Lengerich-Bawinkel. Diese Frauen kümmern sich nicht nur um die Gemeinschaftsgrabstätten für fehl- und totgeborene Kinder , sondern auch um die verwaisten Eltern. „Ich bin ebenfalls eine dieser Ansprechpartnerinnen, und ich habe gemerkt, wie sehr mir der Kurs zum Trauerbesuchsdienst bei dieser zweiten Aufgabe geholfen hat“, betont Kallage, der die Information über das Thema Fehl- und Totgeburten eine Herzensangelegenheit ist. „Wir wünschen uns, dass die Möglichkeit der Bestattung für früh verstorbene Kinder bekannt wird. Wir helfen den Eltern dabei“, unterstreicht die Langenerin.

Hochsensibles Thema

Während der Besuch in einem Trauerhaushalt etwa acht bis zwölf Wochen nach der Beerdigung erfolgen soll – „dann, wenn alle anderen gegangen sind“ – müsse bei einem früh verstorbenen Kind sehr schnell gehandelt werden. „Hier stellen sich ganz andere Fragen. Rund um die Bestattung ist es nicht so geregelt, wie es bei der Bestattung eines erwachsenen Menschen der Fall ist“, wissen die Ansprechpartnerinnen. Praktische Hilfe und moralische Unterstützung sind bei diesem hochsensiblen Thema gleichermaßen gefragt.

Die Gemeindereferentinnen Röckener und Buschermöhle haben mit ihrem Pilotprojekt gute Erfahrungen sammeln können. Ihre Erfahrungen geben sie gern weiter. „Wenn eine Gemeinde einen Trauerbesuchsdienst einrichten möchte, muss allerdings sichergestellt sein, dass es auch genügend Ehrenamtliche gibt, um alle Trauerhaushalte besuchen zu können“, macht Buschermöhle auf wichtige Vorüberlegungen aufmerksam. „Außerdem braucht es hauptamtliche Ansprechpartner für dieses Thema, das wir als wesentlichen christlichen Auftrag empfinden“, so Röckener.


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