Teestube der Diakonie im Defizit „Alte Backstube“ in Lingen soll geschlossen werden

Von Andrea Pärschke

Die „Alte Backstube“ in Lingen ist Anlaufstelle für Menschen aus sozial schwächeren Schichten. Nun soll sie geschlossen werden. Foto: Andrea PärschkeDie „Alte Backstube“ in Lingen ist Anlaufstelle für Menschen aus sozial schwächeren Schichten. Nun soll sie geschlossen werden. Foto: Andrea Pärschke

Lingen. Die Nachricht kam für die Mitarbeiter und regelmäßigen Besucher der Teestube „Alte Backstube“ in Lingen völlig überraschend. Ende Dezember sollen sie ihre Türen schließen. Das trifft vor allem die sozial Schwachen, die seit Jahrzehnten Stammgäste sind. Für die Diakonie, den Träger der Einrichtung, sind letztlich finanzielle Aspekte ausschlaggebend.

Elke Bühner ist fassungslos. Seit neun Jahren arbeitet sie ehrenamtlich in der „Alten Backstube“ – 30 Stunden in der Woche und mehr ist sie, Margot Reich , Leiterin der Einrichtung, und Marlene Brauer da. Bei ihren Gästen handelt sich häufig um Besucher aus sozial schwächeren Schichten. Doch auch Studenten holen sich regelmäßig ihre Kanne Kaffee in der Teestube nahe des Professorenhauses. Das alles könnte bald ein Ende haben: Am vergangenen Mittwoch hat die Geschäftsführerin der Diakonie Emsland Bentheim, Dorothea Währisch-Purz, den Mitarbeitern und einigen Gästen die schlechte Nachricht überbracht. Der Diakonie Vorstand des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland hatte entschieden, dass die Teestube zum 31. Dezember schließen muss.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung sei die finanzielle Situation der Einrichtung , sagt die Geschäftsführerin.

Schon 1994 stand das Café auf der Kippe

Schon 1994 stand das Café auf der Kippe. Doch nach Protesten verzichtete die Diakonie auf hauptamtliche Kräfte . Geführt wird die Teestube heute also von Ehrenämtlern und Ein-Euro-Jobbern. Auch beim Einkauf sparen die Mitarbeiter wo sie nur können: Kaufen Kaffee in Holland und Eier vom Bauern. Und doch: Die Rechnungen für Miete, Strom und Wasser müssen beglichen werden. „Ich bin dafür verantwortlich, dass wir am Ende nicht in den roten Zahlen stecken“, sagt Dorothea Währisch-Purz. Das oberste Gremium setzte ihr vor zwei Jahren eine Frist, um ein neues Konzept zu finden. „Wir brauchten einen Plan, mit dem wir Fördergelder beantragen können“, erläutert sie. Doch alle Ideen verwarf sie schließlich wieder. Denn man hätte die Teestube und ihr Publikum verändern müssen. Zum Beispiel müsste sich die Einrichtung von ihrem Raucherraum trennen.

Ein Ort zum Sein

Dass Dorothea Währisch-Purz den Mitarbeitern diesen Vorschlag unterbreitet hatte, weiß auch noch Elke Bühner. Geraucht wird in dem kleinen Café noch heute. Im September 2013 sei den Mitarbeitern der „Alten Backstube“ außerdem ein Haushaltsplan vorgelegt worden, berichtet die ehrenamtliche Mitarbeiterin. Um Kosten zu sparen, verzichtete die Teestube fortan auf Lesemappen und wechselte den Stromanbieter. Zwischen September 2014 und dem vergangenen Mittwoch habe sich die Geschäftsführerin schließlich nicht mehr in der Teestube blicken lassen. Alexandra Kemper, Stellvertretene Geschäftsführerin der Diakonie Emsland, berichtet jedoch von regelmäßigen Informationen durch Fachbereichsleitung. Dennoch: „Wir hätten uns gewünscht, stärker in die Überlegungen der Geschäftsführung einbezogen zu werden“, sagt Elke Bühner. Nun fühlen sich die Mitarbeiterinnen von der Nachricht überrumpelt. Auch Dieter Grimmsmann, Pastor der Kreuzkirche, zu der die Räumlichkeiten gehören, ist überrascht. „Wir wissen noch nicht, was wir mit den Räumen machen werden“, sagt er. Dazu müsste zunächst der Kirchenvorstand befragt werden.

Sorgen macht sich Elke Bühner jedoch nicht um sich selbst. Sie denkt vor allem an ihre Stammgäste. 25 bis 30 kommen täglich, ein paar mehr kommen nur zum Mittagstisch. „Es geht hier um das Miteinander“, sagt Monika Jannin, die das Café schon seit 27 Jahren ihr zweites Wohnzimmer nennt. Doch einige Gäste kämpfen nicht nur gegen Ausgrenzung, Armut und Einsamkeit – sondern auch gegen eine Suchterkrankung. In der Teestube finden sie die nötige Sicherheit für den täglichen Konflikt mit sich selbst. Ein Mann lehnt sich zurück: „Wo sollen wir im nächsten Jahr hin?“ - fragt er. Die Stammgäste brauchen einen Ort, an dem sie einfach sein können, an dem sie sich nicht verändern müssen – einen Ort wie die Teestube „Alte Backstube“.