Projekt zur Qualifizierung Agentur für Arbeit verstärkt Bemühungen um Flüchtlinge

Ansprechpartnerin für Flüchtlinge ist Arbeitsvermittlerin Eva Paetzold. Links im Bild Michael Jacob, Geschäftsführer für den operativen Bereich bei der Arbeitsagentur. Foto: Thomas PertzAnsprechpartnerin für Flüchtlinge ist Arbeitsvermittlerin Eva Paetzold. Links im Bild Michael Jacob, Geschäftsführer für den operativen Bereich bei der Arbeitsagentur. Foto: Thomas Pertz

Nordhorn. Die Agentur für Arbeit in Nordhorn intensiviert ihre Bemühungen zur schnelleren Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung.  Mit Arbeitsvermittlerin Eva Paetzold wurde eine Sozialarbeiterin eingestellt, zu deren Aufgaben unter anderem die Erstberatung und Erstellung eines Profils zur Einschätzung der Qualifikation gehört. Außerdem startet am 26. Oktober die Maßnahme „Perspektive für Flüchtlinge“ an den Berufsbildungs- und Technologiezentren des Handwerks (BTZ) in Nordhorn und Meppen.

Im Jahr 2016 könnten solche Maßnahmen auch an den Standorten in Sögel, Papenburg und Lingen laufen, sagte der Geschäftsführer der Agentur, Michael Jacob, in einem Pressegespräch in Nordhorn. Die Integration der Flüchtlinge in den regionalen Arbeitsmarkt sei eine langfristige Aufgabe. Deshalb gelte es nun, entsprechende Kompetenzen aufzubauen.

Herausforderungen gemeinsam lösen

Die Arbeit von Paetzold, die ihre Tätigkeit mit dem Schwerpunkt Flüchtlinge am 1. Juli aufgenommen hat, ist ein Baustein dieser Strategie der Agentur. Weitere 1,5 Stellen sollen im nächsten Jahr eingerichtet werden. Die Zusammenarbeit mit den beiden Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland funktioniere sehr gut, sagte Jacob. Die anstehenden Herausforderungen seien nur gemeinsam zu lösen. Sie stellten aber auch eine große Chance dar, betonte der Geschäftsführer unter Hinweis auf den Fachkräftemangel und unbesetzte Lehrstellen in der Region.

Sozialarbeiterin Paetzold geht, wie sie berichtete, ihre Aufgabe ganz pragmatisch an. Sie wartet nicht, bis die Flüchtlinge zu ihr kommen, sondern sucht sie auf, in den Kommunen und bei den Flüchtlingsbetreuern. Ihren Laptop hat sie dabei stets zur Hand. „Sechs bis sieben Leute lassen sich so an einem Tag beraten“, erläuterte sie. Die Verständigung ist nicht einfach. Ihr Englisch sei ganz passabel, sagte die Agenturmitarbeiterin. Sonst müssten Dolmetscher helfen. Ab Anfang November wird die Beraterin von einem arabisch sprechenden syrischen Mitarbeiter in der Agentur unterstützt.

Gesetzgebung steht im Weg

Zurzeit stellt sie sich in den Kommunen, Helferkreisen und Wirtschaftsverbänden vor. „Arbeitgeber zeigen ein großes Interesse an den Flüchtlingen“, berichtete Jacob. Die wiederum wollten unbedingt arbeiten, um sich selbst und ihre Familien daheim helfen zu können.

Die aktuelle Gesetzgebung steht dem allerdings derzeit im Wege. Nur anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis dürfen jede Beschäftigung annehmen. Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung und Personen mit Duldung bekommen erst nach drei Monaten eine Arbeitserlaubnis - aber in der Regel immer noch keine Arbeit. Der Gesetzgeber schreibt nämlich erst noch eine Prüfung vor, ob die Stelle nicht auch von einem erwerbslosen Deutschen oder EU-Bürger besetzt werden kann. Diese Vorrangprüfung kann sich über mehrere Monate hinziehen.

Ziel: Arbeitsaufnahme nach drei Monaten

Nach Auffassung der Fachleute vor Ort vergeudete Zeit in der aktuellen Situation. „Die Vorrangprüfung für zwei Jahre auszusetzen, wäre schon schön“, meinte Jacob. Das Gleiche gelte für die Regelung bei der Besetzung von Jobs in Zeitarbeitsfirmen. Eine solche Arbeit dürfen Flüchtlinge erst nach Ablauf von 48 Monaten annehmen.

Die Agentur für Arbeit setzt neben der verstärkten Beratungstätigkeit durch Eva Paetzold nun erst einmal auf den Start der Maßnahme „Perspektive für Flüchtlinge“. Sie läuft über zwölf Wochen und dient der ersten Orientierung auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gehört auch eine Praktikumsphase, wo erste Kontakte zu Betriebe geknüpft werden können, und ein Bewerbungstraining. Zwischen 20 und 25 Teilnehmer können pro Maßnahme mitmachen.

Was die Auswahl der Teilnehmer der Maßnahme anbelangt, verwies Jacob darauf, dass die Wahrscheinlichkeit eines positiven Asylbescheids natürlich eine Rolle spiele. Aber auch Flüchtlinge, die schon seit längerer Zeit in Deutschland lebten und geduldet seien, könnten hier eine Perspektive finden. „Im Idealfall könnten sie dann nach drei Monaten eine Arbeit aufnehmen“, gab Jacob das Ziel vor.


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