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Ohne Registrierung weitergezogen Nur noch 48 Flüchtlinge in Lingener Notunterkunft

Die Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle des Lingener Gymnasiums Georgianum haben (vorne vorn links) Marc-André Burgdorf, Dezernent beim Landkreis Emsland, der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann, der emsländische Landrat Reinhard Winter und der Landtagsabgeordnete Heinz Rolfes (CDU) besucht. Dahinter stehen Mitarbeiter des DRK. Foto: Wilfried RoggendorfDie Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle des Lingener Gymnasiums Georgianum haben (vorne vorn links) Marc-André Burgdorf, Dezernent beim Landkreis Emsland, der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann, der emsländische Landrat Reinhard Winter und der Landtagsabgeordnete Heinz Rolfes (CDU) besucht. Dahinter stehen Mitarbeiter des DRK. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Am Samstag hat Landrat Reinhard Winter in Begleitung des Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann und des Landtagsabgeordneten Heinz Rolfes die Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle des Lingener Gymnasiums Georgianum besucht. Sie haben dort vieles gesehen – aber nur noch wenige Flüchtlinge.

„Von den am Freitag hierhin gebrachten 212 Menschen haben sich bis heute 121 wieder auf den Weg gemacht“, erklärte Winter am Samstag. Am Sonntagnachmittag befanden sich nach Informationen unserer Zeitung in der Unterkunft sogar nur noch 48 Flüchtlinge. Die meisten der weitergereisten Flüchtlinge, von denen bereits unmittelbar nach der Ankunft rund 60 erst gar nicht aufgenommen werden wollten, seien nicht registriert worden .

Winter: Wir wissen nicht, was die machen

„Wir wissen nicht, was die im Einzelnen machen“, sagte Winter. Es könne jedoch jeder verstehen, dass Familien zu Verwandten und Bekannten wollten. Er verstehe, dass in der Bevölkerung ein Unwohlsein aufkomme, wenn nicht bekannt sei, wo die Leute bleiben würden. Es gebe jedoch keine Handhabe, die Menschen festzuhalten. Ein Problem für das Emsland sehe er in dieser Situation jedoch nicht.

Bundestagsabgeordneter Albert Stegemann (CDU) sieht darin, dass Menschen unregistriert in Deutschland unterwegs sind, kein Versagen von Politik und Behörden. „Unsere Infrastruktur bei der Aufnahme ist auf diese Mengen, die kommen, einfach nicht ausgelegt.“ Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales habe jetzt einer Arbeitsgruppe der CDU-Bundestagsfraktion mitgeteilt, dass von den erwarteten 850000 Flüchtlingen, die nach Deutschland einreisen könnten, 300000 nur auf der Durchreise in andere Länder seien. Einig war sich Stegemann mit Winter und dem CDU-Landtagsabgeordneten Heinz Rolfes darin, dass ein geordnetes Verfahren zur Erfassung der Flüchtlinge die Bevölkerung beruhigen würde.

Landrat Winter befürchtete am Samstag dennoch: „Die Notunterkünfte in Lingen und Meppen werden ‚Ruck-Zuck‘ voll sein und wir müssen über einen dritten Standort nachdenken.“ Zudem gehe er nicht davon aus, dass der Betrieb der Notunterkünfte nur vier Wochen dauern werde.

Land muss die Kosten vollständig übernehmen

„Das Land hat uns im Rahmen der Amtshilfe aufgefordert, die Menschen aufzunehmen, und muss daher auch die gesamten Kosten übernehmen“, erklärte Winter. Der Landkreis werde alles auflisten und abrechnen. In der Sporthalle des Georgianums sind beispielsweise acht Waschmaschinen in einem Dusch- und Waschraum aufgestellt, Wasseranschlüsse neu installiert worden. „Auch Schäden an den Schulgebäuden werden dem Land in Rechnung gestellt.“

Für die Flüchtlinge, die von den Kommunen außerdem im Rahmen der zugewiesenen Kontingente aufgenommen würden, erfolge derzeit eine Erstattung von 6195 Euro pro Person und Jahr. „Wir brauchen mindestens 10000 Euro“, erläuterte Winter die seinen Worten nach parteiübergreifende Forderung aller Kommunen. Am Montag erwarte er diesbezüglich, dass Innenminister Boris Pistorius (SPD) eine „neue Zahl“ nennen wird.

Dank an ehrenamtliche Helfer und hilfsbereite Bevölkerung

Stegemann betonte, er merke, wie in der Bevölkerung vor Ort der Wunsch zur Hilfe für die Flüchtlinge vorhanden sei. „Es wäre nicht gut, wenn dieser Geist abbricht.“ Dass ein Geist der Hilfsbereitschaft bei den Emsländern vorhanden ist, beweist in dem Moment, als Stegemann und sein Landtagskollege Rolfes die Notunterkunft verlassen, eine Familie aus Herzlake. Sie bringt einen Sack mit Bekleidung für die im Lingener Georgianum untergebrachten Flüchtlinge vorbei. Obwohl der Landkreis ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass Sachspenden im Moment nicht benötigt würden und Hilfsangebote über ein Bürgertelefon (05931/44-3500 oder 05931/44-3600) oder per E-Mail an hilfe@emsland.de koordiniert werden sollen, möchten die beiden Abgeordneten die Familie nicht abweisen. Sie darf den Sack mit Kleidung – ausnahmsweise – direkt vor Ort abgeben.


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