Nottbeck wurde 1906 gebaut Lingen: Ein schöner Giebel ist auch teuer

Von Burkhard Müller


Lingen. Wer kennt es nicht, das Büro- und Schreibwarenhaus „Nottbeck“ mit seinem prächtigen Giebel in der Burgstraße in Lingen. Ein Haus, dass 1906 erbaut und schon immer im Besitz der Familie Nottbeck gewesen ist – und auch bleiben wird, wie Seniorchef Ludwig Nottbeck und der heutige Geschäftsinhaber Stefan Nottbeck in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärten.

Architekt Hans Lühn hat das Haus (sein erstes Werk in Lingen) geplant. Es handelt sich bei dem Objekt um ein zweigeschossiges Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus mit steilem Satteldach und hohem Kniestock. Die Fassade ist in drei Achsen gegliedert - mittig beginnt im Obergeschoss ein dreiseitiger Erker, dessen gebrochene Gaube ins Dachgeschoss reicht. Das horizontale Band über dem Obergeschoss knickt ab, um die Giebelschulter zu betonen; ein zweites über den Dachgeschossfenstern gibt dem Haus einen dreigeschossigen Charakter.

Von einem reinen Jugendstil lässt sich nicht sprechen, denn typische Dekorationsmerkmale, besonders die eigens geformten Pflanzenornamente (links und rechts vom Haus) fehlen ganz. Dafür sind der geschweifte Giebel, die Rundungen der Giebelschultern, die gebrochene Haube über dem Erker und nicht zuletzt der bewegte, fließende Charakter eindeutig vom Jugendstil entlehnt – ein sehr geglücktes Arrangement.

Und das weiß auch Ludwig Nottbeck: „Die Freude ein solches Haus zu besitzen ist schon groß, zumal es mit seinem Giebel zu den Schönen in der Stadt zählt.“ Allerdings sei ein solches Haus nicht nur schön, sondern auch teuer. „Wir sind mit dem Anspruch, dieses Haus unter denkmalpflegerischen Aspekten zu erhalten auch eine große Verpflichtung eingegangen, die leider auch mit hohen Unterhaltskosten einhergeht, die sich natürlich wirtschaftlich tragen lassen müssen“, erklärt der Seniorchef. Und das sei nicht immer einfach.

Zurückblickend erinnert sich Nottbeck aus Erzählungen, wie sein Großvater Louis das Unternehmen am 8. September 1894 gegründet hat. Die erste Tageseinnahme, für damalige Verhältnisse angemessen, belief sich auf 2,94 Goldmark. Zusammen mit seiner Frau Maria erwarb der Geschäftsmann das heutige Haus in der Burgstraße. Das darauf befindliche Gebäude musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Der Erste Weltkrieg und die Zeit der Inflation erforderten einen Neubeginn. Es folgten die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg. Nachdem man sich davon erholt hatte, weil fast alles durch die Kriegswirren verloren gegangen war, machte sich die Ems 1946 mit etwa 1,0 Meter Höhe in dem Geschäft in der Burgstraße breit. „Fünf Tage hat das Wasser im Haus gestanden, aber auch diesen Rückschlag hat unsere Familie überstanden“ erklärte Ludwig Nottbeck.

Nach und nach reifte das Haus in den folgenden Jahrzehnten zu dem Unternehmen heran, wie es sich heute präsentiert. Erst vor wenigen Jahren wurde der Giebel aufwändig restauriert, auch ein Indiz dafür, dass sich das Haus, welches sich jetzt in vierter Generation „Nottbeck“ nennt, weiter im Besitz der Familie verbleiben soll. Unter anderem sind in dem Geschäftshaus Bürobedarf und -technik sowie Schreibwaren zu erwerben. Außerdem gibt es hier die „Erstausstattung für Erstklässler“ erklärt Stefan Nottbeck und ergänzt: „Nicht zu vergessen die Büromöbel und Bürotechnik für Geschäftskunden.“

Die gläserne Geschäftstür öffnet sich zischend nach beiden Seiten – Mutter und Tochter kommen herein. Und auch wenn noch kein Wort gesprochen wurde, ist nach einm Blick in die augen der Kleinen klar, was gewünscht wird: die Erstausstattung für Grundschüler.