„Strukturen reichen“ Schmeinck: Flüchtlingsbüro in Lingen gibt es schon

Am Schwarzen Weg sind die Handwerker dabei, das erste mobile Wohnheim zu erstellen. Foto: Caroline TheilingAm Schwarzen Weg sind die Handwerker dabei, das erste mobile Wohnheim zu erstellen. Foto: Caroline Theiling

Lingen.  Die Einrichtung eines Flüchtlingsbüros in Lingen, wie es die Bürgernahen gefordert haben, ist nach Auffassung der Verwaltung und des SKM nicht notwendig. Nach längerer Beratung am Donnerstag im Ausschuss für Familie, Soziales und Integration wurde über den Antrag nicht mehr abgestimmt. „Faktisch haben wir dieses Flüchtlingsbüro schon“, fasste SKM-Geschäftsführer die Beratung zusammen.

Die BN hatten die Einrichtung eines solchen Büros beantragt , um die vielfältigen Aufgaben im Zusammenhang mit der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen in der Stadt nach ihrer Auffassung besser bündeln zu können. Eine solche Anlaufstelle könne gleichzeitig als Ansprechpartner für Flüchtlinge wie ehrenamtliche Helfer fungieren, begründete BN-Ratsherr Marc Riße den Antrag.

Fachbereichsleiter Günter Schnieders verwies dagegen auf ein sehr engmaschiges Netz, das in Lingen in der Flüchtlingsarbeit geknüpft worden sei. Dies gelte sowohl für die Stadtverwaltung selbst, als auch für die enge Zusammenarbeit mit dem SKM. Auch die Einrichtung eines Flüchtlingsrates, wie von den BN angeregt, sei nicht notwendig, weil diese Arbeit bereits durch die Aufgabenstellung des Fachausschusses abgedeckt sei.

„Ich kann das Ansinnen verstehen, aber wir brauchen keine Koordination der Koordination“, sagte Schmeinck. Sicherlich laufe nicht alles optimal in der Flüchtlingsarbeit in Lingen, aber es gebe Strukturen, sodass eine weitere Koordinierungsstelle nicht benötigt werde. Über mehr Personalanteile im Freiwilligenzentrum sei aber nachzudenken. 230 Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollen, seien dort inzwischen gelistet. „Wo finden Sie eine Kommune, wo ein Wohlfahrtsverband und eine Stadtverwaltung im Schulterschluss durch die Stadt ziehen“, beschrieb Schmeinck die enge Zusammenarbeit bei der Unterbringung und Betreuung. 

211 weitere Flüchtlinge bis zum Jahresende

Aktuell werden in der Stadt 290 Flüchtlinge betreut, die in diesem Jahr nach Lingen gekommen sind. Laut neuer Aufnahmequote kommen bis zum Jahresende 211 weitere hinzu. Die Wohnraumversorgung funktioniere sehr gut, teilte Erster Stadtrat Stefan Altmeppen mit. Er verwies auch auf die ersten mobilen Wohnheime, die im Bau sind und demnächst mit jeweils 30 Personen bezogen werden können. „Nach jetzigem Stand werden wir alle Menschen unterbringen können. Wie das 2016 aussehen wird, lässt sich aber jetzt nicht prognostizieren.“

Ein nicht minder schwieriges Thema ist in diesem Zusammenhang die Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern. „Hier gibt es wenig Bewegung“, sagte Katrin Möllenkamp vom Fachbereich Bürgerservice, Recht und Ordnung. In Lingen sind zurzeit 86 Menschen zur Ausreise verpflichtet. Die Abschiebetermine würden den Betroffenen vorher angekündigt, sagte Möllenkamp. In keinem Fall habe aber bislang eine Abschiebung stattgefunden, zum Beispiel, weil gesundheitliche Gründe vorgelegen hätten oder der Betroffene nicht angetroffen worden sei.

Möllenkamp verwies auf einen neuen Erlass, wonach für alleinreisende Flüchtlinge, deren Antrag abgelehnt worden sei, nun auch unangekündigte Abschiebungen möglich seien. „Wenn wir die Asylverfahren beschleunigen wollen, müssen wir auch die letzte Konsequenz ziehen und die Betroffenen zurückführen. Es geht nicht das eine ohne das andere“, sagte Schmeinck.


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