Kreativzentrum geplant Junge Designerin will Mode aus Lingen schaffen

Corporate Design ist eines der Standbeine, die Natalie Baisakow in einem eigenen Kreativzentrum aufsetzen möchte. Hier bemalt sie gerade die Wände eines Lingener Lokals. Foto: Christiane AdamCorporate Design ist eines der Standbeine, die Natalie Baisakow in einem eigenen Kreativzentrum aufsetzen möchte. Hier bemalt sie gerade die Wände eines Lingener Lokals. Foto: Christiane Adam

Lingen. „Opus“ in Oelde im Jahre 2000, „Liebeskind-Berlin“ 2003, „Natalie-Baisakow-Mode“ in Lingen 2016? Wenn sich die Vision der ehrgeizigen jungen Modedesignerin erfüllen sollte, könnte schon bald „fashion made in Lingen“ entstehen. Und nicht nur das: Ein ganzes Kreativzentrum mit den zusätzlichen Sparten Werbedesign und Ausbildung wäre der Traum der Diplom-Designerin.

„Schon als Kind hatte ich ein Händchen fürs Zeichnen, und nach dem Abitur in Bad Bentheim dachte ich mir, warum soll ich nicht das, was ich am besten kann, zu meinem Beruf machen?“, blickt die in Usbekistan geborene und in der Grafschaft Bentheim aufgewachsene Baisakow zurück. An der Fachhochschule für Gestaltung und Design in Bielefeld erwarb sich die heute Dreißigjährige ihr Diplom. Parallel studierte sie Wirtschaftswissenschaften. „Mir geht es darum, wie man seine Mode vermarktet. Durch dieses Zusatzstudium sehe ich das Thema Modedesign mit anderen Augen“, erklärt sie.

„Der Markt verlangt tragbare Mode“

Es gehe ihr um eine realistische Herangehensweise. Daher auch ihr Ziel, sich im Bereich Ausbildung junger Menschen zu engagieren. „Junge Leute haben oft utopische oder schwammige Vorstellungen vom Bereich Design. Im Studium wird man eher darauf getrimmt, kreativ, verrückt und exzentrisch zu sein. Der Markt verlangt aber nach tragbarer Mode. Darauf wird man im Studium nicht vorbereitet“, erzählt die Designerin, die unsere Redaktion im Bar-Restaurant Palacio in der Schlachterstraße trifft, in dem sie gerade ein riesiges Wandbild malt. Damit sind wir bei ihrer dritten Domäne angelangt: dem Bereich Werbung und Corporate Design. Sie möchte dem Kunden alles aus einer Hand bieten, vom Webauftritt über die Innengestaltung bis zu den Speisekarten – um beim konkreten Beispiel eines Lokals zu bleiben. Sie habe aber beispielsweise auch schon eine Werbekampagne für einen Brillenhersteller ausgeführt. Baisakow geht die Sache idealistisch an. Erfahrungen konnte sie bereits in allen drei Bereichen sammeln. Direkt nach ihrem Studium gewann sie beim German Fashion Award 2011 den Sonderpreis für Mode, Haar und Make-up .

„Deutschland hinkt hinterher“

Danach begann sie als Design-Assistentin für eine Modefirma in Aachen, stieg dort recht bald zum Art Director und Trend Scout auf und bereiste viele Länder, um sich über die neusten Modetrends zu informieren. „Deutschland hinkt, was Mode betrifft, immer ein paar Jahre hinterher“, weiß die junge Dame, die auch schon als Dozentin gearbeitet hat. Nach einigen Jahren Erfahrung in der Modeindustrie und im Werbebereich erfolgte dann die Entscheidung, sich selbstständig zu machen. „Ich möchte mein ganzes Potenzial einbringen können“. Als Selbstständige kann sie das. Sie fertigt individuelle Abendkleider und Herrenanzüge – unter anderem. Wichtig sei ihr, mit Naturstoffen zu arbeiten. Mit Details gibt sie sich besonders viel Mühe und zeigt ihre Jacke, an der sogar die Knöpfe selbst gestaltet sind.

Stadt würde gerne mit eigenem Modelabel werben

Das, was sie jetzt für einzelne Kunden tut, möchte sie bald in großem Stil aufziehen. „Mein Businessplan steht seit zwei Jahren. Ich habe Investoren, ein Rating nach „Basel“ bescheinigt meinem Businessplan Tragfähigkeit“, unterstreicht sie noch einmal, dass es ihr ernst damit ist, unter einer Dachmarke Mode, Werbeagentur und ein kreatives Ausbildungszentrum entstehen zu lassen. Ihre neue Wahlheimat Lingen sehe sie als idealen Standort für ihre Pläne. Bei Oberbürgermeister Dieter Krone hat sie ihr Vorhaben bereits vorgestellt. „Als Stadt Lingen würden wir uns natürlich sehr freuen, wenn wir mit einem eigenen Modelabel werben könnten. Insofern unterstützen wir die interessante und innovative Idee von Natalie Baisakow und werden sie gern auf ihrem weiteren Werdegang begleiten“, bestätigte Krone auf Nachfrage der Zeitung. Sollte alles so eintreten, wie die ambitionierte Künstlerin mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund sich das vorstellt, wird sie damit wohl für Furore über die Grenzen Lingens hinaus sorgen.

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