Über 400 Einsatzkräfte vor Ort Feuerwehr und THW proben in Lingen den Ernstfall

Von Felix Reis


Lingen.  „Nach starken, anhaltenden Regenfällen wird der Ausfall des Schöpfwerks am Mühlenbach in Lingen gemeldet, es besteht Hochwassergefahr für die Stadt. Die Ems direkt hinter dem Schöpfwerk, in die der Mühlenbach mündet, führt ebenfalls Hochwasser“. Mit diesem realistischen Szenario begann am Samstagmorgen um 4 Uhr eine groß angelegte Übung von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW). Weitere Einsatzabschnitte wie Waldbrand oder Verkehrsunfall mit einem Massenanfall von Verletzten, kamen im Laufe des Vormittags und Abends dazu.

In Lingen und im Bereich Wietmarschen-Lohne fuhren am Samstag seit dem frühen Morgen und bis in die Nacht hinein über 80 rote und blaue Einsatzfahrzeuge der verschiedensten Art, durch die Straßen. Die roten Fahrzeuge gehörten zu den Feuerwehrbereitschaften Emsland-Süd und Grafschaft Bentheim. Die blauen Fahrzeuge kamen aus acht Ortsverbänden des THW. Die weiteste Anreise hatten die THW-Helfer aus Göttingen, Hannover und Bremen. Sie reisten bereit am Freitag an und übernachteten in der Mehrzweckhalle Lohne.

Um 4 Uhr wurden die ersten THW-Helfer alarmiert. Am Schöpfwerk in Lingen sollten sie den Ausfall von zwei Förderschnecken durch ihre Pumpen ersetzten. Es kamen drei Großpumpen mit einer Förderleistung von insgesamt 20 000 Litern in der Minute zum Einsatz. Über mehrere Stunden wurde der aufgestaute Mühlenbach umgepumpt um genau zu sehen, welche Förderleistung die Pumpen erreichen.

Als weitere Schadenslage wurde am Vormittag ein Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Schepsdorf angenommen. Hier kam zunächst die Feuerwehrbereitschaft  Emsland-Süd zum Einsatz. Erschwerend kam für diese Einheit hinzu, dass zwei Wohnhäuser in Brand geraten waren. Dieses konnte man eindrucksvoll mit den zwei vorhandenen Übungsbrandhäusern darstellen.

 

Mit dabei auch der mit der Ortsfeuerwehr Lingen befreundete Historische Löschzug Pelkum mit vier Fahrzeugen. Ein Teil der Bereitschaft musste abgezogen werden, um am ehemaligen Campingplatz in Schepsdorf eine Deichschart zu schließen und Sandsäcke zur Abdichtung zu füllen.

Schwerstarbeit bereits ab 7.30 Uhr für die Kräfte des THW. Sie mussten von der Ems an der Panzerbrücke bis in das Einsatzgebiet weit über 2100 Meter Schlauch mit dazwischen geschalteten Pumpen und einer Schlauchbrücke über die Nordlohner Straße bis zu einem 50 Kubikmeter fassenden Übergabebecken pumpen, aus dem sich dann die Feuerwehren dann versorgten.

 

Nicht in den Übungsablauf am Vormittag eingebunden war die Feuerwehrbereitschaft Grafschaft Bentheim. Die Kameraden hatten die einmalige Gelegenheit, auf dem Gelände der BP in Holthausen an verschiedenen Stationen Übungen selber durchzuführen. So konnten unter anderem Flüssigkeitsbrände mit Pulver und Schaum bekämpft werden. Beeindruckt waren die Einsatzkräfte von der Vorführung des großen Sonderlöschfahrzeugs Schaum der Werkfeuerwehr. Dieses Fahrzeug ist mit zwei Wasser/Schaum-Werfern ausgestattet.

Gegen 17 Uhr war der erste Teil der Übungen beendet. Die Einheiten fuhren in den Bereitstellungsraum um ihre Kräfte für den Abend zu sammeln.

Gegen 21 Uhr mussten dann beide Feuerwehrbereitschaft noch einmal ausrücken. Die Grafschafter hatten einen Waldbrand sowie den Brand von zwei Wohnhäusern zu bekämpfen.

Die Kameraden aus dem Emsland wurden, zusammen mit zwei Fahrzeugen des THW und dem historischen Löschzug aus Pelkum, mit einem schweren Verkehrsunfall mit sechs Fahrzeugen und 12 Verletzten, darunter ein Baby, sowie zwei „Toten“ konfrontiert. Auf der Panzerstraße in Schepsdorf lagen die Fahrzeuge kreuz und quer.

Schreiende Verletzte, hervorragend geschminkt und gespielt von Kameraden der DLRG Lingen, forderten die Einsatzkräfte. Nachdem der Einsatzleiter die Einsatzstelle gesichtet hatte und die Aufgaben verteilt waren begann zügig die Rettung der Verletzten, die teilweise mit Schere und Spreitzer aus ihren Fahrzeugen befreit werden mussten. Nach rund 90 Minuten war der Einsatz abgearbeitet. Der Bereitschaftsführer Karl Felix zeigte sich mit dem Ablauf der Übung zufrieden. Beide Einsatzstellen konnten abgeräumt werden und die Mannschaften wieder einrücken.