Bachelorabschluss an der Uni Ex-Häftling bedankt sich bei der JVA Lingen

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Wichtiges Standbein in der Abteilung Damaschke der JVA Lingen ist die Pädagogische Abteilung. Von links: Vollzugsabteilungsleiter Ludger Stoke, Freigängerbetreuer Reinhard Deermann, Diplom-Pädagogin Suse Rösch, Bildungsbeauftragter Klaus Schimon, Abteilungsleiter Jörg Rieken und der Leiter der JVA Lingen, Meik Portmann. Foto: Ludger JungeblutWichtiges Standbein in der Abteilung Damaschke der JVA Lingen ist die Pädagogische Abteilung. Von links: Vollzugsabteilungsleiter Ludger Stoke, Freigängerbetreuer Reinhard Deermann, Diplom-Pädagogin Suse Rösch, Bildungsbeauftragter Klaus Schimon, Abteilungsleiter Jörg Rieken und der Leiter der JVA Lingen, Meik Portmann. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Diplom-Pädagogin Suse Rösch kennt den Offenen Vollzug in Lingen-Damaschke aus dem „Effeff.“ Seit 26 Jahren arbeitet die 57-Jährige in der JVA, und zwar vorrangig in der Pädagogischen Abteilung. Dort sind überwiegend junge Gefangene untergebracht.

„Einige sind ohne Schulabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung ist eher die Ausnahme“, berichtet sie im Gespräch mit der Redaktion. Daran nahmen auch teil: der Leiter der JVA Lingen. Meik Portmann, Abteilungsleiter Jörg Rieken, Bildungsbeauftragter Klaus Schimon, Vollzugsabteilungsleiter Ludger Stoke und Freigängerbetreuer Reinhard Deermann.

Wunsch nach beruflicher Qualifikation

Zu Beginn der Inhaftierung sei es wichtig, zusammen mit den Inhaftierten die Defizite, die zu Straftaten geführt haben, herauszuarbeiten und entsprechende Behandlungsangebote zu entwickeln, heißt es in der Runde. Ludger Stoke sagte, dass in dem individuell zugeschnittenen Vollzugsplan festgelegt werde, wie der Häftling auch im Bildungsbereich gefördert werden könne oder welche Tätigkeiten für ihn in Frage kämen. Zu Beginn der Inhaftierung stellt daher Suse Rösch den Insassen die wichtigen Fragen: „Wer bin ich, wie will ich eigentlich sein und welche Möglichkeiten und Wege gibt es für mich, um mein bisheriges Leben positiver zu gestalten?“ Oftmals besteht der Wunsch nach einer beruflichen Qualifikation, um anschließend einen adäquaten Arbeitsplatz finden zu können.

Mitarbeiter motivieren Häftlinge

Die Inhaftierten entsprechend zu motivieren und sie auf dem Weg der schulischen oder beruflichen Weiterbildung zu begleiten, ist die Hauptaufgabe der Mitarbeiter der Pädagogischen Abteilung. Viele der Inhaftierten nähmen das Betreuungsangebot gerne an und eine positive Veränderung während der Inhaftierung sei deutlich erkennbar, unterstrichen die Bediensteten. Sehr gefreut haben sich die Justizbeamten über das Dankschreiben eines früheren Häftlings, der den Bachelorabschluss an der Uni Osnabrück erworben hatte und anschließend betonte, dass er ohne die Unterstützung der JVA diesen Weg wohl nie gegangen wäre.

Kooperation mit Volkshochschule

Bildungsbeauftragter Klaus Schimon berichtete, dass die Kooperation mit externen Bildungsträgern wie zum Beispiel dem BTZ, der VHS oder der DEKRA etabliert ist und die Zusammenarbeit sehr gut funktioniere. Der ständige Austausch zwischen den Ausbildern und der Pädagogischen Abteilung ist gewährleistet. Eine Vielzahl von erfolgreichen Abschlüssen der Inhaftierten sei zu verzeichnen: nachgemachte Hauptschulabschlüsse, bestandene Ausbildungen zum Mechatroniker, Maler und Lackierer, Lagerlogistiker, Berufskraftfahrer, etc. oder der Erwerb des Bachelorabschlusses.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden - allen voran die Agentur für Arbeit - sei gut strukturiert im Rahmen des Übergangsmanagements und funktioniere reibungslos. Das Ziel der Resozialisierung sei allen Beteiligten - externen Bildungsträgern und Behörden - bewusst und es werde gemeinsam erfolgreich daran gearbeitet. „Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch die Bereitschaft des Gefangenen zur Kooperation und Zusammenarbeit“, hob Schimon hervor.

Wille nach Weiterbildung kann nicht erzwungen werden

Doch gebe es auch Inhaftierte, die die vielfältigen Angebote nicht annähmen und die Zeit der Inhaftierung ziellos absitzen würden. Suse Rösch: „Bei Inhaftierten, die ihre Chance auf Veränderung nicht wahrnehmen wollen, ist es oftmals zwecklos, sie für Behandlung und Betreuung zu motivieren. Deren Weg in die erneute Straffälligkeit ist häufig nur sehr kurz und dann sehen wir diese Gefangene schneller wieder hier als wir uns gedacht haben.“

Abschließend betonten der Anstaltsleiter Meik Portmann und sein Kollege Jörg Rieken nochmals, wie wichtig es sei, die beruflichen Perspektiven für die Häftlinge nach der Entlassung zu verbessern. „Je höher die schulische oder berufliche Qualifizierung ist, umso unwahrscheinlicher ist eine erneute Rückkehr in die Justizvollzugsanstalt“, erklärte Portmann.


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