Ex-Drogendealer verbüßt Haft Neuanfang: Häftling aus Lingen absolviert Ausbildung

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Ein Häftling der Abteilung Damaschke der JVA Lingen auf dem Weg in einen Kurzurlaub. Foto: Ludger JungeblutEin Häftling der Abteilung Damaschke der JVA Lingen auf dem Weg in einen Kurzurlaub. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Dimitri Meyer (Name geändert) hat wieder eine Perspektive. Seit November 2013 befindet sich der 36-Jährige wegen eines Drogendeliktes in der Abteilung Damaschke der JVA Lingen im offenen Justizvollzug. Wenn er sich weiterhin gut führt, hat er gute Aussichten, Ende November 2016 nach Verbüßung von zwei Dritteln einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung entlassen zu werden.

Als der Häftling vom geschlossenen Vollzug in die Abteilung Damaschke wechselte, war das Selbstbewusstsein von Meyer nicht besonders ausgeprägt. „Ich bin ein zurückhaltender Typ“, sagt Meyer in einem Gespräch mit der Redaktion. Am 1. August hat D. Meyer eine zweijährige Ausbildung in einem Betrieb außerhalb der JVA begonnen. „Dort gefällt es mir sehr gut“, berichtet er und fügt hinzu: „Mit den Kollegen komme ich prima aus.“ Er kann sich vorstellen, nach dem Ende der Ausbildung bei dem Unternehmen zu bleiben oder sich in der Branche selbstständig zu machen. In früheren Jahren ließ er sich zudem zum Straßenbauer ausbilden. Im offenen Vollzug in Damaschke absolvierte der 36-Jährige ein Selbstsicherheitstraining. Reinhard Deermann, der die Häftlinge zusammen mit einem Psychologen trainiert, ist voll des Lobes über das Resultat: „Herr Meyer ist nicht wiederzuerkennen, kommt aus sich heraus und macht sogar in der Theatergruppe mit.“

Drogendeal versprach das große Geld

Dimitri Meyer kam 1993 mit seiner Familie aus dem sibirischen Omsk nach Lingen. Er ging nur ungern mit. „Im Omsk musste ich meine Freunde zurücklassen.“ In Deutschland geriet er an falsche Freunde und als Drogenkonsument und -dealer auf die falsche Bahn. „Es lockte das große Geld“, gab der Mann aus dem Oldenburger Münsterland zu. Bei einer Kurierfahrt erwischte ihn die Polizei. Ein Richter erließ Haftbefehl. Rund ein Jahr saß er in Untersuchungshaft.

Nach dem Gespräch mit unserer Redaktion verabschiedet sich Dimitri Meyer in einen kurzen Hafturlaub. Dazu gibt es einen triftigen Grund: Am nächsten Tag heiratet er seine langjährige Lebensgefährtin. Gemeinsam haben sie sieben Kinder.

„Frauen fühlen sich im Stich gelassen“

Die Familien der Häftlinge seien die eigentlich Leidtragenden, wenn der Partner beziehungsweise Vater inhaftiert sei, betonen die Justizbediensteten. „Die Frauen fühlen sich oftmals von ihren Männern im Stich gelassen. Wir haben dann die Hoffnung, dass die Inhaftierten erkennen, dass die ganze Familie die Konsequenzen der Straftat zu tragen hat und diese Erfahrung sie von der Begehung weiterer Straftaten abhält.“ Manchmal gelinge es und manchmal leider nicht, berichtet Sozialpädagogin Suse Rösch und fügt hinzu: „Im Grunde möchten unsere Häftlinge ein ganz normales bürgerliches Leben führen.“


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