Große Verdienste um Kindertheater Lingener Radermacher als BDAT-Präsident verabschiedet

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Jörg Sobeck wird Nachfolger von Norbert Radermacher (rechts) als Präsident des BDAT. Foto: WeymannJörg Sobeck wird Nachfolger von Norbert Radermacher (rechts) als Präsident des BDAT. Foto: Weymann

Lingen/Stralsund . Nach über 30 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit für den Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT), davon die letzten 15 Jahre im Amt des Präsidenten, wurde der Lingener Norbert Radermacher in Stralsund von der Bundesversammlung des Verbandes verabschiedet und zum Ehrenpräsidenten ernannt.

„Die Entwicklung der Theaterarbeit und der kulturellen Arbeit mit Kindern und für Kinder waren mir immer sehr wichtig“, betont Radermacher im Gespräch mit der Redaktion. Das wird an verschiedenen Projekten deutlich, die der Lingener ins Leben gerufen hat. In seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Leiter des Theaterpädagogischen Zentrums der Emsländischen Landschaft (TPZ) in Lingen war er Begründer und langjähriger künstlerischer Leiter des Welt-Kindertheater-Festes (WKT), das seit 1990 als größtes Festival von Kindern für Kinder um die Welt geht.

Mit dem Aufbau des TPZ in Lingen, das unter seiner hauptamtlichen Leitung zu einer der größten Institutionen in Europa herangewachsen ist, verschaffte er auch der Theaterpädagogik in Deutschland eine solide Basis, die sich zu einem eigenständigen Arbeits- und Berufsfeld entwickelt hat. Nicht zuletzt hat sich Norbert Radermacher dafür starkgemacht, dass der Campus Lingen der Hochschule Osnabrück mit dem Studiengang Theaterpädagogik aufgebaut werden konnte.

Auszeichnungen

Zu den weiteren besonderen Verdiensten von Radermacher gehört die Initiierung des 1. Deutschen Kindertheaterfestes, das 2004 in Rudolstadt stattfand. Seitdem wird es alle zwei Jahre alternierend von den Mitgliedsverbänden der damals ins Leben gerufenen „Ständigen Konferenz Kinder spielen Theater“ durchgeführt.

Die Anfänge seiner Tätigkeit im Amateurtheaterbereich aber liegen noch weiter zurück. Die Aussicht, am Gymnasium Georgianum in Lingen neben dem Unterricht Kunst und Deutsch auch eine Theater-AG leiten zu dürfen, ließen Radermacher 1976 von Osnabrück nach Lingen gehen. Zusammen mit Regisseur Walter Edelmann, der heute an der Waldbühne Ahmsen tätig ist, gründete er zudem 1979 die Spielbühne Lingen. Erst 1992 schied er aus dem Schuldienst aus, um sich ganz dem Theater und hier insbesondere den Kindern zu widmen. „Theater kann für Kinder ganz lebensbestimmend sein, egal welchen Beruf sie später einmal ergreifen“, ist sich Radermacher sicher.

Für sein bürgerschaftliches Engagement erhielt Norbert Radermacher unter anderem das Verdienstkreuz erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens , die Emslandmedaille, den Kulturpreis der Stadt Lingen und gemeinsam mit dem TPZ den Ygdrasilpreis der Firma LEGO als den höchst dotierten Kulturpreis der Welt.

Nach seinem Abschied von der Theaterbühne wird Norbert Radermacher weiterhin in der von ihm gegründeten internationalen Kinderkultur- und Kinderhilfsorganisation „Arts by Children“ (ABC) www.artsbychildren.org tätig sein.

Zum WKT nach Kanada

„Nach den vielen Jahren in Berlin freue ich mich, wieder mehr in Lingen zu sein“, blickt Radermacher in die Zukunft. Doch der 69-Jährige wird sich noch nicht zur Ruhe begeben. Neben seinem Engagement bei ABC freut sich der scheidende Präsident beim nächsten Weltkindertheaterfest, das im nächsten Jahr im kanadischen Toronto stattfinden wird, dabei zu sein. „Vielleicht werde ich auch mal wieder ein Stück inszenieren.“

Der Lingener war stets ein zentraler Player bei der nationalen und internationalen Vernetzung der Theaterakteure und -verbände. Mit dem Europäischen Zentrum des Weltamateurtheaterverbandes AITA/IATA, das Norbert Radermacher viele Jahre ehrenamtlich leitete, trug er dazu bei, dass sich nach dem Fall der Mauer die Kulturen in Ost und West auf der Ebene des Theaters begegnen konnten und den künstlerischen Dialog aufnahmen.

Ideengeber

Norbert Radermacher hat in zahlreichen Kulturverbänden auf Landes- und Bundesebene ehrenamtliche Funktionen bekleidet, u.a. hat er in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung kulturelle Jugendarbeit (BKJ) Anfang der 90er Jahre den Aufbau des deutsch-polnischen Jugendwerkes mitgestaltet.

Mit der Zusammenführung der Geschäftsstellen in Heidenheim und Lingen zu einer Bundesgeschäftsstelle in Berlin konnte die kulturpolitische Präsenz und Akzeptanz des Amateurtheaters als wichtige künstlerische Kraft in Deutschland deutlich gestärkt werden. In den vergangenen Jahren hat sich das Amateurtheater aufgrund seines kulturpolitischen Engagements - und einem Dialog auf Augenhöhe - als dritte Säule neben den Staats- und Stadttheatern und der freien Szene etabliert.

Ideengeber war Norbert Radermacher auch für den dotierten Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“, der auf Empfehlung der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ erstmals 2010 in Berlin zur Würdigung herausragender künstlerischer Leistungen verliehen wurde. Der Preis wird im jährlichen Wechsel mit der „amarena-Innovationsförderung“ vergeben, 2016 in Offenbach. Sein nachhaltiges Engagement für die Entwicklung neuer Konzepte zur Pflege und zum Erhalt der Mundarten und Sprachen im Amateurtheater führte in diesem Jahr zur ersten erfolgreichen Durchführung des bundesweiten Volkstheaterfestivals „Wurzelwerk“.

Nachfolger Sobeck

In ihrem Dankschreiben sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „15 Jahre lang haben Sie mit hohem persönlichen Einsatz dazu beigetragen, das Potenzial des Amateurtheaters zur Entfaltung zu bringen, einer Kunstform, die so viel mehr sein kann als eine Freizeitbeschäftigung – nämlich ein Angebot der kulturellen Teilhabe, ein Ort des Austauschs zwischen unterschiedlichen Generationen und Kulturen, eine Form des gesellschaftlichen, ja auch des politischen Engagements.“

Auch der Nachfolger und Interimspräsident Jörg Sobeck (Berlin), das Präsidium sowie die Delegierten der Mitgliedsverbände würdigten die vielfältigen Leistungen und das ehrenamtliche Engagement von Norbert Radermacher. In seiner Amtszeit als Präsident wuchs die Mitgliederzahl des Verbandes von rund 1800 auf über 2400 Bühnen an. Damit ist der BDAT der größte Theaterfachverband in Europa.


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