2700 in der Emslandarena „Give a little bit“: Hodgson gibt in Lingen mehr



Lingen. Diese Stimme berührt, ist weich, melancholisch, unverwechselbar. Es ist die hohe Kopfstimme von Roger Hodgson. Der Name geht nicht leicht über die Lippen. Der Name der Band, die Hodgson maßgeblich geprägt hat, wohl: „Supertramp“. Und „Mister Supertramp“ gab sich Samstagabend vor 2700 Besuchern in der Lingener Emslandarena die Ehre.

Es war überwiegend die Generation „50 Plus“, die zum Konzert gekommen und mit „Supertramp“ erwachsen geworden war. Die standen alle von ihren Sitzen auf, als der inzwischen 65-jährige Brite mit seiner exzellenten Band die Bühne betrat. Hier stand einer der ganz großen Songschreiber und Musiker auf der Bühne der Emslandarena. Insbesondere den Konzertbesuchern aus Lingen wurde in diesen Momenten einmal mehr klar, was für ein Veranstaltungsjuwel ihnen da vor die Haustür gestellt worden ist: Ein paar Minuten Autofahrt, zwei Stunden lang einen Weltstar genießen und in einem Viertelstündchen wieder zu Hause – es gibt auch ein schlechteres Wochenendprogramm.

Hodgson wollte den Durst der Fangemeinde nach den Supertramp-Ohrwürmern gleich zu Anfang schon kräftig löschen. „Take the long way home“ und „School“ waren die beiden Eröffnungsnummern. Dass der alleinige Komponist und Texter vieler Hits von Supertramp eine höchst versierte Band-Crew um sich geschart hatte, wurde hier ebenfalls deutlich. Mit Bryan Head am Schlagzeug, David J. Carpenter (Bass), Kevin Adamson (Keyboards) und insbesondere seinem kanadischen Musikerfreund Aaron MacDonald am Saxophon hat Hodgson Musiker zur Verfügung, die einen perfekten Klangteppich in der Arena ausrollen konnten. MacDonald beherrscht ebenfalls die Klarinetten- und Flötenpassagen und natürlich auch das legendäre Mundharmonika-Intro bei „School“ perfekt. Deshalb bildet er die perfekte musikalische Ergänzung zu Hodgsons Akustikgitarre, Keyboards und Konzertflügel.

Da dieser – in weißem Hemd und dunkler Weste lächelnd über die Bühne schlendernd – rein gar nichts von einer Superstar-Attitüde an sich hat und die Konzertbesucher charmant auf Deutsch begrüßt, herrscht von Anfang an Wohlfühlatmosphäre in der Arena. Es hat so etwas von einer großen Familie, die Hodgson da um sich gescharrt hat und bei jedem Supertramp-Hit textsicher mitsingt.

Der Sänger und Songwriter spult in Lingen kein Programm runter. Er löst die räumliche Distanz zwischen sich und dem Publikum immer wieder durch Plaudereien auf und gibt Einblicke in das Zustandekommen von Welthits wie „Breakfast in America“, den er in nur einer Stunde schrieb. Das gleichnamige Album gehört zu den erfolgreichsten der Musikgeschichte. Der Künstler präsentiert natürlich auch Stücke aus seinen Soloalben, Balladen, ebenso rockigere Stücke.

Nach zwei Stunden ist dann – fast – Schluss. „It‘s raining again“ und „Give a little bit“ bilden die beiden Zugaben – wobei Letzteres an diesem Abend nicht ganz richtig war. Hodgson hat in Lingen eine Menge gegeben.


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