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„Aus vielen Jahren“ Neues Buch von Thekla Brinker aus Rastdorf

Von Ludger Jungeblut


Rastdorf. „Ohne Heimat sein heißt leiden“ zitiert die Leeraner CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann den berühmten russischen Dichter Fjodor Dostojewski im neuen Buch von Thekla Brinker aus Rastdorf unter dem Titel „Aus vielen Jahren“.

Das Werk geht aber über den Rahmen eines reinen Heimatbuches hinaus. Beredtes Beispiel dafür ist die Erzählung „..und dann wirfst du dich so richtig in Schale“, die sich mit dem fiktiven Schicksal einer Frau befasst, deren Lebensweg durch eine Krankheit einen völlig anderen Verlauf nimmt. Auch in der plattdeutschen Erzählung „Einser“ zieht der Spannungsbogen zwischen dem Lebensentwurf und einer radikal anderen Wirklichkeit den Leser in seinen Bann.

Auf 208 Seiten reiht sich eine Erzählung an die andere; manches ist in hochdeutsch, anderes, auch Gedichte, ist in plattdeutsch verfasst. Wer das Buch in die Hände genommen hat, kommt von den Geschichten nicht los. Die Heimatfreundin beweist, dass sich das Leben der Menschen auf dem Hümmling packend schildern lässt. Gleichermaßen authentisch wie liebevoll beschreibt die 71-jährige Autorin Erlebnisse vor allem aus der Kinderzeit. Feiner Humor und Hintergründiges, aber auch Nachdenkliches vermischen sich in den Erzählungen. Wie ein Seismograf hat die Heimatfreundin in dem Buch festgehalten, wie sich die Lebenswirklichkeit in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Hümmling darstellte und wie sie heute ist. Wer sich in der Heimat geborgen fühlt, der ist offen für Völkerverständigung, lautet ihr Credo. Ein gutes Beispiel dafür ist der Beitrag über eine innige Freundschaft, die eine Loruper Familie schon mehr als 25 Jahren mit einem Inder pflegt, den sie seinerzeit als Gaststudent bei sich aufgenommen hatte.

Im Vorwort weist die Autorin auch auf andere Beträge hin, zum Beispiel auf das segensreiche Wirken des aus Lorup stammenden Lagerpfarrers Monsignore Wilhelm Scheperjans, beschreibt die früheren Starfighterflüge und die damit verbundenen Belastungen, stellt Menschen mit ungewöhnlichen Hobbys vor und geht auf die Nahversorgung als einem Kern dörflichen Lebens ein. Auch vor den Problemen, die mit dem Älterwerden verbunden sind, verschließt sie nicht die Augen. So beschreibt sie eine Frau, die nach einem Schlaganfall gehandicapt ist. Schon der Gang zur Nachbarin ist mit größter Mühe verbunden. Zugleich schlägt die Heimatfreundin die Brücke zu den nachfolgenden Generationen: Auf der Rückseite des Buches hat die Autorin ihr Gedicht „Enkelkinder“ platziert. Sie bringt darin die große Freude von Großeltern an ihrer jüngsten Generation zum Ausdruck. Ein angedeutetes Spielgerät und ein munterer Reigen von Kindern unterstreichen die Worte.

Fazit: Thekla Brinker hat es auch in ihrem neuen Buch verstanden, die Lebenswirklichkeit in ihrer Heimat in vielen Facetten abzubilden. Dazu braucht es neben schriftstellerischem Talent die Liebe zum Hümmling und seinen Menschen. Davon hat die Autorin mehr als genug. Das Buch ist ab sofort im hiesigen Buchhandel zum Preis von 19,80 Euro erhältlich. Interessierte können das Werk auch über die Mailadresse thekla.brinker@ewetel.net bestellen.


Thekla Brinker, geborene Hahnenkamp, erblickte 1943 in Lorup das Licht der Welt und wuchs mit vier Geschwistern auf dem elterlichen Hof auf. Sie ist verheiratet, lebt seit 1969 im Nachbarort Rastdorf und hat zwei Kinder sowie fünf Enkelkinder. Mehr als 40 Jahre war Thekla Brinker freie Mitarbeiterin der Ems-Zeitung Papenburg. Viele Jahre leitete sie den Heimatverein Rastdorf, der sie zur Ehrenvorsitzenden ernannte. Heimatfreunden im Raum Emsland-Osnabrück wurde sie vor allem durch die Herausgabe von Heimatbüchern bekannt. Viel Beachtung fanden zudem die von ihr geschriebenen Theaterstücke „Liek moket“, „Der Bettelpfarrer“, „Hümmlingbelder“ und „Kegen dat Vergeeten“. Von 1988 bis 2012 gehörte sie dem Schrieverkring Weser-Ems, einer Vereinigung plattdeutscher Autoren, an. Für ihren vielfältigen Einsatz erhielt die Autorin 2012 das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens.