Geschäftsführer des Nischenkinos Tobias Mielke ist stolz auf Lingens „Centralkino“

Von Eva-Maria Riedel


Lingen. Vorbei ist die Zeit der „bewegten Bilder bzw. lebenden Fotografien“, vorbei die Zeit, als ein Filmtheater noch ein wahrer Palast war mit Bediensteten, Kronleuchtern, die man sonst nur in prunkvollen Theatern und Opernhäusern fand. Geblieben ist neben den bekannten großen Kinoketten ein anderes Kleinod, das sogenanntes Nischenkino. Und Lingen besitzt ein solches: Das Centralkino in der Marienstraße 8, das 2011 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Bei dem 40-jährigen Geschäftsführer Tobias Mielke laufen alle Fäden zusammen. „Ich habe seinerzeit Film- und Fernsehwissenschaften studiert und kam mal wieder nach Lingen zu Besuch,“ erzählt Mielke im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei der Gelegenheit habe er Marleen Oberthür, damals Vorsitzende des Lingener Kunstvereins, getroffen und sie seien über das Schicksal des Centralkinos ins Gespräch gekommen.

Einig waren sie sich schnell: Dieses Kino musste unbedingt gerettet werden. „Von der Idee zur Realisierung war es kein weiter Weg“, weiß er zu berichten. Spontan hätten sie den damaligen Oberbürgermeister Heiner Pott aufgesucht, der ihnen finanzielle Hilfe, im bescheidenen Rahmen, zugesagt habe. „2008 gründeten wir einen gemeinnützigen Verein, dessen 1. Vorsitzender heute Christof Sick und die 2. Vorsitzende Annette Höing sind und der mittlerweile aus 150 Mitgliedern besteht. Circa 20 bis 30 Ehrenamtliche unterstützen unseren Kinobetrieb, ohne sie ginge es auch gar nicht“, betont Mielke.

Dann galt es, die Lage zu sondieren, was für ein Bedarf an außergewöhnlichen Filmen in Lingen besteht und wer voraussichtlich die Vorstellungen besuchen würde. Erste Versuche wurden gestartet, zum Beispiel mit Dokumentar- bzw. Themenfilmen zu Anlässen wie dem Tag der Deutschen Einheit.

Zu regelmäßigen Kinoabenden entschloss sich der Verein dann sehr schnell, und zwar im Jahr 2009. Es musste nun ein Alternativprogramm angeboten werden, das auch kompatibel mit dem Niveau der Hochschule Osnabrück, hier in Lingen, und den diversen Kultureinrichtungen der Stadt Lingen sein sollte. „Wir wollten ein ganz besonders hochwertiges Kinoprogramm anbieten“, erläutert Mielke.

Natürlich seien sie immer bemüht, regionale Themen aufzugreifen wie Fußball, Religion oder „Die Nordsee von oben“ bzw. „Dein Weg“ (Santiago de Compostela), den viele Gläubige schon gewandert sind.

Im Laufe der Zeit habe sich ein treues Publikum herauskristallisiert, meistens um die 50 Jahre alt, wobei es einen hohen Frauenanteil gebe. Aber das schwanke natürlich auch von Veranstaltung zu Veranstaltung. Mielke: „Wir präsentieren auch außergewöhnliche Filme, die zwar in Venedig oder Cannes einen der Preise gewonnen haben, aber nicht in unsere Kinos kommen, und dennoch durchaus bemerkenswert sind.“

Eine außerordentlich positive Entwicklung zeigen die verschiedenen Kooperationen. Gerne angenommen werden Filmvorführungen mit anschließender Diskussionsrunde, wenn zum Beispiel ein Regisseur anwesend ist. Auch das Thema Filmmusik wurde von der aus Lingen stammenden Filmmusikerin Annette Focks ausführlich erläutert. Zudem fanden Lesungen im Centralkino statt.

Die Kooperation mit dem Theaterpädagogischen Zentrum der Emsländischen Landschaft (TPZ Lingen) sei sehr erfreulich. Man käme dort, wenn der Platz in den eigenen Räumlichkeiten nicht ausreiche, gerne auf das Centralkino zurück. Das werde in diesem Jahr wieder so sein, wenn es in Lingen vom 23. bis 27. September heißt „Puppets on Stage“.

Außerdem gibt es noch Kooperationen mit vielen anderen kulturellen Einrichtungen, unter anderem mit der Kunstschule Lingen und der VHS Lingen, ebenso mit dem Franziskusgymnasium Lingen und dem Gymnasium Georgianum mit den Jungfilmer-AGs. Nicht zu vergessen, dass der Lingener Filmemacher Harald Lorenz in regelmäßigen Abständen seine Kurzfilme im Centralkino der Öffentlichkeit vorstellt.

„Im Großen und Ganzen kann ich nur sagen, dass das Centralkino Lingen nicht nur mit seiner Digitalisierung sehr gut aufgestellt ist, sondern auch hinsichtlich der Besucherzahlen“, meint Mielke. Dazu trage natürlich auch der Kinoservice mit seinen Leckereien und Getränken bei.

Und wer seinen geliebten Tatort am Sonntagabend nicht allein vor dem Fernseher anschauen möchte, der könne ihn gerne zeitgleich im Centralkino ansehen und diesen Film nicht allein, sondern mit Gleichgesinnten zu einem spannenden Kinoerlebnis werden lassen, empfiehlt der Geschäftsführer Tobias Mielke abschließend.