Ungewöhnlich günstiger Preis Lingenerin entgeht dubiosem Autokauf im Internet

Von Caroline Theiling-Brauhardt

Eine Anzeige, die mit Vorsicht zu genießen war: Für diesen Mercedes interessierten sich die 54-Jährige und der Student aus Osnabrück. Bezahlt worden sind die Anzeigen bei der Zeitung im Übrigen nicht. Foto: Caroline TheilingEine Anzeige, die mit Vorsicht zu genießen war: Für diesen Mercedes interessierten sich die 54-Jährige und der Student aus Osnabrück. Bezahlt worden sind die Anzeigen bei der Zeitung im Übrigen nicht. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Wenn das alte Auto in die Jahre kommt und auch der Geldbeutel die Möglichkeiten einer Neuanschaffung stark einschränkt, kann es passieren, dass man dubiosen Verkäufern auf den Leim geht. Knapp entgangen sind einer gar nicht so neuen Masche jetzt ein 25-jähriger Student aus Osnabrück und eine 54-jährige Frau aus Lingen. Da sich beide kennen, ist der mögliche Betrug aufgeflogen, bevor einer zu Schaden gekommen ist.

Was war passiert? Der Student entdeckte eine lukrative Anzeige für einen Audi A 4 im Fahrzeugmarkt der Neuen Osnabrücker Zeitung zu einem ungewöhnlich günstigen Preis. Über die angegebene Handynummer konnte er niemanden erreichen, da immer die Ansage kam: „Diese Mailbox kann keine weiteren Ansagen aufnehmen.“ Doch er erhielt eine SMS mit einer E-Mail-Adresse, unter der es weitere Informationen zu dem Auto geben sollte.

Es folgten einige Mails in englischer Sprache, in denen der vermeintliche Verkäufer sich als 63-jähriger Niederländer ausgab, der mit seiner Frau (62 Jahre) viel in Deutschland unterwegs war, deshalb auch ein in Deutschland angemeldetes Auto fuhr, was er nun aber nicht mehr benötigt. Er schlug einen Tag und einen Ort vor, an dem die Übergabe stattfinden sollte. Damit alles seriös erscheinen sollte, hatte der Niederländer noch mehrere Urlaubsfotos von sich und seiner Frau hinzugefügt.

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Diesen Verlauf erzählte er seiner 54-jährigen Bekannten aus Lingen, die ihrerseits am selben Tag in der Lingener Tagespost ein interessantes Inserat von einem Mercedes gelesen hatte, der ebenfalls für rund ein Drittel seines Marktwertes angeboten wurde. In diesem Falle stellte sich der Besitzer als 65-jähriger Däne vor, der mit seiner 64-jährigen Frau ebenfalls ein in Deutschland angemeldetes Auto fuhr, das er nun veräußern wolle. Auch er schickte ein Urlaubsfoto mit. Beim Vergleich der Schreiben stellte die Lingenerin viele Parallelen fest. Die Briefe hatten, abgesehen von der Sprache, teilweise wortwörtlich den gleichen Inhalt.

Skeptisch geworden, wandte sich die 54-Jährige an die Polizei in Lingen. „Lassen Sie bloß die Finger davon“, bekommt sie von Gerd Kohnen, Leiter des Fachkommissariats Wirtschaftskriminalität und Betrug zu hören, dem diese Masche seit vielen Jahren bekannt ist. Auch in Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück) hatte jemand auf eine der beiden Anzeigen geantwortet hatte.

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„In der Regel“, so Kohnen „wird dann eine Anzahlung per Überweisung, meistens auf ein ausländisches Konto, verlangt und zur Übergabe kommt nachher keiner mehr, weil es das Fahrzeug gar nicht gibt.“ Dass es in den vorliegenden Fällen gar nicht erst so weit gekommen ist, liegt nach Vermutungen von Peter Siebert vom Präventionsteam der Polizei daran, dass die Interessenten noch weitere detaillierte Fragen beispielsweise nach Scheckheft und Fahrgestellnummern gestellt hatten. Denn daraufhin hatte beide „Verkäufer“ nicht mehr geantwortet, weder per Mail, noch per SMS oder Telefon.

Generell raten Siebert und Kohnen zu äußerster Vorsicht beim Gebrauchtwagenkauf, insbesondere wenn der Kontakt über eine Onlinebörse zustande gekommen ist oder der Preis nicht dem Marktwert entspricht. Ausdrücklich warnen beide vor einer Überweisung auf eine ausländische Bank wie Western Union. Ein potenzieller Käufer solle sich unter anderem immer das Scheckheft des Fahrzeugs und den Personalausweis des Verkäufers vor einer Vertragsunterzeichnung zeigen lassen.

„Eine technische Untersuchung beim TÜV oder der Dekra gibt zudem Sicherheit , weil es aufzeigen kann, ob der Wagen möglicherweise einen Unfallschaden hatte, unsachgemäß repariert wurde oder überlackiert wurde,“ gibt Siebert einen weiteren Tipp. Eine solche Untersuchung koste rund 70 Euro und sei damit kaum teurer als eine Tankfüllung. Ein seriöser Verkäufer werde dagegen keine Einwände haben.