Hilfe bei Arthrose In Lingen gibt es Physiotherapie für Hunde

Von Christiane Adam


Lingen. Sam ist ein ganzer Kerl. Das Becken für das Unterwasserlaufband füllt der Bursche fast komplett aus. Zur Behandlung kommt er regelmäßig zu Ella Koetsenruijter-Fritz, denn der elf Jahre alte Hund leidet unter Arthrose. Die Physiotherapeutin, die Am Neuen Friedhof in Lingen praktiziert, bietet ihre Dienste allerdings nicht (mehr) für Menschen, sondern für Hunde an.

„Tiere brauchen physiotherapeutische Behandlungen genauso wie Menschen“, ist die Frau, die ihr Handwerk zunächst im humanmedizinischen Bereich erlernt und über Jahre praktiziert hat, überzeugt. Ihr ganzes Berufsleben lang habe sie immer gern Fortbildungen gemacht. Über die Weiterbildung zur Physiotherapie für Tiere sei sie zufällig gestolpert. Im ostwestfälischen Kirchlengern hat sie dann zwei Jahre lang nebenberuflich im Blockunterricht die Hundekrankengymnastik nach Blümchen gelernt. Benannt ist die Methode übrigens nach dem Mädchennamen der Begründerin, Katrin Vosswinkel, geborene Blümchen. „Die lateinischen Fachbegriffe kannte ich ja alle schon aus meiner Erstausbildung“, erklärt die nach eigenen Angaben bislang einzige Hundephysiotherapeutin im Altkreis Lingen. Das Unterwasserlaufband für Hunde dürfte dementsprechend auch ein Unikat im Umkreis sein. 650 Liter Wasser fasst es. Nach dem Betreten des Hundes durch die Tür wird das Wasser eingelassen. Sam über die Seitenwände zu heben, wäre auch wohl ein größerer Akt. 25°C beträgt die Temperatur, und in gemäßigtem Tempo läuft der wackere Kerl etwa 28 Minuten lang auf dem Laufband. Es handele sich hierbei um eine gelenkschonende Methode. Nicht die Geschwindigkeit sei entscheidend, sondern das langsame Treten im Wasser wirke intensiv auf Kräftigung und Stabilität von Sams Muskulatur hin. „Sam kam immer schlecht hoch, wenn er gelegen hatte“, erzählt Herrchen Michael Rother. Das habe sich inzwischen deutlich gebessert. Sam gehört zu den regelmäßigen Patienten, und „wenn er kommt, weiß bereits vorher die ganze Nachbarschaft Bescheid; er meldet sich lauthals an“, schmunzelt Koetsenruijter-Fritz. Ein anfangs eher misstrauischer Patient war der 14-jährige Rauhaardackel, vor allem, als die Masseurin ihn aufforderte, sich hinzulegen. „Was soll das denn jetzt?“, mochte seine Miene wohl ausdrücken. Der alte Herr leidet unter Verspannungen. „Die Schulter sitzt zu und rotiert nicht mehr. Das muss durch Massagen gelockert werden“, weiß die Therapeutin. Nach einigen Minuten versteht er aber wohl, dass die Frau nichts Schlimmes von ihm will, und er beginnt, sich zu entspannen. Die Physiotherapeutin mit dem Alleinstellungsmerkmal „für Hunde“ bietet Hilfe bei allgemeinen Rückenproblemen, Bandscheibenvorfällen, Patellaluxation, Hüftgelenksdysplasie, Arthrose, Spondylose, nach Operationen bei Kreuzbandrissen, oder wenn das Iliosakralgelenk außer Balance ist. Jede Rasse habe ihre speziellen Anfälligkeiten, wie beispielsweise das Wort Dackellähme es schon aussagt. Und nicht bei jedem Hund könne jede Methode angewandt werden. Das Unterwasserlaufband, das Sam so genießt, wäre für den alten Dackel, der überdies unter Herzproblemen leidet, viel zu anstrengend. Nullachtfünfzehn-Behandlung gibt es also nicht bei der Tierphysiotherapie in Lingen! Vor allem durch Mundpropaganda habe sich das Angebot, Hunde bei Problemen des Bewegungsapparates ohne Medikamente zu behandeln, zu Anfang herumgesprochen. Mittlerweile frequentieren nicht nur Patienten aus Lingen die Praxis, sondern unter anderem auch aus Lengerich, Freren, Haren, sogar aus Bramsche bei Osnabrück kämen die tierischen Kunden. Inzwischen sei sie über Wochen ausgebucht. „Hunde geben ganz viel. Ein Hund legt sich hin, genießt einfach und bedankt sich anschließend“, schwärmt die Physiotherapeutin von ihren größtenteils geduldigen Patienten. Angst habe sie keine. Nur einmal sei ein „Schnapper“ dabeigewesen, ein Jack Russel. Von der Nützlichkeit und Notwendigkeit ihrer Arbeit ist Koetsenruijter-Friz überzeugt. „Die Alternative bestünde oftmals aus Spritzen. Das geht auf Dauer auf die Organe“. Natürlich habe es auch mal Bemerkungen wie „Physiotherapie für Hunde? Was soll das denn?“ gegeben, aber die vielen Fotos hinter der Behandlungsliege zeigen zufriedene Patienten. „Ich habe mit dieser Tätigkeit wirklich meinen Lieblingsjob gefunden“, strahlt die Hundephysiotherapeutin.