Während der Baccumer Kirmes Modellbahn zeigt in Lingen den Diepholzer Bahnhof

Von Hannah Lübbers


Lingen. „Huuu-huuuu“ rattert eine qualmende Dampflok über das Gleis. In den Waggons blinken Lichter, ein Lokführer hebt seinen Arm. Quietschend kommt das Gefährt im Bahnhof Diepholz zum Stehen. Eine Durchsage erklingt. Diese Bilder lassen sich nicht nur auf der Strecke zwischen Norden und dem Ruhrgebiet erleben, sondern am Wochenende auch in der Gaststätte Hense in Baccum. Familie Winkelmann aus Lingen stellt dort am Sonntag und am Montag ihre „Modellbahn Diepholz“, die nach realen Plänen entstanden ist, aus.

„Diese zischenden und dampfenden Ungeheuer haben mich schon als kleiner Junge fasziniert“, erzählt Walter Winkelmann. „Wir standen immer am Bahnhof und haben uns die herannahenden Züge angeschaut. Die Lokführer kannten uns schon und begrüßten uns immer mit einem Signal, wenn sie uns sahen“, erinnert er sich. Diese Begeisterung hat er an seinen Sohn weitergegeben. Nach dem Besuch einer Ausstellung seien sie auf den Geschmack gekommen. „Da haben wir gedacht: Was die in Spur 0 können, das können wir auch kleiner“, meint er augenzwinkernd.

Seit 2001 bauen die beiden an ihrem Projekt „Modellbahn Diepholz“. Die Idee, den Bahnhof Diepholz umzusetzen, hat sich aus früheren Besuchen bei Verwandten ergeben. „Wir haben die Anlage nach Originalplänen entworfen“, erklärt Junior Christian Winkelmann. Diese hätten sie damals von der Deutschen Bahn erhalten.

Exakt neun Millimeter

Ihr Modell besteht aus mehreren Segmenten, die je 140 mal 80 Zentimeter messen. Es ist in der Größe „Spur N“ gebaut, also einer Gleisspur von exakt neun Millimetern. Das bedeutet, dass alle Teile im Maßstab 1:160 angefertigt sind. Zum Vergleich: Spur-0-Anlagen, wie sie Vater und Sohn seinerzeit begeisterten, sind im Maßstab 1:45 gefertigt.

Wenn die Familie nicht gerade ausstellt, werden Segmente in die Heimanlage eingebaut. „So ist gewährleistet, dass auch in Ausstellungspausen an der Anlage gefahren und gearbeitet werden kann“, erklärt Christian Winkelmann. Zum Einsatz kommen auf der Anlage mit Dampf-, Diesel- und Elektroloks nicht nur Züge verschiedener Epochen, sondern auch Sonderfunktionen wie zum Beispiel Beleuchtungen, Sounds und bewegte Figuren. „Wir haben versucht, den Bahnhof Diepholz annähernd nachzubauen. Dazu gehören natürlich auch vorbildgerecht gealterte Gleise und Weichen“, ergänzt er.

Vier bis fünf Stunden für den Aufbau

Die Aufbauzeit auf Aufstellungen beträgt circa vier bis fünf Stunden. Jeder Zug kann einzeln mit einer Zahlenkombination angesteuert werden. „Natürlich muss man dabei aufpassen, dass keine Unfälle passieren. Aber gerade das macht im Gegensatz zu einer computerüberwachten Steuerung den besonderen Reiz aus“, sagt der Senior und lächelt.

„Ohne meine Familie, die komplett hinter mir steht und mich unterstützt, würde das alles nicht funktionieren“, meint Christian Winkelmann. Es dauere schon seine Zeit und benötige viel Fingerspitzengefühl, Geduld und Ruhe, wenn er eine neue Idee umsetzen möchte. „Da bin ich dann auch mal einige Stunden verschwunden“, erzählt er schmunzelnd. Die Umsetzung filigraner Umbauten brauche sowohl Kenntnisse über Elektronik, handwerkliches Geschick als auch gestalterische Fähigkeiten. „Besonders ärgerlich ist es, wenn dabei Figuren kaputt gehen, an denen man länger gearbeitet hat“, erklärt er. Aber das sei schnell vergessen, sobald eine neue Funktion fertiggestellt ist. In feinster Handarbeit hat er so sogar ein Trampolin mit springenden Kindern entworfen.

Überraschung für Besucher in der Gaststätte Hense

Für die Ausstellung in Baccum haben die Winkelmanns einen Fahrzeugeinsatzplan angefertigt. „Wir möchten den Besuchern möglichst viel Abwechslung bieten“, erklärt der junge Winkelmann. „Gerade ältere Menschen freuen sich immer, wenn sie einen Zug entdecken, den sie aus ihrer Kindheit kennen und in dem sie vielleicht selbst schon einmal mitgefahren sind“, fügt er hinzu. Aber auch Kinder seien immer sehr von den vielen Lichtern, Geräuschen und Bewegungen fasziniert.

„Besonders stolz sind wir darauf, dass jetzt auch Zuschauer einige Sonderfunktionen selbst bedienen können“, meint Winkelmann. Welche das sind, will er aber noch nicht verraten. „Ich kann nur so viel sagen: Neuerdings haben wir auch eine Radarfalle sowie Fotografen mit Blitzlichtern eingebaut.“

Diese können Besucher bei der Ausstellung in der Gaststätte Hense in Baccum am Sonntag von 11 bis 18 Uhr und am Montag von 10 bis 14 Uhr testen.

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