Aus der Zeltstadt an den Dieksee Flüchtlinge zu Gast in der Jugendherberge Lingen

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Die Erlebnispädagogin Melanie Hotovic und der Pädagoge Sahadou Arouna gehören zu den Betreuern der Flüchtlingsfreizeit in der Lingener Jugendherberge. Foto: Wilfried RoggendorfDie Erlebnispädagogin Melanie Hotovic und der Pädagoge Sahadou Arouna gehören zu den Betreuern der Flüchtlingsfreizeit in der Lingener Jugendherberge. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Zwei Wochen lang ist es multikulturell zugegangen in der Lingener Jugendherberge. 35 junge Flüchtlinge, die sonst in Bremen leben, waren in dem Haus am Dieksee zu Gast.

Aus zwölf Nationen sind die 16- und 17-jährigen jungen Männer nach Deutschland geflohen. Eine vorläufige Unterkunft haben sie in nahe des Bremer Werdersees in einer kleinen Zeltstadt gefunden. Während der Flüchtlingsfreizeit hatten sie nun ein festes Dach über dem Kopf. Für ihre Betreuer Lars Bullenkamp und Sahadou Arouna, die mit der Gruppe aus Bremen nach Lingen gekommen sind, sowie die Erlebnispädagogin Melanie Hotovic sind andere Ergebnisse des Aufenthaltes in der Jugendherberge weitaus wichtiger.

Arouna, der selber vor 25 Jahren aus Togo nach Deutschland gekommen ist, betont das Vertrauen, das die Mitglieder der Gruppe über die verschiedenen Nationalitäten hinweg zueinandergefunden hätten. Bullenkamp hebt den geordneten Tagesablauf hervor: „Hier herrschten klarere Strukturen als in Bremen.“ So sei der morgendliche Deutschkurs ab 9 Uhr verbindlich gewesen. „Auch wenn anfangs nicht immer alle pünktlich gekommen sind“, fügt Arouna schmunzelnd hinzu und nennt ein weiteres Beispiel für die „klaren Strukturen“: „Selbst die Küchenfrau im Speisesaal hat ihr System und daran mussten sich die jungen Leute halten.“

Aber auch das gemeinsam mit den Freizeitpädagogen der Lingener Jugendherberge erarbeitete Freizeitprogramm kam nicht zu kurz. Hotovic nennt es „eine bunte Tüte Haribo mit vielen schönen Dingen darin“. Neben Bowling, einem Besuch im Kletterwald, Swingolf und viel Sport sei vor allem das Kanufahren gut angekommen. „Das hat die Teilnehmer so begeistert, dass wir es in der zweiten Woche noch einmal anbieten mussten.“

Dabei seien die jungen Männer in Bremen vor Beginn der Flüchtlingsfreizeit eher skeptisch gewesen. „Wir mussten sie überzeugen, dass sie überhaupt mitkommen. Sie hatten das Gefühl, sie sollten wieder irgendwohin verschoben werden“, erklärt Arouna.

Das bestätigt der aus Guinea stammende 16-jährige Algassimau: „Erst wollte ich nicht mit nach Lingen kommen. Aber ich habe hier eine ganze Menge meiner Probleme einmal vergessen können.“ Er hofft ebenso wie der ein Jahr ältere Somalier Mahad, dass sich nach dem Aufenthalt in Lingen auch die Situation in Bremen bessern wird. Algassimau lobt die Betreuer der Flüchtlingsfreizeit: „Die haben sich gut um uns gekümmert.“

Die Arbeit von Bullenkamp, Arouna und Hotovic hebt auch Herbergsleiterin Anne Schröder-Haberland hervor: „Die Gruppe hat sehr gute Betreuer gehabt.“ Für sie war es die erste Flüchtlingsfreizeit in ihrem Haus. „Das ist eine große Herausforderung und eine andere kulturelle Erfahrung gewesen.“ Teilweise habe ihr Personal wegen der Essgewohnheiten „fast doppelt“ gekocht. „So gab es für die überwiegend afrikanischen Flüchtlinge immer viel Reis als Beilage.“ Von den anderen Gästen sei die Gruppe gut aufgenommen worden. „Das Ganze ist schon recht aufwendig, aber wir würden das wieder anbieten“, lautet das Fazit von Schröder-Haberland.

Zu diesem Ergebnis kommt auch Arouna: „Flüchtlingsfreizeiten sollten weiter angeboten werden. Die Teilnehmer gewinnen Vertrauen und entfalten sich ganz anders in der deutschen Gesellschaft mit ihren Gegebenheiten.“


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