1500 Kilometer in acht Tagen Mit dem Fahrrad von Oslo nach Lingen

Peter Wichmann auf seiner Fahrradtour von Oslo nach Lingen vor dem Osloer Rathaus Foto: privatPeter Wichmann auf seiner Fahrradtour von Oslo nach Lingen vor dem Osloer Rathaus Foto: privat

jleh Lingen. Acht Tage ist der Lingener Peter Wichmann mit dem Fahrrad 1500 Kilometer von Oslo zurück in seine Heimat gefahren. Entspannung pur oder doch einfach nur eine verrückte Aktion?

Oslo, Norwegen - Auch hier ist es Sommer und damit Urlaubszeit. Es ist so üblich, dass dann alle Büros für vier Wochen schließen und den Betrieb einstellen. So auch ein Architekturbüro in Oslo. Dort ist der 23-jährige Peter Wichmann als Praktikant tätig. Wichmann stammt eigentlich aus Lingen, studiert aber Architektur in Darmstadt. Die Sommerpause möchte er nutzen, um Familie und Freunde in der fernen Heimat zu besuchen. Einfach ginge das natürlich mit einem motorisierten Fahrzeug, dem Flugzeug oder anderen uns bekannten üblichen Verkehrsmitteln. Doch Wichmann ist ein spontaner Typ. Etwa zwei Wochen vor seiner Abreise beschließt er, seine Pläne in die Tat umzusetzen und mit dem Fahrrad von Oslo nach Lingen zurück zu radeln. „Meine Familie ist solche verrückten Aktionen schon von mir gewöhnt“, schmunzelt Wichmann.

Bei angenehmen 15 Grad Außentemperatur, beginnt Wichmanns Reise auf dem Drahtesel. Diesen hatte er günstig unter den Kleinanzeigen gefunden. Generell ist der Student sehr sparsam bei seiner Ausrüstung. Ein günstiges Zelt, ein Schlafsack, die nötigste Kleidung und zwei wiederbefüllbare Trinkflaschen. Nichts was während der Fahrt allzu sehr belasten könnte. Doch gleich relativ zu Anfang passiert Wichmann das, von dem er hoffte, es ließe sich vermeiden: Sein Fahrrad hat einen Platten - und das nach provisorischen Flicken nicht nur ein, sondern um die fünf Mal. In einem kleinen Dorf von Oslo, hat Wichmann jedoch Glück. „Es lief zufällig ein Mechaniker mit dem passenden Werkzeug an mir vorbei. Der war in dem Moment mein rettender Engel.“

Mit frisch repariertem Fahrrad steuert Wichmann von Norwegen sein erstes großes Ziel an: die Südküste Dänemarks. „Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, bekommt man die Landschaften viel besser mit, weil natürlich alles viel langsamer an einem vorbei rauscht.“ So würde er beim Vorbeifahren den Duft von Erdbeerfeldern wahrnehmen, der süß in der Luft läge, welcher aber gleich durch den nächsten Duft von Getreide ersetzt würde. Als unerwartet die Hitzewelle kommt, holt sich Wichmann prompt einen starken Sonnenbrand. „Der Sonnenbrand hat mich richtig fertiggemacht. Ich habe mir dann mein T-Shirt quasi als Verschleierung um den Kopf gewickelt“, erzählt er. Zwischenzeitlich hält er immer wieder an Wohnhäusern und fragt, ob er seine Flaschen mit Wasser auffüllen dürfe. „Mir ist aufgefallen, dass die Skandinavier, ganz anders als erwartet, eher reserviert sind.“

Um an seinen nächsten Zielort, die Küste Kopenhagens zu gelangen, muss Wichmann seinem treuen Drahtesel allerdings ausnahmsweise fremdgehen und die Fähre nehmen. In Kopenhagen angekommen, habe er wild gezeltet und sei ins Meer gesprungen. Einem Freund einen Besuch abzustatten kommt Wichmann mehr als gelegen. „Es war das Paradies mal wieder vernünftig zu duschen.“

Nach vier Tagen Aufenthalt geht es auch schon weiter. Die letzten Etappen klingen vertraut: nach Fehmann über Lübeck – Lingen als Zielort schon in Sicht. Trotz vier Tagen Aufenthalt in Kopenhagen, schafft Wichmann es in insgesamt acht Tagen in Lingen anzukommen. Dazu zählt sicherlich eine Menge Durchhaltevermögen, aber das ist nicht das Einzige: „In Norwegen und Dänemark ist es bis circa ein Uhr nachts hell, das heißt, ich konnte recht lange mit dem Fahrrad fahren.“Muskelkater habe Wichmann während des Fahrens nicht gehabt, aber nachdem er angekommen sei, merke er schon, was geleistet hat.

Generell sei es angenehm gewesen so zu fahren wie man möchte. „Aber klar wären etwas Gesellschaft und ein paar Gespräche während der Touren durch die Felder ganz schön gewesen“, meint Wichmann.

Ob er das Ganze wiederholen würde? Abgeneigt äußert er sich jedenfalls nicht. Er sei noch den ganzen August als Praktikant in Oslo tätig. Von dort will er noch einmal eine Tour durch Skandinavien machen „...dann aber mit dem Bulli“, ergänzt der 23-Jährige.

Während seiner gesamten Reise mit dem Fahrrad, nutzte Wichmann übrigens nicht sein Handy als Navigationsgerät, sondern, wie es sich auf solchen Trips gehört, eine übergroße Karte.