Ausbildung hat begonnen Handwerk im Raum Lingen bietet gute Chancen

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Janek Timmers bei der Arbeit an der Säge unter Aufsicht des Meisters Kay Welz Foto: Jessica LehbrinkJanek Timmers bei der Arbeit an der Säge unter Aufsicht des Meisters Kay Welz Foto: Jessica Lehbrink

jleh Lingen. Beginn des Monats August ist auch gleichzeitig Ausbildungsbeginn. Heute ist also Stichtag für viele Schulabgänger. Interessant ist dabei die Entwicklung der handwerklichen Berufe im Emsland, besonders in einer Zeit, in der sich immer mehr Jugendliche für akademische Bildungswege entscheiden.

„Das Klischee, dass Jugendliche sich vor einer Ausbildung im handwerklichen Bereich scheuen ist überholt“, sagt Horst Hagemann, Hauptgeschäftsführung der Bildungsakademie Lingen. „Alleine im letzten Jahr wurden im Handwerk 525 Ausbildungsverträge im Bereich Emsland Mitte-Süd und dem Altkreis Meppen geschlossen.“ Mittlerweile würden deutlich mehr Auszubildende ihre Lehre beenden. Immer noch gefragt sei im Anschluss die Meisterausbildung vonseiten der Lehrlinge. „Die meisten Betriebe unterstützen ihre Gesellen, auch finanziell für den Erwerb des Meisterabschlusses“ erklärt Hagemann.

Immer öfter käme es auch vor, dass Betriebe Auszubildende annähmen, die eigentlich nicht die entsprechende Qualifikation für den ausgewählten Beruf hätten. Bei der derzeitigen gesellschaftlichen Situation und einem abnehmenden Markt an Auszubildenden sei dies jedoch eine Notwendigkeit. Die letzten Zahlen der Agentur für Arbeit Nordhorn, welche auch für den Landkreis Emsland zuständig ist, zeigen einen deutlichen Überschuss – allerdings an Berufsausbildungsstellen. So belaufen sich, die von der Agentur erfassten Ausbildungsstellen auf insgesamt 4917. Die gemeldete Bewerberzahl ist mit 3295 jedoch wesentlich geringer. Somit würden auf jeden Bewerber etwa anderthalb Berufsausbildungsplätze fallen. Das Durchschnittsalter für den Ausbildungsbeginn liegt dabei zwischen 16 und 20 Jahren.

Zu den beliebtesten Berufen der männlichen Bewerber zählen Industriekaufmann, Industriemechaniker und Tischler. Die Bewerberinnen hingegen sehen sich am häufigsten in Berufen wie Verkäuferin, Kauffrau für Büromanagement oder medizinische Fachangestellte, Bereich also, die nicht zum Handwerk zählen.

Für eine handwerkliche Ausbildung hat sich Janek Timmers aus Lohne entschieden. Der 19-Jährige zählt zu den Tischlern, die am Freitag losgesprochen wurden. Auch nach drei Jahren Ausbildung bereut er seine Berufswahl nicht: „Ich mag vor allem das Arbeiten mit Holz. Es ist einfach ein schöner Werkstoff.“ Timmers Vater sei ebenfalls Tischler. Schon früher habe er ihm bei Werkeln geholfen. Zurzeit ist Janek mit dem Bau einer Büroeinrichtung beschäftigt.

„Meine Aufgaben hier im Betrieb sind der Innenausbau, wie eben der Bau von Möbelstücken und der Treppenbau. Wenn ich auf einer Montage bin, habe ich auch direkt mit dem Kunden zu tun. Dabei ist aber immer ein erfahrener Geselle“, erzählt Timmers. Bei Familie und Freunden sei sein handwerkliches Geschick lediglich nur für kleinere Arbeiten gefragt, wie zum Beispiel beim Einbauen einer Zimmertür.

Seine Ausbildung hat Timmers bei der Tischlerei Herbers in Lingen absolviert. „Mein Nachbar hat hier gearbeitet. Über ihn bin ich dann in der Realschule an ein Praktikum gekommen“, berichtet der junge Mann. „Der Beruf ist absolut die richtige Entscheidung gewesen und ich kann es mir gut vorstellen, ihn mein restliches Leben auszuüben.“ Über höhere Qualifikationen hat sich der 19-Jährige allerdings noch keine Gedanken gemacht: „Zunächst habe ich noch nicht geplant, eine Fortbildung zu machen. Aber ich habe die Möglichkeit, später noch den Meister oder Technikerabschluss zu machen.“ Betriebsmeister Kay Welz jedenfalls freut sich über den neuen Gesellenzuwachs: „Ich bin wirklich zufrieden mit Janek. Deshalb haben wir ihn auch direkt als Gesellen übernommen“, so der Meister.

Im neuen Ausbildungsjahr freut sich die Tischlerei Herbers über drei neue Auszubildende, davon auch eine weibliche Teamverstärkung. Sie gesellt sich zu einer weiteren Auszubildenden, die nun ins dritte Lehrjahr einsteigt. „Bei schweren Schränken schauen wir natürlich schon, dass die Jungs helfen. Ansonsten müssen auch die Frauen mit anpacken“,sagt Welz. „Letztendlich ist es Handwerk und bleibt auch Handwerk.“ Dort würden keine Unterschiede gemacht.


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