120 Bürger informierten sich Kritik an Standort für Flüchtlinge in Bramsche

Lingen. „Wir haben nichts gegen Menschen, die aus Krisengebieten der Welt zu uns nach Bramsche kommen, um dem Leid zu entgehen. Aber wir haben etwas gegen diesen Standort an der Rietstraße.“

Das haben am Mittwochabend in der Gaststätte Heskamp in Bramsche einige Anwohner aus diesem Quartier des Lingener Ortsteils erklärt. Rund 120 interessierte Bramscher waren in die Gaststätte gekommen, um von der Stadtverwaltung und dem SKM zu hören, für wie viele Flüchtlinge mobile Wohneinheiten an der Rietstraße geplant seien und wie man gedenke, diese Menschen in die Gesellschaft zu integrieren.

Nach den einführenden Worten von Lingens Erstem Stadtrat Stefan Altmeppen, der noch einmal daran erinnerte, dass die Flüchtlingsaufnahme in Lingen „sehr, sehr gut funktioniere“, aber man auch dafür Sorge tragen müsse, in diesem Jahr noch weitere 300 Menschen aufzunehmen, vertiefte Katrin Möllenkamp als Fachbereichseiterin für Bürgerservice Recht und Ordnung die Situation in Bramsche. „Die Konzepte für modulare Wohneinheiten, die in Lingen an verschiedenen Standorten aufgestellt werden, liegen fertig in der Schublade.“ Keinen Zweifel ließ die Juristin auf Nachfrage zudem daran, dass der Standort „Rietstraße“ feststeht. „Wir haben verschiedene Standorte in Bramsche für eine derartige Nutzung geprüft und sind nach langer Diskussion, auch mit dem Bramscher Ortsbürgermeister Rudolf Holterhues zu der Entscheidung gelangt, dass der Platz an der Rietstraße für 30 Flüchtlinge für uns zurzeit die erste Wahl ist.“

Auf die Frage aus dem Publikum, warum der Standort nicht vorher öffentlich diskutiert worden sei, erklärte Möllenkamp sinngemäß, dass man dann nie zu einer Entscheidung kommen würde. „Wir erleben das bei jeder Veranstaltung aufs Neue. Alle sind dafür, die Flüchtlinge willkommen zu heißen, aber keiner möchte sie vor der eigenen Haustür beherbergt wissen.“ Die Stadt Lingen stehe rechtlich und moralisch in der Pflicht, den Menschen, die meist durch ein langes Leiden alles verloren haben, zu helfen – und zwar ohne Wenn und Aber.

Ferner machten einige Einwohner darauf aufmerksam, dass schon in den 1990er-Jahren dort eine Flüchtlingsunterkunft gestanden habe und der SKM, der auch schon damals mit der Betreuung dieser Menschen beauftragt gewesen wäre, dort „nichts getan“ habe.

Diesen Vorwurf wollte Hermann-Josef Schmeinck als Geschäftsführer des SKM nicht auf seinem Haus sitzen lassen, sondern wies diesen als „unverschämt“ zurück.

An die Seite derjenigen, die sich für die Flüchtlinge an besagtem Standort aussprachen, sprang Emslanddechant Thomas Burke: „Ich bin mir sicher, dass es uns in Bramsche gelingen wird, 30 Menschen aufzunehmen und mit ihnen zu leben.“


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