Debatte im Ausschuss Zirkus-Wildtiere auf Lingener Flächen nicht erlauben

Wilde Tiere wie zum Beispiel Großkatzen sollen in Lingen keinen Platz mehr finden. Foto: dpaWilde Tiere wie zum Beispiel Großkatzen sollen in Lingen keinen Platz mehr finden. Foto: dpa

Lingen. Mit dem Antrag, Zirkus- und Schaustellerbetrieben die Wildtiere mitführen, keine städtischen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen, hat die Liberale Fraktion im Rat der Stadt Lingen bei der Verwaltung offene Türen eingerannt.

Und nicht nur bei der Verwaltung. Auch alle anderen Parteien im Rat der Stadt sprachen sich für den Antrag der Liberalen aus. Na ja, vielleicht nicht so ganz. Für die Bürgernahen (BN) erklärte deren Vorsitzender Robert Koop, dass der Antrag einfach als „populistisch“ zu werten sei. „Wir sollten an dieser Stelle und zu dieser Zeit lieber diskutieren, wie es dazu kommen konnte, dass erst gerade eben 17000 Hähnchen in Brögbern verbrennen konnten und uns fragen, ob dieses Feuer eventuell auch durch eine nur unzureichende Bauordnung zustande gekommen sein könnte?“

Bevor es aber in die Diskussion zu Sache ging, erläuterte Fraktionschef Jens Beeck, dass Wildtiere sehr hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung stellten. Beeck: „In einem Zirkusunternehmen ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich.“

Unter anderem litten die Wildtiere, dazu zählten etwa Menschenaffen, Tümmler, Delfine, Greifvögel, Flamingos, Pinguine, Nashörner, Wölfe, Alligatoren, Krokodile, Antipopen und antilopenartige Tiere, Amphibien, Bären, Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Riesenschlangen, Robben und robbenartige Tiere, Großkatzen, Lamas, Vikunjas und Straußenvögel massiv darunter, dass sie die überwiegende Zeit in kleinen Käfigen oder unzureichenden Gehegen untergebracht seien. Zudem sei eine tierärztliche Kontrolle oft mangelhaft, da es bundesweit nur wenige spezialisierte Tierärzte für Wildtiere gäbe.

Nationale Verbote

Beeck: „Die Mehrzahl der europäischen Staaten haben nationale Verbote erlassen, sodass es jetzt die Gefahr einer Verdrängung nach Deutschland geben könnte.“ Vor dem Hintergrund, dass es einheitliche bundesweite Schutzregelungen nicht gebe, müsse der Tierschutz durch kommunale Beschlüsse geregelt werden.

„Selbstverständlich unterstützen wir ausdrücklich diesen Antrag“, erklärte Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone. Allerdings verwies der Verwaltungschef im gleichen Atemzug darauf, dass ein solches Verbot auch auf einem juristisch stabilen Fundament stehen müsse. Deshalb solle der Antrag zunächst in dem zuständigen Fachausschuss, der Wirtschafts- und Grundstückausschuss, beraten werden.

„Natürlich kann niemand gegen einen solchen Empörungsantrag, wie ihn die Liberalen gestellt haben, etwas haben“, betonte Koop. „Aber ist das schon alles?“, wollte der Lingener Ratsherr wissen. Was sei mit dem Falkner, der seine Greife zur Jagd führe und ausstelle, Schlangen und Spinnen, die in Schulen ausgestellt würden, und Kaninchen, die in Käfigen gehalten würden. „Auch darüber ist zu sprechen“, mahnte Koop.


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