Aktion von Pfarreiengemeinschaft Fast 200 Räder für Flüchtlinge in Lingen gesammelt

Hilfe, die ankommt und Menschen hilft, anzukommen. Links im Bild Diakon Christian Eilers mit Flüchtlingen und Anne Lütjohann vom SKM Lingen (fünfte von links). Foto: Christian EilersHilfe, die ankommt und Menschen hilft, anzukommen. Links im Bild Diakon Christian Eilers mit Flüchtlingen und Anne Lütjohann vom SKM Lingen (fünfte von links). Foto: Christian Eilers

Lingen. Ende April hat die Projektgruppe „Flüchtlinge – Heimat geben“ der Pfarreiengemeinschaft St. Marien Biene/Maria Königin zur Abgabe von „Fahrrädern für Menschen in Not“ – so auch der Name der Aktion – aufgefordert. Mittlerweile sind fast 200 Räder zusammen gekommen, 70 haben schon einen neuen Besitzer.

An jenem Sonnabend im April konnten die Zweiradspenden vormittags zum Gemeinschaftshaus in Biene und nachmittags zum Pfarrzentrum Maria Königin gebracht werden . „Wie viele Fahrräder bekommen wir wohl zusammen?“, hatte sich die Projektgruppe, bestehend aus Jette Seifert, Johannes Kröger und Bernward Rusche, vor Beginn gefragt. „Wenn wir weniger als 40 Räder zusammenbekommen, gebe ich einen aus. Wenn wir mehr als 100 bekommen, erst recht!“, erinnert sich Christian Eilers, ebenfalls Mitglied der Gruppe, an seine damaligen Worte.

192 Fahrräder sind nach nunmehr gut zehn Wochen gespendet worden. „Die Spenden und auch die praktische Mithilfe, die an dem Tag und in der Zeit seitdem von Menschen aus ganz Lingen und Umgebung angeboten werden, sind enorm“, freut sich Alfons Kuhrs, der sich inzwischen ebenfalls der Projektgruppe angeschlossen hat. Kuhrs ist 79 Jahre alt und verfügt aus seiner beruflichen Tätigkeit über reiche Erfahrung mit unterschiedlichen Kulturen. Er hat viel Zeit im Ausland verbracht, beispielsweise in Südindien oder auch auf Java. „Ich habe erlebt, dass Menschen, die arbeiten und Geld für ihre Familien verdienen können, ganz anders auftreten, als wenn sie keine Arbeit haben“, plädiert der engagierte Pensionär für eine Teilhabe aller Bürger an der Gesellschaft.

Am Aktionstag hatten viele Spender nicht nur ein Rad abgegeben, sondern auch persönliche Begründungen oder positives Feedback geäußert. „Ich bekomme seitdem häufig Anrufe von Menschen, die Möbel, Geschirr und anderen Hausrat spenden möchten. Ich verweise dann an Reholand, skf-fashion und ähnliche Institutionen“, berichtet Eilers.

Zum einen könne die Kirchengemeinde dies alles logistisch nicht mehr stemmen, zum anderen aber – und das ist dem Diakon sehr wichtig – sei die enge Kooperation mit den entsprechenden Sozialeinrichtungen unabdingbar. „Mit der Rückbindung an den SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste) in Lingen sind wir bislang gut gefahren.“ Er empfehle dies auch jedem, der sich für Flüchtlinge in Lingen engagieren wolle.

„Ich denke, dass wir mit dieser Aktion schon vielen Menschen – ob groß, ob klein – eine Freude machen konnten. Vielen erleichtert es den Lebensalltag, zum Beispiel beim Einkauf, Arztbesuchen, Schulbesuchen etc.“, gibt Anne Lütjohann, Diplom-Sozialarbeiterin beim SKM, Rückmeldung. Die Fahrradzuteilung erfolge ebenfalls über den SKM; die Ausgabe findet mittwochs auf einem Gelände des Bauhofs statt – nicht gerade ideal, wie Rusche meint. Ein zentral gelegener Ort wäre geeigneter. „Wir sind froh, dass wir die Räder dort lagern können, wären aber dankbar, wenn jemand einen zentraleren Ort anbieten würde“, so ist sein Wunsch.

Rund 70 Fahrräder sind schon verteilt worden. Die Reparatur haben sich die Fahrradwerkstätten der Gesamtschule Emsland und der Marienschule Lingen zur Aufgabe gemacht. „An dieser Stelle ein ganz herzlicher Dank den Schülern für ihre Arbeit!“, betont Eilers. Die Projektgruppe denkt nach der ersten Aktion, der Sammlung von Schulmaterial , und der Fahrradsammlung, die für Menschen in Not durchgeführt worden sind, über Aktionen mit den Asylsuchenden nach. „Wir könnten uns Begegnungsnachmittage mit spielen, kochen, erzählen vorstellen, um Kontakte untereinander zu knüpfen“, überlegt Rusche. Bis dahin dürfte das 200. Fahrrad wohl gespendet worden sein. Und Diakon Eilers muss nicht nur einen, sondern gleich zwei ausgeben.


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