Ein Betreuer für 80 Flüchtlinge Infos zu Mobilunterkunft an Wilhelm-Berning-Straße

Von Carsten van Bevern

An der Wilhelm-Berning-Straße in Lingen soll im Garten des bereits für Flüchtlinge genutzten Hauses (Foto oben) eine mobile Wohnunterkunft (linke Grafik) für Flüchtlinge aufgestellt werden.

            

              Foto: Carsten van Bevern/Grafik: Stadt LingenAn der Wilhelm-Berning-Straße in Lingen soll im Garten des bereits für Flüchtlinge genutzten Hauses (Foto oben) eine mobile Wohnunterkunft (linke Grafik) für Flüchtlinge aufgestellt werden. Foto: Carsten van Bevern/Grafik: Stadt Lingen

Lingen. Ohne ehrenamtliche Hilfe wird die Integration der in den kommenden Wochen und Monaten in Lingen erwarteten Flüchtlinge kaum funktionieren. Das ist am Donnerstagabend im Rathaus auf der Informationsveranstaltung der Verwaltung und des Vereins für soziale Dienste in Lingen (SKM) zum an der Wilhelm-Berning-Straße geplanten mobilen Wohnheim für bis zu zwölf Flüchtlinge deutlich geworden.

Auch wenn nur 20 interessierte Bürger an diesem Abend bei hochsommerlichen Temperaturen in den Ratssitzungssaal gekommen sind, wird engagiert mit den Vertretern der Stadt und des SKM diskutiert. Es gibt keinerlei Kritik an den mobilen Unterkünften. Ohne die nach Aussage der Fachbereichsleiterin für Bürgerservice, Recht und Ordnung, Katrin Möllenkamp, eine Unterbringung der Flüchtlinge vor dem Hintergrund weiter ansteigender Zahlen „schon bald nicht mehr möglich sein würde.“ Vielmehr fragen die Bürger nach, wie denn die Betreuung der teilweise traumatisierten Flüchtlinge vor dem Hintergrund eines Betreuungsverhältnisses von 1:80 geleistet werden kann.

„Wir müssen es mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln einfach versuchen“, erklärte SKM-Geschäftsführer Hermann-Josef Schmeinck mit seiner über 30-jährigen Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit in der Stadt Lingen. Wobei er dankbar ist für jede Hilfe aus den Nachbarschaften der Unterkünfte, aus Vereinen oder einfach von engagierten Bürgern. „Und es gibt viele Lingener Bürger, die sich im Kleinen und ohne, dass es in der Öffentlichkeit groß wahrgenommen wird, engagieren. Da sind wirklich viele Menschen, die bei den Hausaufgaben helfen , Sprachunterricht erteilen oder einfach Kontakt suchen“, lobt der schon lange in Lingen lebende Ibrahim Hassan das Verhalten vieler Lingener.

„Das sind ganz tolle junge Leute bei uns. Wir müssen aber mehr für einen strukturierten Tagesablauf und die sprachliche, schulische und auch berufliche Integration der zumeist jungen Menschen tun“, berichtet eine Anwohnerin aus der Wilhelm-Berning-Straße über die bereits im früheren Forstamt und später von der Polizei genutzten Gebäude lebenden 20 Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien. „Wir müssen hier mit der Integration im Kleinen anfangen und sollten nicht auf die große Politik warten“, ergänzt ein weiterer Anwohner.

Im großen Garten dieses in direkter Nachbarschaft zur Polizeiinspektion gelegenen Gebäudes soll noch in diesem Jahr eine kleine mobile Unterkunft für zwölf weitere Flüchtlinge errichtet werden. So rechnet die Stadt in diesem Jahr insgesamt noch mit dem Zuzug von 300 Flüchtlingen. Über 424 Plätze in 28 städtischen und 45 angemieteten Wohnungen und Häuser verfügt die Stadt derzeit. „Aktuell sind 395 dieser Plätze belegt, auf dem freien Wohnungsmarkt kann der Bedarf also bereits in Kürze nicht mehr gedeckt werden“, erklärten Möllenkamp und Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen.

Froh war Schmeinck, dass zum neuen Schuljahr in Lingen drei Sprachlernklassen für je bis zu 15 Schüler eingerichtet werden. Mangel gebe es aber, „wie für deutsche Betroffene auch“ bei Traumata-Behandlungen bei Psychotherapeuten und im Bereich der beruflichen Qualifikation: „Da schwebt mir aber eine Idee vor, die wir aber noch mit der Agentur für Arbeit besprechen müssen.“