Interview mit Verwaltung und SKM Flüchtlinge in Lingen: Große Hilfsbereitschaft bei Bürgern

Interviewpartner unserer Zeitung: (von links) Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer des SKM, Erster Stadtrat Stefan Altmeppen, Oberbürgermeister Dieter Krone, Günter Schnieders, Leiter des Fachbereiches Jugend, Arbeit und Soziales und Katrin Möllenkamp, Leiterin des Fachbereiches Bürgerservice, Recht und Ordnung. Foto: Thomas PertzInterviewpartner unserer Zeitung: (von links) Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer des SKM, Erster Stadtrat Stefan Altmeppen, Oberbürgermeister Dieter Krone, Günter Schnieders, Leiter des Fachbereiches Jugend, Arbeit und Soziales und Katrin Möllenkamp, Leiterin des Fachbereiches Bürgerservice, Recht und Ordnung. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Welche Fragen, Herausforderungen, aber auch Chancen sind mit der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen in Lingen verbunden? Dazu äußern sich Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone, Erster Stadtrat Stefan Altmeppen, SKM-Geschäftsführer Hermann-Josef Schmeinck und die Fachbereichsleiter Günter Schnieders und Katrin Möllenkamp im Interview mit unserer Redaktion.

Die Stadtverwaltung wird im Juli in verschiedenen Veranstaltungen darüber informieren, wie und an welchen Standorten sie sich zunächst die Unterbringung von Flüchtlingen in Lingen vorstellt. Wie läuft das Verfahren im Rathaus bei der Standortsuche?

Krone: Uns ist eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge sehr wichtig. Das heißt, alle Stadt- und Ortsteile werden bei der Standortsuche gleichermaßen berücksichtigt. Dabei prüfen wir zunächst, ob städtische Grundstücke zur Verfügung stehen. Bei der Standortwahl sind aber auch Kriterien, wie z.B. die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV oder der Zustand der Fläche, entscheidend. Die Ergebnisse werden schließlich in den Stadt- und Ortsteilen beraten und den Anwohnern in Informationsveranstaltungen vorgestellt.

Gibt es bereits Festlegungen bei Standorten?

Altmeppen: Ja, einige Standorte stehen bereits fest. Konkret handelt es sich um die Standorte Am Waldstadion in Darme, Schwarzer Weg/ Waldstraße in Heukampstannen, um die Wilhelm-Berning-Straße in der Innenstadt sowie um den Pöttkerdiek in Schepsdorf. Darüber hinaus prüfen wir derzeit weitere Flächen. An den jeweiligen Standorten werden unterschiedlich große modulare Wohneinheiten für bis zu 30 Personen errichtet. Die Betreuung der Flüchtlinge vor Ort erfolgt später durch den SKM.

Bleibt es bei der Aussage, dass angesichts der in den kommenden Monaten zu erwartenden Flüchtlingszahlen modulare Wohneinheiten in allen Ortsteilen errichtet werden?

Krone: Ohne die Errichtung modularer Wohneinheiten als zusätzliche Wohnform wird es nicht gehen. Die Kapazitäten auf dem Wohnungsmarkt sind in Lingen aufgrund der hohen Wohnattraktivität und des Hochschulstandortes sehr begrenzt. Somit steht uns nur wenig freier Wohnraum für die Anmietung oder den Kauf zur Verfügung. In Lingen haben wir aktuell bereits 659 Flüchtlinge aufgenommen, davon 171 im ersten Halbjahr 2015. Da wir davon ausgehen, dass wir im Laufe des Jahres voraussichtlich weitere 300 Flüchtlinge aufnehmen müssen, werden wir definitiv weitere Standorte in allen Stadt- und Ortsteilen suchen und in Betrieb nehmen.

Wie hat man sich diese modularen Einheiten vorzustellen?

Möllenkamp: Es handelt sich dabei um Fertigbauten in Leichtbauweise. Die Unterkünfte sind von außen verputzt und mit Holzfassadenelementen versehen. Die größten Einheiten bieten Platz für 30 Personen. Dabei teilen sich jeweils zwei Personen einen Schlaf- und Wohnraum. Sanitärräume und Küchen stehen zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung. Die größeren Einheiten bieten zudem einen Gemeinschaftsraum.

Wird es, wie schon in den 90er-Jahren, Möglichkeiten geben für die Anlieger, sich diese Unterkünfte einmal anzuschauen, bevor der Einzug beginnt?

Möllenkamp: Auf jeden Fall soll es vor dem Bezug der neuen Wohneinheiten im Herbst einen „Tag der offenen Tür“ für alle Interessierten geben. Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben.

Welche Möglichkeiten der Unterbringung hat die Verwaltung?

Schnieders: Wir halten für Einzelpersonen und Familien Wohnraum in unterschiedlichen Größen vor. Die Wohnungen und Häuser sind teils angemietet, teils durch uns erworben worden. Aufgrund des immer knapper werdenden Angebotes auf dem Wohnungsmarkt stoßen wir allerdings an unsere Grenzen. Vor Kurzem haben wir daher sogar ein ehemaliges Hotel gekauft, um dort weitere 30 Flüchtlinge unterbringen zu können. Dieses Objekt wird nun umgebaut und soll schnellstmöglich bezugsfertig sein.

Der SKM engagiert sich wie schon in den 90er-Jahren aktiv bei der Betreuung der zum Teil schwer traumatisierten Menschen. Welche Eindrücke haben Sie bislang aus den Gesprächen mit den Flüchtlingen und Anwohnern mitgenommen?

Schmeinck: Die Flüchtlinge möchten einfach erst einmal zur Ruhe kommen. Der SKM unterstützt die Neuankömmlinge vor allem in der Ankunftsphase dabei, sich in der neuen, ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. An allererster Stelle steht für die Flüchtlinge die Unterkunft, ein Dach über dem Kopf. In Lingen gibt es eine große Unterstützung und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Das stellen wir besonders bei den Nachbarn der bisherigen Unterkünfte fest. Wir hoffen, dass auch die Menschen in den neuen Unterkünften willkommen geheißen werden. Das ist die Grundvoraussetzung für ein gemeinschaftliches Miteinander.

Wird die Frage der Unterbringung von Flüchtlingen in Lingen und anderswo zu sehr unter Kostengesichtspunkten diskutiert?

Krone: Ja und nein. Zum einen ist es uns bisher dank des unermüdlichen Einsatzes der verantwortlichen Mitarbeiter gelungen, Wohnungen und Gebäude zu ortsüblichen Preisen anzumieten oder zu kaufen. Zum anderen stehen wir nun kurz davor, die ersten modularen Wohneinheiten zu errichten. Zu diesen Kosten kommen weitere Kosten für eine zwingend erforderliche Betreuung der Flüchtlinge. Beide Aspekte – Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge – sind untrennbar miteinander verbunden und nicht zum Nulltarif zu bekommen.

Es ist davon auszugehen, dass viele Asylverfahren positiv entschieden werden. Stellt dies neben der humanitären Aufgabe auf lange Sicht nicht eine große Chance für eine Stadt wie Lingen und ihre mittelständische Struktur dar?

Krone: Die humanitäre Aufgabe wurde in den 90er-Jahren schon einmal gemeistert. Auch damals war die Aufnahme einer großen Zahl von Flüchtlingen zu bewältigen. Aktuell werden in der Tat viele Asylverfahren positiv entschieden. Dies birgt für die Region und die Stadt Lingen durchaus Chancen. Wir haben eine große Zahl von Maßnahmen für eine frühzeitige und erfolgreiche Integration ins Leben gerufen. Hierdurch wird zum einen gesellschaftlichen Problemen vorgebeugt, zum anderen wird angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels die Möglichkeit eröffnet, qualifizierte Arbeitskräfte vor allem für unsere mittelständischen Unternehmen zu gewinnen. Denn anders als noch in der Vergangenheit, dürfen Flüchtlinge heutzutage bereits nach drei Monaten einer Arbeit nachgehen.


Infoveranstaltungen im Juli

In den kommenden Wochen finden laut Stadtverwaltung zunächst folgende Informationsveranstaltungen zur Unterbringung von Flüchtlingen in Lingen statt:

Am Mittwoch, 1. Juli, um 19 Uhr im Bürgerzentrum in Heukampstannen zum Standort Schwarzer Weg/ Waldstraße

Am Donnerstag, 2. Juli, um 20 Uhr in Raum P10 des Neuen Rathauses zum Standort Wilhelm-Berning-Straße.

Am Montag, 6. Juli, um 20 Uhr im Heimathaus Schepsdorf zum Standort Pöttkerdiek.

Am Dienstag, 14. Juli, um 19 Uhr im Heimathaus in Darme zum Standort Am Waldstadion.

Weitere Termine werden in Kürze bekannt gegeben.

Bei den Informationsveranstaltungen werden die Standorte, die Größe und Bauweise der modularen Wohneinheiten sowie die vorgesehene Betreuung der künftigen Bewohner vorgestellt.

Dazu lädt die Stadtverwaltung alle Nachbarn der einzelnen Standorte sowie Interessierte herzlich ein.

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