Text, Tanz und Musik „Hallo Opa – liebe Miriam“ im Kulturforum Lingen

Von Meike Blunk


Lingen. Drei Künstler haben im Kulturforum Sankt Michael Ausschnitte des Romans „Hallo Opa – liebe Miriam“ von Peter Härtling auf eine besonders sinnlich-ästhetische Weise zu einem intensiven Bühnenerlebnis werden lassen, in dem Tanz, Klaviermusik und der gelesene Text miteinander korrespondierten.

Härtling erzählt in seiner Geschichte über die innige Beziehung zwischen der 14- jährigen Miriam, und ihrem 80- jährigen Opa. Die beiden schreiben sich in ehrlicher und manchmal auch schonungsloser Weise E-Mails, in denen sie sich gegenseitig von ihren Alltagserlebnissen erzählen. Diese könnten nicht unterschiedlicher sein, und dennoch bringen sie sehr viel Verständnis, Liebe und Toleranz für den jeweils anderen auf. Die Enkelin vertraut ihrem Opa die Dinge an, die sie ihren Eltern nicht erzählen möchte, wie Schulnöte, von vermeintlichen Facebook-Freunden, die sie gemobbt haben, den Schulwechsel und dass ihre Mutter sich ständig Sorgen mache.

Und der Opa erzählt, dass das Mobbing in der Zeit, als er Jugendlicher war, „Fertigmachen“ genannt wurde und dass er sich damals nicht unterordnen lassen wollte. Er erzählt von seinen damaligen Seelenhelfern, zu denen auch Bücher gehörten, und dass er in der Zeit mit dem Schreiben begonnen habe.

Der Schauspieler Uwe Neumann las den Text, die einzelnen Mails sehr facettenreich, mit einer warmen, lebendigen wie auch verspielten Klangfarbe. Darüber hinaus erzählte er, dass Härtling seinen Roman „Unterhaltung zwischen den Generationen“ nennt und dass es Parallelen zu Härtlings eigener Enkelin und ihm gebe. Eigenes Erleben und seine Fantasie haben sich aufeinander eingelassen und diesen Roman hervorgebracht.

Vielfältige Gefühle

Zwischen den gelesenen Passagen spielte Christoph Soldan am Flügel stimmungsreiche und wundervoll akzentuierte Stücke. Damit bot Soldan der Tänzerin Stefanie Goes einen exzellenten und variationsreichen Klangteppich, auf dem sie sich in eigens kreierten feinsinnigen Choreografien auf der großen Bühne des Kulturforums ausbreiten konnte. Goes verstand es, sich auf ganz ausdrucksstarke Weise ganz und gar auf den Text wie auf die Musik einzulassen und mit ihnen zu verschmelzen sowie in einen einzigartigen Dialog mit ihnen zu gehen.

Die Neugierde Miriams, ihre Lebensbejahung und die uneingeschränkte Liebe zu ihrem Opa drückte Goes mit einem mannigfaltigen Repertoire von Modern-Dance- Kreationen aus. Goes durchlebte den Text auf eine sehr sinnliche Weise. Sie wurde zum ausdrucksstarken Resonanzkörper der sensibel gespielten Klaviermusik. Sichtbar wurden die vielfältigen Gefühle der Miriam, die auf der Suche nach ihrem Ich, in der Begegnung mit ihrem Opa, in eine intensive Auseinandersetzung geht und die den Schmerz über den Verlust des Opas auf ihre Weise zu bewältigen versteht. Dem Kulturforum sei Dank für dieses erstklassige Kulturprogramm, zu dem leider viel mehr Besucher hätten kommen müssen.