Projekt „KunterBund“ ABC gibt Kindern in Lingen eine Chance auf Kultur

Von Eva-Maria Riedel


Lingen. Womit beschäftigen sich Väter und Mütter in ihrer Freizeit? Die einen treiben Sport, die anderen verbringen viel Zeit vor dem Computer. Die Palette der Möglichkeiten ist groß. Auch wenn der Nachwuchs den Eltern nacheifern möchte, so steckt doch Verborgenes in ihm. Und das möchte Arts by Children (ABC) nicht nur in Erfahrung bringen, sondern unbedingt fördern. Erstmalig bietet der Verein Kindern eine Chance, sich näher mit der Kultur auseinanderzusetzen.

„KunterBund“ heißt das lokal verortete Jahresprojekt, das noch bis Dezember 2015 läuft und dessen Kosten von ABC getragen werden. Gefördert wird es zudem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bund Deutscher Amateur-theater, „Es wird mit einem farbenreichen Musical sein Ende finden“, berichtet die Projektleiterin Christel Grunewaldt-Rohde. „Wir haben seinerzeit Kinder angesprochen, die bisher kaum an kulturellen Projekten mitgewirkt haben.“ Die Resonanz sei sehr erfreulich gewesen, denn ganz spontan hätten sich 30 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren verschiedener Nationalitäten gemeldet.

„Die meisten von ihnen verbringen ihre Freizeit im Lingener Kindertreff, im Alten Schlachthof, der direkt in der Nachbarschaft zu unserer Wirkungsstätte der Paul-Gerhardt-Schule steht, in der sich sowohl ABC als auch das Emsländische Musikensemble befinden. Lediglich das Kunstatelier ist am Alten Hafen ansässig“, berichtet Grunewaldt-Rohde.

Obgleich den Kindern kulturelle Bildungsbereiche fremd waren, zeigten sie doch viel Neugier und reges Interesse. Nach einer Einführungsphase suchten sie sich in freier Wahl ihren Workshop wie Theater, Bildende Kunst oder Musik aus.

Mit fachübergreifenden Elementen wird hier nun der Weg zu gemeinsam Gestalteten führen, dessen Ziel ein Musical ist, war zu erfahren. Es wird vom Regenbogen erzählen, der über das Land Kunterbunt strahlt. Doch dieser verblasst, weil die Untertanen des Königs – es sind die verschiedenen Farben – in Streit geraten, weil sich jeder zu wichtig nimmt. Auch der König muss seine Fehler erkennen und nach Lösungen suchen, um wieder Frieden unter seinen Untertanen herzustellen. Davon erzählt Doris Schweizer, Workshopleiterin Theater. Die Geschichte sei geprägt durch Farben, Emotionen und auch Stimmungen.

„Nichts kann falsch gemacht werden, jeder darf sich einbringen. Impulse der Spieler werden ernst genommen und ausprobiert und bei Eignung in das Stück integriert“, betont Doris Schweizer. Das Stück sei entwicklungsfähig, es könne mit den Wünschen und Vorschlägen der Kinder weiterentwickelt werden.

Lulzim Bucaliu vom Emsländischen Kammermusikensemble ist hocherfreut über die Begeisterung „seiner“ Kinder. „Da wird zum Beispiel das Schlagzeug so richtig hergenommen“, lacht er, „und wir sind dabei, wir erleben, wie sich ein Junge selbst entdeckt und das am Schlagzeug.“ Das bestätige doch den Sinn und Zweck dieses Projektes auf ganzer Linie, freut er sich. Die Instrumente würden den Kindern dieser Gruppe im Kindertreff zur Verfügung stehen, wo sie auch mal außerhalb des Workshops üben könnten.

Im Atelier am Alten Hafen, das ein behagliches Ambiente ausstrahlt, kämpfen besonders die Jungs mit dem Kleister. Das mögen sie nicht so gerne, sich die Hände schmutzig machen. Aber es muss sein, und dann packen die Jungen und Mädchen fleißig zu. Jeder Besenstiel wird vorbehandelt, später werden sie mit bunten Steine beklebt. „Das muss ordentlich gemacht werden“, sagt Joke Ruhle mit viel Ruhe. „Schließlich spielen die bunten Stäbe später eine wichtige Rolle in dem Musical.“

„Seit Februar sind die Kinder nun tapfer dabei, und Stück für Stück nähern wir uns in spielerischen Etappen dem gemeinsamen Auftritt“, freut sich Christel Grunewaldt-Rohde. Sternenförmig werden die Workshop-Ergebnisse sich zusammenfügen und auf diese Weise den Jungen und Mädchen ein Gefühl geben, in ihren einzelnen Gruppenarbeiten zu einem großen Ganzen beigetragen zu haben.

Ein wichtiges Erlebnis, das sie vielleicht zu neuen Wegen motivieren könnte. Das erhoffen sich die Projektleiter, die engagiert dabei sind und auch die Begeisterung mit den Kindern teilen.