Wenn der Führerschein entzogen ist Von wegen „Idiotentest“: Die MPU kann teuer werden

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Lingen. „Idiotentest“ heißt die „Medizinisch-Psychologische Untersuchung“ (MPU) im Volksmund. Da schwingt so ein bisschen mit: Eigentlich müsste doch jeder „Idiot“ diesen Test bestehen und seinen Führerschein wiederbekommen. Wer heute so denkt, liegt grundsätzlich daneben: Mit schönfärberischen Worten wie: „Herr Gutachter, ich trink auch nie wieder, wenn ich mich hinters Steuer setze“, ist es nämlich bei der MPU nicht getan.

Der Ursprung der MPU reicht, wie Verkehrspsychologin Silke Oldershaw von der Fachambulanz Sucht des Diakonischen Werkes Emsland Bentheim berichtet, bis in die frühen 50er Jahre des vergangen Jahrhunderts zurück. Seinerzeit kamen viele Soldaten, teilweise schwer versehrt, aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und litten unter körperlichen und geistigen Einschränkungen. Dennoch benötigten diese die Fahrerlaubnis. Um hier zwischen „geeignet“ und „ungeeignet“ unterscheiden zu können, brauchte es eine Regelung. Mitte der 60er- bis in die 70er Jahre musste ebenfalls zur MPU, wer drei Mal die theoretische Fahrerlaubnisprüfung nicht bestanden hatte. Die MPU als „Idiotentest“ zu bezeichnen, findet in dieser Regelung ihren Ursprung.

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung beurteilt die Fahreignung des Antragstellers. Der Begriff „Fahreignung“ umfasst die körperliche Eignung, die geistige Eignung (zum Beispiel Reaktionsfähigkeit) und Merkmale wie die persönliche Zuverlässigkeit.

Verkehrspsychologin Silke Oldershaw berät Menschen, denen die Fahrerlaubnis entzogen worden ist und nun zur MPU müssen. „Es geht so ein Gerücht um, dass beim ersten Mal jeder durchfällt“, berichtet sie von solchen Untersuchungen. Das sei falsch. „Richtig ist, dass die Durchfallquote dann hoch ist, wenn man nicht vorbereitet ist“.

Die Logik, die hinter der MPU stecke, ist den Worten der 48-jährigen Georgsmarienhütterin zufolge diese: „Es geht nicht einfach nur darum, dass der Gutachter hört: ‚Ich habe aus meinem Fehler gelernt‘. Der Gutachter wolle die Gründe für den Fehler hören und wie der Betroffene das geändert hat.

Die Ursachen dafür, warum jemand zu tief ins Glas geschaut oder andere Suchtmittel eingenommen hat, die ein Autofahren auf dem Fahrersitz verbieten, sind ihren Worten zufolge vielschichtig. Es gebe keine vorgefertigten Antworten, die man auswendig lernen könne, betont Oldershaw. Ein teurer Irrtum mitunter, denn wer die MPU nicht besteht, muss nicht nur weiter auf seinen Führerschein warten, sondern ist auch schnell 350 Euro und mehr an Gebühren los.

Das Alter derer, die zu ihr in die Beratung im Emsland kommen, liegt zwischen 16 und 80 Jahren. Die beiden stärksten Altersgruppen sind nach ihren Angaben die um die 20- und 40-Jährigen, die meisten männlich.

Nach einem Erstgespräch folgen weitere Termine, Gruppen- und Einzelarbeit. Der zeitliche Aufwand sei unterschiedlich, berichtet die Psychologin. Am Ende der Beratungsgespräche soll ihren Worten zufolge beim Betroffenen eine Erkenntnis stehen. „Für den Gutachter geht es um Nachvollziehbarkeit“, unterstreicht Oldershaw.


Zur Sache: Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung

Wann wird eine MPU angeordnet?

•8 Punkte wurden im Verkehrszentralregister in Flensburg „gut“ geschrieben

•mehrfache Auffälligkeit mit Alkohol am Steuer

•über 1,6 Promille am Steuer eines Fahrzeuges (auch ein Fahrrad ist ein Fahrzeug!)

•ein Mix aus Punkten und Alkohol

•Fahren unter Betäubungsmittel Einfluss

•bei bestimmten Straftaten

•bei Fehlverhalten innerhalb der Probezeit bei Führerscheinneulingen

Wer führt eine MPU durch?

Eine amtlich anerkannte Begutachterstelle für Fahreignung, kurz BFF. Im Emsland gibt es keine, wohl aber zum Beispiel in Osnabrück.

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