ZDF setzt Martin Feye ein Champions League Finale mit Lingener Kommentator

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Martin Feye kommentiert seit Jahren die Dortmunder Heimspiele für Blinde und Sehbehinderte im Stadion. Archivfoto: Wilfried RoggendorfMartin Feye kommentiert seit Jahren die Dortmunder Heimspiele für Blinde und Sehbehinderte im Stadion. Archivfoto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Wenn am Samstagabend Juventus Turin und der FC Barcelona in Berlin nach der Krone im europäischen Vereinsfußball greifen, wird in der Fernsehübertragung auch die Stimme des in Lingen aufgewachsenen Martin Feye zu hören sein.

Wem der Stil des umstrittenen ZDF-Sportreporters Béla Réthy nicht passt, sollte bei der Liveübertragung des Spiels auf die zweite Tonspur umschalten. Dort kommentiert Feye das Spiel für blinde und sehbehinderte Zuschauer. Seit 2005 macht er genau dies während der Heimspiele von Borussia Dortmund. Während Feye seinen Platz auf der Pressetribüne hat, sitzen die blinden Stadionbesucher nahe der Südtribüne. Per Kopfhörer verfolgen sie dort die Livereportage von Feye.

Jede Sekunde kommentiert

Für das ZDF ist dieser Service bei der Übertragung eines Fußballspiels Neuland, wie ein Sprecher des Senders bestätigt. „Wir möchten unser barrierefreies Angebot ausbauen und betrachten die Übertragung des Champions-League-Finales als Test.“ Bislang hätte das Fernsehen auf der zweiten Tonspur die Radioreportagen der ARD-Sender ausgestrahlt.

Doch die Radiokommentare entsprechen nicht den Bedürfnissen von Blinden und Sehbehinderten. Warum nicht, erklärt Daniela Schmidt. Sie ist Vorsitzende des Dortmunder Fanclubs „Blind Date“, in dem sich blinde und stark sehbehinderte Fans der Borussia zusammengeschlossen haben. „Radioreporter machen oft Pausen oder berichten in Spielunterbrechungen über irgendwelche anderen Dinge.“ Wenn Feye, der vor vielen Jahren für die Reserve von Olympia Laxten selber vor den Ball getreten hat, in Dortmund kommentiere, wisse sie jede Sekunde, was auf dem Spielfeld passieren würde.

Bei der WM 2010 bereits im Einsatz

Den Versuch des ZDF, die speziell auf Blinde und Sehbehinderte Zuschauer abgestimmte Art des Kommentierens bei einer Fußball-Liveübertragung einzuführen, möchte Schmidt auf jeden Fall verfolgen. „Ich begrüße das unbedingt. Bislang gibt es ein solches Angebot, in denen die Situation beschrieben wird, beispielsweise bei einigen Spielfilmen und Shows. Das hilft mir ungemein.“ Das sich das ZDF für Feye als Kommentator entschieden hat, findet Schmidt gut. „Der Martin macht das besser als ein Radiokommentator. Der hat Erfahrung damit, ein Fußballspiel für Blinde zu kommentieren.“

Eine Erfahrung, die Feye bestätigt. Für das ZDF sei dieser zusätzliche Kommentar Neuland, für ihn hingegen nicht. „Bei der WM 2010 in Südafrika habe ich für den ORF viele Spiele kommentiert, unter anderem auch das Finale Spanien gegen die Niederlande.“ Einen Unterschied zu seinem Job bei den Dortmunder Spielen gab es dabei allerdings – ebenso wie jetzt beim Champions-league-Finale. „Ich werde nicht im Stadion sitzen, sondern das Spiel aus dem Studio heraus kommentieren.“

Neutraler Beobachter

Den Versuch des ZDF hält Feye für gut: „Das ist ein richtig schöner Schritt, der den Blinden und Sehbehinderten ein Stück Lebensqualität geben kann.“ Feye wünscht sich ein gutes und spannendes Spiel zwischen Juve und Barca: „Guter Fußball lässt sich auch gut kommentieren.“

Auf ein gutes Spiel hofft auch Schmidt. Sie möchte sich nach dem Finale beim ZDF dafür einsetzen, dass dieser auch Audiodeskription genannte Service in Zukunft bei weiteren Fußballübertragungen angeboten wird. Eines unterscheidet Feye und Schmidt dann aber doch in Bezug auf das Champions-League-Finale. Während Feye sich als neutral bezeichnet, drückt Schmidt dem FC Barcelona die Daumen.


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