Diskussion über Standorte Nachbarin hilft Flüchtlingen und ist sauer auf Stadt Lingen

Zwischen der Meppener Straße und der Raffinerie liegt die Siedlung in Holthausen-Biene. Im Hintergrund ist der Ortsteil zu sehen.Foto: Heskamp/Grafik: WittwerZwischen der Meppener Straße und der Raffinerie liegt die Siedlung in Holthausen-Biene. Im Hintergrund ist der Ortsteil zu sehen.Foto: Heskamp/Grafik: Wittwer

Lingen.  Klein ist die Nachbarschaft in der Siedlung „Am Kanal“ zwischen der Meppener Straße bei Holthausen-Biene und dem Kanal. Vier Flüchtlingsfamilien aus Albanien und Serbien, 13 Männer, Frauen und Kinder, kamen vor gut einem Jahr hinzu. Sie wohnen in einem umgebauten ehemaligen Verwaltungsgebäude. Konflikte in der Siedlung gibt es nicht. Dafür sorgt Maria Hoff.

Die 60-Jährige kümmert sich seit über einem Jahr um die Bewohner  im Haus „Am Kanal 9“. „Ich hab halt ein Helfersyndrom“ , schmunzelte die gelernte Kinderkrankenschwester in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Als die neuen Bewohner ankamen, darunter ein gehörloser Junge, ein junger Vater mit schwerer Gehbehinderung und seine schwangere Frau, stellte sich die Nachbarin kurzerhand dort vor: „Ich bin Maria, wenn ihr Hilfe braucht, dann meldet euch“.

Das taten die Flüchtlinge dann auch und tun es bis heute:  Hoff hilft ihnen bei der Beantwortung von Behördenschreiben, sie begleitet die schwangere Frau zum Frauenarzt, sorgte im Freundeskreis dafür, dass die Familien mit dem Wichtigsten versorgt wurden. Unterstützt wird sie von ihrem Lebensgefährten Manfred Carls. Der führt auch schon mal kleinere Reparaturen in dem Haus durch.

 Zu Renis, dem gehörlosen Zehnjährigen, haben beide ein besonders gutes Verhältnis. Maria Hoff sorgte dafür, dass der Junge logopädisch behandelt wird und im örtlichen Fußballverein aufgenommen wurde. „Ich freu mich immer, wenn mir die Trainerin eine SMS schickt, dass Renis wieder ein Tor geschossen hat“. Sie sorgt auch dafür, dass der Junge sicher in den Ort kommt, denn dafür muss er die dichtbefahrene Meppener Straße überqueren.

Die pragmatische Lingenerin treibt die Integration der Flüchtlinge auf ihre Art und Weise voran. Beim Schützenfest vor wenigen Tagen nahm sie die Familien mit ins Zelt und für die Kinder schoss sie an der Schießbude Preise: Fünf Schuss, fünf Treffer. Um das Haus „Am Kanal 9“ sieht es sauber aus, nichts liegt herum. Maria Hoff hat den Flüchtlingsfamilien auch die Mülltrennung beigebracht, indem sie einfach Restmüll und Plastikmüll fotografierte und die Fotos an die entsprechenden Behältnisse klebte.

Von all dem macht die 60-Jährige nicht viel Aufhebens. Richtig sauer war sie allerdings vor einigen Tagen, als sie beobachtete, dass auf dem Parkplatz neben dem Haus Vertreter der Stadtverwaltung und andere standen und dort offenbar mit Vermessungen beschäftigt waren. Als sie hörte, dass beabsichtigt sei, ein mobiles Wohnheim für weitere Flüchtlinge hinzustellen, hielt Hoff mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg. „Das sprengt unsere Möglichkeiten“, betonte die Nachbarin. Sie wolle gerne auch weiterhin helfen, aber die Belastungsgrenze für diesen Wohnbereich sei eindeutig erreicht. „Das gibt’s doch nicht, davon weiß ich nichts“, habe Ortsbürgermeister Uwe Dietrich geantwortet.

 Die Nachbarn setzten ein Schreiben an die Stadt Lingen auf. Darin machten sie deutlich, dass eine Aufnahme von Flüchtlingen in Lingen wichtig sei, eine zusätzliche Unterbringung von weiteren Menschen an dieser Stelle in Holthausen-Biene aber die Nachbarschaft überfordern würde.

Der Ortsrat sehe das genauso, sagte Dietrich. Er bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass das Gremium von den Überlegungen der Stadtverwaltung vorab nicht informiert worden sei. Der Verwaltung seien nun zwei Alternativstandorte in Holthausen-Biene genannt worden, die geprüft würden. Insgesamt leben im Ortsteil über 20 Flüchtlinge, 13 in der Straße „Am Kanal“, die übrigen am Feuerwehrhaus.


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