Für Menschen mit Handicaps Aktionstag in Lingen: Jeder darf anders sein

Aus dem ganzen Emsland kamen am Donnerstag Bürger zum Aktionstag für Menschen mit Behinderungen nach Lingen. Foto: Thomas PertzAus dem ganzen Emsland kamen am Donnerstag Bürger zum Aktionstag für Menschen mit Behinderungen nach Lingen. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Zahlreiche Bürger mit Handicap, ihre Angehörigen und die großen Behinderteneinrichtungen im Emsland haben am Donnerstag in Lingen beim Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen demonstriert. Auf dem Universitätsplatz ließen sie zum Abschluss der Kundgebung Hunderte Luftballons in die Luft steigen.

Denen wird irgendwann die Luft ausgehen, sicher aber nicht den Angehörigen und Einrichtungen wie dem Christophorus-Werk in Lingen, dem St.-Vitus-Werk in Meppen und St.-Lukas-Heim in Papenburg, die sich für Menschen mit Handicap stark machen. Klaus Albers ist einer von ihnen. Der Lingener ist Vater von drei inzwischen erwachsenen Kindern, davon zwei mit einer geistigen Behinderung. Albers verwies darauf, dass der Weg bis zur Umsetzung der Inklusion noch ziemlich lang sei. Zuvor hatte er auf dem Platz Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone und die Behindertenbeauftragte des Landkreises Emsland, Ursula Mersmann, begrüßt.

Gute Nachrichten hatte der Oberbürgermeister mitgebracht, was die seit Langem in der Stadt Lingen erhobene Forderung anbelangt, das Amt eines Behindertenbeauftragten zu schaffen. „Was der Landkreis schon lange hat, wollen wir auch in Lingen“, betonte Krone. In den nächsten Wochen sei alles „unter Dach und Fach“. Der Verwaltungschef forderte abschließend dazu auf, niemanden in der Gesellschaft auszugrenzen, ob mit oder ohne Handicap. „Jeder darf anders sein“, erklärte der Oberbürgermeister.

Gute Ansätze

Auch Ursula Mersmann als Behindertenbeauftragte des Landkreises sprach sich dafür aus, die im Kreis bereits vorhandenen guten Ansätze fortzuführen. Wie das in der Praxis aussieht, erläuterte Projektleiter Hermann Plagge von „InduS“ (Inklusion durch Sport). Plagge verwies auf inzwischen 55 Sportvereine im Landkreis, die über inklusive Sportangebote verfügen.

Wie erlebt ein Mensch mit Handicap die Umgebung, in der er lebt und arbeitet? Rollstuhlfahrer Marc Borschel weiß es aus eigenem Erleben. Der Kaufmann für Bürokommunikation arbeitet bei der Lingener Stadtverwaltung. Ein Filmteam hat ihn auf seinem Weg durch die Stadt begleitet. Der Film wurde im Rahmen des Aktionstages gezeigt und zollte den Betrachtern Respekt vor dem 29-Jährigen und der Art und Weise ab, wie er mit seinem Handicap umgeht.

Michael Schikora, Werkstattsprecher beim Christophorus-Werk, forderte die Betriebe auf, bei Einstellungen Menschen mit einem Handicap nicht zu vergessen. „Inklusion fängt in den Köpfen an“, betonte Schikora. Sie dürfe sich nicht zu einer Sparmaßnahme entwickeln.


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