Umweltminister besucht Lingen Kohle aus Klärschlamm in Lingener Kläranlage

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Lingen. Da sind selbst die Grünen aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Der Betriebsleiter der Lingener Kläranlage, Laurenz Hüer, konnte dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel erklären,dass eine Kläranlage zu einer Produktion von Strom- und Wärmeüberschüssen umgewandelt werden kann. Und wie aus Klärschlamm Kohle gepresst wird, erfuhr der Minister von Prof. Klaus Herrmann.

Kläranlagen gelten allgemein als die größten Einzelverbraucher an elektrischer Energie von Kommunen. Hüer dagegen konnte seinen Gästen aus Hannover erklären, dass die Lingener Kläranlage nicht nur eine Nullenergie-Kläranlage ist, sondern auch noch Strom- und Wärmeüberschüsse produziert, von der zurzeit rund 200 Haushalte im Emsauenpark und das Linus-Freizeitbad profitieren. Zusätzlich werde auch Phosphor durch die Klärschlammentwässerung zurückgewonnen.

Zuvor hatte Arno Ester, Betriebsleiter der Stadtentwässerung in Lingen, den Landtagsabgeordneten der Grünen erklärt, dass der anfallende Klärschlamm nicht einfach im Kohlekraftwerk in Ibbenbüren verbrannt oder der Landwirtschaft zugeführt werden sollte. „Wir sollten den Klärschlamm nicht auf die Felder verbringen, weil sich darin viele Medikamentenreste und Hormone befinden, die unter anderem das Grundwasser belasten.“ Viel besser sei
es, mithilfe des HTC-Verfahrens (Hydrothermale Carbonisierung) aus dem Klärschlamm Kohle zu machen – und zwar CO2-neutral. Ester: „Das ist nicht nur gut für unsere Umwelt, das rechnet sich auch.“

Nicht ohne Stolz konnte Prof. Herrmann darauf verweisen, dass man ganz nahe davorstehe, in die Produktion von Kohle aus Klärschlamm eintreten zu können. „ Die Laborphase ist abgeschlossen – jetzt können wir Briketts herstellen“, betonte der 78-jährige Wissenschaftler, dem man unschwer abnehmen konnte, mit welcher Leidenschaft er das Projekt verfolgte.

Der aus Lingen stammende und inzwischen emeritierte Professor wohnt im Landkreis Cuxhaven und ist mehrere Tage in der Woche ehrenamtlich in der Lingener Kläranlage tätig. Zuvor wirkte er viele Jahrzehnte als Dozent und Forscher an den renommiertesten Universitäten der USA. Er erläuterte dem Umweltminister, dass man bei Temperaturen zwischen 180 und 350 Grad Celsius und einem Druck von bis zu 65 bar mithilfe eines Reaktors aus Klärschlamm Kohle herstellen könne. Zudem erlaube das HTC-Verfahren, das im Klärschlamm gebundene Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) für eine CO2-neutrale Energieerzeugung zu nutzen. „Mit diesem in Lingen entwickelten und patentierten Verfahren könnten wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, betonte der Professor.

Bei einem anschließenden Rundgang konnten sich die Grünen von der praktischen Anwendung des HTC-Verfahrens selbst überzeugen. Auch wenn die von Herrmann betreute Anlage noch einen laborähnlichen Charakter hat, konnte der Wissenschaftler darauf verweisen, dass einem großtechnischen Einsatz eigentlich kaum noch etwas im Wege stehe. „Wir können das jetzt.“ Mit Blick auf den niedersächsischen Umweltminister machte Herrmann aber auch deutlich, dass es dazu finanzieller Mittel vom Land bedürfe. „Mit unseren Bordmitteln alleine können wir das nicht mehr leisten.“

Sowohl Herrmann als auch Hüer lobten das hohe Engagement der Kollegen und Mitarbeiter. „Ohne deren Know-how und Einsatzfreudigkeit hätten wir das nicht auf den Weg bringen können.“


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